# taz.de -- Trumps Vize-Kandidat Vance: Leider gut
       
       > Trumps Vize-Kandidat J.D. Vance zog bei seiner Vorstellungsrede auf dem
       > Parteitag alle Register. Die Schwachstellen der Demokraten kennt er
       > genau.
       
 (IMG) Bild: Der republikanische Vizepräsidentschaftskandidat J.D. Vance
       
       Donald Trump hat gerade einen Lauf. Amtsinhaber Joe Biden ist, vorsichtig
       formuliert, gesundheitlich angeschlagen. Trump selbst hat seit dem
       fehlgeschlagenen Attentat auf ihn in seiner Anhängerschaft Märtyrer-Status
       erreicht. Und die Ernennung des jungen Senators aus Ohio, J. D. Vance, zum
       Vize-Kandidaten ist in jeglicher Hinsicht ein schlauer Schachzug.
       
       Ja, Vance war früher ein erbitterter Gegner von Trump. Aber in einem Land,
       das empfänglich für archaische Erzählungen ist, passt das nur zu gut: Vance
       ist der Bekehrte, der nun umso loyaler zum Anführer steht. Trump kann jetzt
       den eher versöhnlichen Präsidentschaftskandidaten geben und seinem Vize die
       Rolle des jungen Radikalen überlassen.
       
       [1][Die Rede von J. D. Vance auf dem Parteitag der Republikaner] war
       berechnend gut. Der eigentlich eher kühle, analytische Vance spielte
       virtuos auf der Emotions-Klaviatur, wie sie die Republikaner lieben: Die
       Geschichte seiner Mutter, die schwer drogenabhängig war, aber nun seit
       „zehn Jahren clean und nüchtern ist“, durfte nicht fehlen. Die verlorene
       Mutter, die zurück auf dem rechten Weg ist – Amerikaner, und keineswegs nur
       Trump-Anhänger, lieben solche Geschichten. Vance positionierte sich als
       Mann der kleinen Leute und verband Nationalismus mit Sozialpolitik: gegen
       die „billigen“ Importe aus China, für die heimische Industrie, um die
       eigene Working Class zu schützen. Sogar für die Gewerkschaften fand er
       lobende Worte – für einen Republikaner sehr ungewöhnlich.
       
       Biden ist für die Demokraten eine Last, aber auch seine Vizepräsidentin
       Kamala Harris hat jetzt ein Problem. In den identitätspolitisch
       aufgeladenen USA tritt jetzt [2][ein Kind der verarmten Industrieregionen
       mit authentischer Aufstiegsgeschichte] gegen eine Frau aus „gutem Hause“
       an, die sich für Sozialpolitik eher wenig interessiert – demnächst sehen
       sie sich zum TV-Duell. Den Vorwurf, dass die Demokraten ihre ehemalige
       Kernklientel vernachlässigt haben, werden die Republikaner jetzt noch
       genüsslicher vortragen können.
       
       18 Jul 2024
       
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