# taz.de -- George Clooney fordert Biden-Rücktritt: Ein Akt des Verrats
       
       > Nun fordern auch Hollywoodstars wie George Clooney, dass Joe Biden auf
       > die Präsidentschaftskandidatur verzichtet. Ihre Sorge schwächt die
       > Demokraten.
       
 (IMG) Bild: „Aber den einen Kampf, den er nicht gewinnen kann, ist der gegen die Zeit“, schreibt George Clooney über Joe Biden
       
       Möglicherweise würde eine Diskussion lohnen, ob Menschen jenseits des 70.
       Lebensjahrs zu einer neuerlichen Führerscheinprüfung gehen sollten:
       Vielleicht steht es um ihre Reaktionssicherheit im Straßenverkehr nicht
       mehr gut? Auch wäre zu erwägen, ob alte Frauen und Männer gut beraten sind,
       hohe Berge wie den Mount Everest zu besteigen. Die Luft ist sehr dünn ganz
       oben.
       
       Worüber aber keinesfalls gezankt werden sollte, ist die Frage, ob Jobs,
       die erst wirklich gut ausgefüllt werden können, wenn dem Können auch jede
       Menge Erfahrung zugrunde liegt, von Älteren ausgeübt werden dürfen.
       Insofern ist die [1][Diskussion in der US-amerikanischen Öffentlichkeit],
       ob Präsident Joe Biden sich lieber zurückziehen und für eine jüngere Person
       verzichten sollte, um das Mindeste zu sagen, abenteuerlich und, gerade in
       puncto Joe Biden, ein Akt des Verrats.
       
       [2][Während einer TV-Debatte hatte Joe Biden], der beste US-Präsident seit
       Lyndon B. Johnson, im Vergleich mit seinem Kontrahenten Donald Trump nicht
       gut abgeschnitten. Sagten die Interpretinnen* hernach. Biden habe wirr
       und langsam gesprochen und vermochte seinem Rivalen nie so recht in die
       Parade zu fahren. Daraufhin setzte ein Diskurs ein, ob Biden nicht zu alt
       sei. Nun haben [3][Hollywoodstars wie George Clooney] in einem
       [4][Gastbeitrag für die New York Times] oder Michael Douglas ihre Besorgnis
       ausgedrückt und dem Präsidenten einen Rückzug nahegelegt. Auch [5][aus der
       Demokratischen Partei sind erste Stimmen] zu hören, Kongressabgeordnete,
       [6][ein Senator] und auch die langjährige Kongressanführerin ihrer Partei,
       Nancy Pelosi, die allerdings inzwischen ihren Rat zur Demission wieder
       relativiert hat.
       
       Nicht die gelegentlich motorische Verlangsamung des Joe Biden muss das
       Thema sein, seine Neigung, nach langen Reisen den Jetlag nicht mehr
       wegstecken zu können wie ein Freshman von 25 Jahren oder seine im Übrigen
       schon seit vielen Jahren bemerkte Tüdeligkeit beim Formulieren
       komplizierter Sätze im öffentlichen Raum und so weiter. Und so unwichtig!
       Ihm ist schließlich keine Demenz attestiert worden, selbst der Beginn einer
       Parkinson-Erkrankung wurde sofort dementiert, das war ohnehin nur ein Spin,
       vermutlich aus dem Team Trump.
       
       ## Woher kommt diese Sehnsucht nach jungen Politikerinnen?
       
       Feige ist die Sorge um Joe Biden, weil der Diskurs um die Zukunft der
       Gesundheit des Präsidenten das demokratische Team schwächt: Wer außer Biden
       sollte denn in der Lage sein, die Wahlen gegen die Republikaner zu
       gewinnen? Wer könnte eine solche Bilanz an Erfolgen vorweisen?
       
       Die starke – wenn auch, was an seinen israelischen Gegenübern lag,
       erfolglose – Präsenz im Nahen Osten nach dem 7. Oktober; die Ermöglichung
       von Green Deals auch gegen einen republikanisch dominierten Kongress; die
       Moderationsfähigkeit über die Milieus der Demokratinnen* hinaus: Biden und
       seine Leute haben die USA in den vergangenen vier Jahren besser gemacht,
       auch ökonomisch. Er hat, alles in allem, die Demokraten davor bewahrt, eine
       mélenchonhafte Linkssekte zu werden, er hat die Flügel der Partei ins
       sprechfähige Einvernehmen gebracht.
       
       Bis jetzt war ihm dies gutgeschrieben worden. Nun haben manche Angst, sie
       könnten mit ihm scheitern. So kurz vor den Präsidentschaftswahlen am 5.
       November eine*n Kandidat*in auszutauschen, spielt dem arrivierten
       Rechtspopulisten Trump in die Hände. Erfahrungsgemäß sind die Demokraten
       prinzipiell verzankter miteinander, als es die Republikaner je sein wollten
       – eine Alternative zu Biden ist kaum zu haben.
       
       Die Nervosität Clooneys, Douglas’ und demokratischer Mandatsträger mag real
       sein, aber: Besser macht es die gusseiserne Teamspielerin Barbra Streisand,
       glühende Demokratin, nie Zweiflerin an Ergebnissen, die noch nicht
       verkündet wurden. [7][Neulich postete sie] das einzige Angemessene: „Biden
       tritt jeden Tag auf, um für eine starke Wirtschaft mit Klimaresilienz
       und niedrigen Kosten zu arbeiten. Trump quatscht nur Unsinn.“ So geht: „You
       Never Walk Alone“, so geht Loyalität und Wahlkampf. Die – oder wir!
       
       Lieber ein langsamer alter Mann, der den Laden zusammenhält, als eine
       Figur, die für die Zerstörung der demokratisch verfassten USA steht, siehe
       seine Rekrutierungspolitik zum Supreme Court. Und woher kommt diese
       Sehnsucht nach jungen Politikerinnen, die die ganze Verantwortung
       übernehmen sollen – und nichts als Lehrlinge* sein können?
       
       11 Jul 2024
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Moeglicher-Ersatz-fuer-Joe-Biden/!6019202
 (DIR) [2] /US-Praesidentschaftswahlkampf/!6017648
 (DIR) [3] https://www.spiegel.de/kultur/kino/george-clooney-wendet-sich-nun-auch-gegen-kandidatur-von-joe-biden-a-e5aace3d-c5e2-4a3e-b47f-2da2295962d2
 (DIR) [4] https://www.nytimes.com/2024/07/10/opinion/joe-biden-democratic-nominee.html
 (DIR) [5] /Druck-auf-US-Praesident/!6023065
 (DIR) [6] /Druck-auf-US-Praesident/!6023065
 (DIR) [7] https://x.com/barbrastreisand/status/1810401918029558139?s=43&t=QqbZiawxb1ayjC_qWYRx0Q&mx=2
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Jan Feddersen
       
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