# taz.de -- Deutsche Olympiabewerbung: Fixe olympische Idee
       
       > Die Bundesregierung will mit Olympia 2040 Versäumnisse der Vergangenheit
       > kompensieren. Dringlicher wären Investitionen in Sportstrukturen.
       
 (IMG) Bild: Olympia: Die Erwartungen an die Spiele sind oft völlig überzogen
       
       Es gibt Gäste, die den Gastgeber loben. Es gibt aber auch Gastgeber, die
       den Gastgeber loben. „Deutschland ist eine Sportnation und ein großartiger
       Gastgeber für internationale Sportereignisse“, das hat Nancy Faeser,
       Deutschlands Innenministerin, diese Woche mit Verweis auf die
       Fußball-Europameisterschaft gesagt. Olympische und Paralympische Spiele
       seien deshalb eine große Chance für das Land.
       
       [1][Die Bundesregierung hatte gerade ihre Unterstützung für eine
       Olympiabewerbung] vorzugsweise 2040 dem Deutschen Olympischen Sportbund und
       möglichen Bewerberkandidaten schriftlich hinterlegt. Bis zu knapp 7
       Millionen Euro will man für die Kosten eines Bewerbungsverfahrens
       beisteuern. Gemessen an der gut halben Million Euro, die aus dem
       Staatshaushalt für die Flugreisen der Bundeskabinettsmitglieder zu den
       EM-Spielen aufgewendet werden mussten, ist das erst einmal ein sehr
       günstiges Bekenntnis zum Sport.
       
       Lobenswert ist auch, dass die Bundesregierung ablässt von der fast schon
       wahnhaften Vorstellung einiger, [2][nach den Nazispielen von 1936] sollten
       die Deutschen unbedingt 100 Jahre später am selben Ort in Berlin unter
       Beweis stellen, wie viel besser sie geworden sind.
       
       Allerdings leidet das Ansinnen der Bundesregierung an einer anderen Art von
       Fixierung. Die Olympischen Spiele in spe sollen scheinbar all das richten,
       was in den vergangenen Jahrzehnten nicht auf den Weg gebracht wurde, weil
       es an eigenen sportpolitischen Ideen und Konzepten fehlte.
       
       Ein singuläres Hochglanz-Ereignis mag Sportbegeisterung und Nacheifertum
       wecken, viel grundlegender gefördert würden diese Effekte aber, wenn nicht
       an Sportstätten, Schwimmbädern und Sportunterricht gespart würde. Wenn
       Leistungssport jenseits des Fußballs für Athleten und Trainer auch jenseits
       von prekären Lebensverhältnissen möglich wäre.
       
       ## Spekulative Erwartungen
       
       Erstaunlich spekulativ dagegen sind die Erwartungen, welche die
       Bundesregierung mit Olympischen Spielen in Deutschland verbindet. Diese
       „können“, so hob Faeser hervor, neben der Sportbegeisterung auch
       gesellschaftlichen Zusammenhalt stärken und Impulse für die Wirtschaft
       setzen. Der Möglichkeit ist kaum zu widersprechen, Studien über vergangene
       Olympische Spiele weisen jedoch kaum bemerkenswerte positive ökonomische
       Effekte auf.
       
       Der Gigantismuswettbewerb vergangener Olympia-Gastgeber ist zwar auch vom
       IOC nicht mehr gewollt, doch die dadurch eingesparten Kosten werden
       mittlerweile durch die horrenden Sicherheitsanforderungen konterkariert.
       
       Und wer sich für Olympische Spiele bewirbt, muss nach der Pfeife des IOC
       tanzen, der die Gestaltungsräume der Gastgeber systematisch eingeengt hat.
       Das Wort „Knebelverträge“ hat in diesem Zusammenhang besondere Bekanntheit
       erlangt. Die Erwartungen an Olympische Spiele sind deshalb völlig
       überzogen. Kleinere Wettbewerbe wie [3][die in München 2022 überaus
       erfolgreichen European Championships] sind vergleichsweise
       vielversprechender.
       
       26 Jul 2024
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.bmi.bund.de/SharedDocs/pressemitteilungen/DE/2024/07/olympia-bewerbung.html
 (DIR) [2] /Olympia-1936-in-Berlin/!5322416
 (DIR) [3] /European-Championships-in-Muenchen/!5874090
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Johannes Kopp
       
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