# taz.de -- Petar Wolgin will nach Brüssel: Propaganda-Papagei aus Bulgarien
       
       > Petar Wolgin von der bulgarischen Rechtsaußenpartei „Wiedergeburt“ will
       > ins EU- Parlament. Er gilt als Kreml-Freund und Kritiker von
       > Ukraine-Hilfen.
       
 (IMG) Bild: Politiker Petar Wolgin
       
       Für Skandale im neuen EU-Parlament dürfte gesorgt sein, sollte Petar Wolgin
       am Sonntag [1][in Bulgarien] das Ticket nach Brüssel lösen. Der 54-Jährige
       mit deutlich gelichtetem Haupthaar tritt für die Rechtsaußenpartei
       Wasraschdane (Wiedergeburt) an. Die könnte bis zu 3 von 17 Mandaten
       gewinnen, die dem Balkanstaat zustehen.
       
       Bei einer TV-Debatte am Sonntag wäre es fast zum Eklat gekommen, als sich
       Wolgin wieder einmal am Ukrainekrieg abarbeitete. Sollte Bulgarien kein
       Vetorecht mehr haben, werde die EU Soldaten in die Ukraine schicken,
       behauptete er – Subtext ergo auch bulgarische. Dass das barer Unsinn ist,
       ficht den Journalisten nicht an.
       
       Überhaupt: Einen besseren Propaganda-Papagei in Bulgarien als Wolgin kann
       sich der Kreml nicht wünschen. [2][Ukrainehilfen] seien in Wahrheit eine
       Unterstützung für das Regime von Wolodymyr Selenskyj, sagte er unlängst.
       Das Einzige, was dieser illegitime Präsident tue, sei, so viele seiner
       Landsleute wie möglich zu begraben.
       
       Russophilie war Wolgin, in Sofia geboren, in die Wiege gelegt – genauso wie
       der Drang, sich auf einer Bühne zu produzieren. Sein Vater, Verfasser
       mehrerer Bände mit KP-Parteilyrik, arbeitete im Radio und als Dramaturg an
       mehreren Theatern. Als Kind trat Wolgin im Palast der Pioniere auf, als
       Zehnjähriger gewann er einen Hörspielwettbewerb des bulgarischen nationalen
       Radios (BNR). Er absolvierte eine Mittelschule mit dem Schwerpunkt
       Russisch, ein altsprachliches Gymnasium und schloss ein Studium der
       bulgarischen Philologie an der Sofioter Universität St. Kliment Ohridski
       ab.
       
       ## Wolgin nimmt es mit der Wahrheit nicht so genau
       
       Ende der 90er Jahre ging er zum BNR, wo er mehrere bekannte Sendungen
       moderierte – darunter „12 plus 3“ sowie „Politisch inkorrekt“. Dort nahm er
       es mit der Wahrheit oft nicht so genau, auch die Auswahl der Gäste hatte
       eine gewisse Schlagseite. 2022 verbreitete Wolgin die Falschmeldung,
       [3][das ukrainische Asow-Bataillon] habe zwei Schiffe gekapert, eins davon
       soll bulgarische Seeleute an Bord gehabt haben.
       
       Die bulgarische Medienaufsichtsbehörde sprach eine Rüge aus. Im Dezember
       2023 unterband die BNR-Führung die Ausstrahlung eines Interviews mit der
       russischen Botschafterin in Bulgarien, Eleonora Mitrofanowa.
       
       Derzeit läuft gegen Wolgin ein Gerichtsverfahren. Nachkommen von Opfern der
       KP-Herrschaft hatten eine Sammelklage eingereicht. 2023 hatte er die
       Einrichtung des Volksgerichtshofs als ersten größeren Akt der KP gepriesen.
       Dessen Urteilen fielen Tausende zum Opfer. Was wird aus Wolgin, sollte es
       nicht für Brüssel reichen? Der BNR wird kaum auf ihn warten.
       
       4 Jun 2024
       
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 (DIR) Barbara Oertel
       
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