# taz.de -- +++ Nachrichten im Nahost-Krieg +++: Israel spricht von „letzter Chance“
       
       > Die Hamas prüft nach eigenen Angaben einen israelischen Vorschlag für
       > eine Feuerpause und die Freilassung von Geiseln. China will einen
       > Palästina-Gipfel ausrichten.
       
 (IMG) Bild: Israelische Soldaten blockieren eine Straße im Westjordanland
       
       ## Luftangriffe im Raum Rafah und auf Gaza gemeldet
       
       Israel sieht die jüngsten Bemühungen im Gaza-Krieg um eine Feuerpause und
       die Freilassung von Geiseln Medienberichten zufolge als „letzte Chance“.
       Sollte es nicht bald zu einer Einigung mit der islamistischen Hamas kommen,
       werde man mit der angekündigten Bodenoffensive in der Stadt Rafah im Süden
       Gazas beginnen, hieß es in übereinstimmenden Berichten des
       Nachrichtenportals Axios und israelischer Medien unter Berufung auf
       ranghohe israelische Beamte. Die am Freitag in Tel Aviv erfolgten Gespräche
       zwischen ägyptischen und israelischen Vertretern seien „sehr gut“ und
       konstruktiv verlaufen.
       
       Unterdessen berichteten palästinensische Medien am frühen Samstagmorgen
       laut der Jerusalem Post von israelischen Luftangriffen im Raum Rafah, Chan
       Junis und im Zentrum Gazas. Es gebe Todesopfer. Eine offizielle Bestätigung
       Israels dafür gab es zunächst nicht. (dpa)
       
       ## Zwei bewaffnete Palästinenser im Westjordanland getötet
       
       Zwei bewaffnete Palästinenser sind bei einem Angriff auf einen israelischen
       Kontrollposten im Norden des Westjordanlandes erschossen worden. Mehrere
       Palästinenser hätten in der Nacht zu Samstag das Feuer auf den Übergang
       Salem vom Westjordanland nach Israel eröffnet, teilte die Armee mit. Sie
       seien „eliminiert“ und zwei Schnellfeuergewehre beschlagnahmt worden. Auf
       israelischer Seite habe es keine Opfer gegeben.
       
       Die Terrororganisation Islamischer Dschihad bestätigte, dass einige ihrer
       Mitglieder aus Dschenin den Kontrollposten angegriffen hätten und getötet
       worden seien. Palästinensische Medien berichteten, es seien zudem zwei
       Angreifer verletzt worden.
       
       Im besetzten Westjordanland ist es in den vergangenen Jahren wieder
       verstärkt zu Anschlägen von Palästinensern gekommen. Seit Beginn des
       Gaza-Kriegs nach dem Hamas-Massaker am 7. Oktober hat sich die Lage noch
       einmal zugespitzt. Mindestens 468 Palästinenser wurden nach Angaben des
       Gesundheitsministeriums im Westjordanland seitdem bei israelischen
       Militäreinsätzen, Konfrontationen oder eigenen Anschlägen getötet. Es kam
       zugleich auch verstärkt zu Gewalt israelischer Siedler gegen Palästinenser.
       (dpa)
       
       ## Ägyptische Delegation in Israel
       
       Die islamistische Palästinenserorganisation Hamas prüft nach eigenen
       Angaben einen israelischen Vorschlag für eine Feuerpause im Gazastreifen
       und die Freilassung von Geiseln. Es handele sich um einen Gegenvorschlag
       Israels auf Forderungen der radikalislamischen Palästinenserorganisation,
       hieß es am Samstag von der Hamas in einer kurzen Erklärung. Sie werde nach
       der Prüfung des Vorschlags eine Antwort vorlegen.
       
       Die Hamas hatte vor zwei Wochen unter anderem eine „dauerhafte Waffenruhe“
       gefordert, was Israel ablehnt. Am Freitag traf eine Delegation des
       Vermitterlandes Ägypten in Israel ein, um die ins Stocken geratenen
       Verhandlungen wieder in Gang zu bringen, wie israelische und ägyptische
       Medien berichteten.
       
       Die Verhandlungen über eine Feuerpause und Geiselfreilassung laufen seit
       Monaten – bislang allerdings erfolglos. Im Rahmen der bislang einzigen von
       den USA, Katar und Ägypten vermittelten Einigung zwischen Israel und der
       Hamas waren Ende November während einer einwöchigen Feuerpause rund hundert
       Geiseln im Austausch gegen palästinensische Häftlinge freigekommen. (afp)
       
       ## Schiff im Roten Meer bei Angriff der Huthi-Miliz beschädigt
       
       Im Roten Meer ist ein Schiff bei einem Angriff der jemenitischen
       Huthi-Miliz beschädigt worden. Das US-Zentralkommando (Centcom) teilte mit,
       die Miliz habe aus von ihr kontrollierten Gebieten im Jemen drei
       Anti-Schiffsraketen in Richtung des Roten Meeres abgefeuert. Die „Andromeda
       Star“ habe kleinere Schäden festgestellt, ihre Fahrt aber fortgesetzt. Die
       Huthi-Miliz bekannte sich in der Nacht zum Samstag zu dem Angriff.
       
       Die Huthi-Miliz greift seit November Schiffe im Roten Meer und im Golf von
       Aden an, um sich nach eigenen Angaben mit den Palästinensern im Krieg
       zwischen Israel und der islamistischen Hamas im Gazastreifen zu
       solidarisieren. Die Huthis sehen sich als Teil der gegen Israel gerichteten
       und [1][vom Iran unterstützten „Achse des Widerstands“], zu der neben der
       Hamas auch die Hisbollah-Miliz im Libanon gehört.
       
       Die USA und Großbritannien reagierten mit Angriffen auf Huthi-Stellungen im
       Jemen und wollen weitere Attacken auf Frachtschiffe damit verhindern. (afp)
       
       ## UNWRA-Ermittlungen in fünf Fällen eingestellt oder ausgesetzt
       
       [2][Bei der Untersuchung israelischer Anschuldigungen einer Beteiligung von
       19 Mitarbeitern des UN-Palästinenserhilfswerks (UNRWA) am
       Hamas-Großangriff] auf Israel haben die Vereinten Nationen die Ermittlungen
       in fünf Fällen eingestellt oder ausgesetzt. Bei den ursprünglich zwölf
       Verdächtigen seien die Ermittlungen in einem Fall eingestellt worden, sagte
       UN-Sprecher Stephane Dujarric am Freitag. Israel habe keine Beweise zur
       Belegung der Anschuldigungen gegen den Mitarbeiter vorgelegt.
       
       Die Ermittlungen gegen drei weitere Mitarbeiter seien ausgesetzt worden, da
       die von Israel vorgelegten Informationen nicht ausreichend seien. Israel
       hatte die Vorwürfe gegen die zwölf Menschen im Januar erhoben, daraufhin
       wurden ihre Verträge der Mitarbeiter gekündigt.
       
       Später wurden Vorwürfe gegen sieben weitere Menschen erhoben. Die
       Ermittlungen gegen einen von ihnen wurden Dujarric zufolge bis zum Erhalt
       weiterer Beweise ebenfalls ausgesetzt. Gegen die insgesamt anderen 14
       Mitarbeiter wird demnach weiter ermittelt.
       
       Nach den Vorwürfen gegen UNRWA-Mitarbeiter war eine Untersuchungskommission
       unter Leitung der ehemaligen französischen Außenministerin Catherine
       Colonna eingesetzt worden. Als Reaktion auf die Vorwürfe setzten zahlreiche
       Geberstaaten ihre finanzielle Hilfen aus. [3][Einige Geber haben die Hilfen
       mittlerweile wieder aufgenommen.]
       
       Das UNRWA beschäftigt mehr als 30.000 Mitarbeiter. Das 1949 gegründete
       UN-Hilfswerk hat das Mandat der Vereinten Nationen, den in ihrem
       Einsatzgebiet registrierten palästinensischen Flüchtlingen humanitäre Hilfe
       und Schutz zu gewähren. Nach mehr als einem halben Jahr Krieg, der durch
       den beispiellosen Angriff der islamistischen Hamas auf Israel am 7. Oktober
       ausgelöst wurde, sind die im Gazastreifen lebenden 2,4 Millionen
       Palästinenser am Rande einer Hungersnot. (afp)
       
       ## Unangemeldeter propalästinensischer Protest in Berlin-Neukölln
       
       An einem unangemeldeten propalästinensischen Protest in Berlin-Neukölln auf
       dem Hermannplatz haben am Freitagabend 150 Menschen teilgenommen. Es seien
       propalästinensische Sprüche skandiert und Pyrotechnik entzündet worden,
       teilte die Polizei am Samstagmorgen mit. Den Angaben zufolge sind die
       Teilnehmer der Ansammlung teilweise vermummt gewesen. Es seien drei
       Polizeikräfte verletzt und zwei von ihnen ambulant in einem Krankenhaus
       behandelt worden, so der Sprecher.
       
       Laut der Polizei gab es vor Ort 59 freiheitsentziehende Maßnahmen und 28
       Strafermittlungsverfahren, unter anderem wegen Volksverhetzung. Nach zwei
       Stunden war die Ansammlung vollständig aufgelöst.
       
       Am Freitag war ein Protestcamp im Berliner Regierungsviertel zur
       Unterstützung der Palästinenser-Bewegung [4][von der Polizei verboten
       worden]. 150 Polizisten erschienen an den etwa 20 Zelten in der Nähe des
       Kanzleramtes und forderten die rund 20 Bewohner auf, den Ort zu verlassen,
       wie ein Sprecher sagte.
       
       Zur Begründung erklärte die Polizei, Camp-Teilnehmer hätten wiederholt
       Straftaten begangen, darunter auch Volksverhetzung. Einige Bewohner griffen
       demnach auch Polizisten an. (dpa)
       
       ## Anti-Kriegs-Protest an Pariser Uni beendet
       
       Nach Gedränge zwischen pro-palästinensischen und pro-israelischen Gruppen
       haben Studenten an der Pariser Elitehochschule Sciences Po ihren Protest
       gegen den Krieg im Gazastreifen beendet. Die Universität erklärte am
       Freitag, die pro-palästinensischen Studenten hätten sich bereit erklärt,
       ihren Protest im Gegenzug für eine „interne Debatte“ über die Beziehungen
       der Universität zu Israel zu beenden. Zudem willigte die Hochschule ein,
       alle Verfahren gegen die Demonstranten einzustellen.
       
       Pro-palästinensische Studenten hatten mehrere Tage lang Sitzstreiks
       abgehalten und an der Universität protestiert. Einige blockierten Eingänge
       zu der Hochschule, im zentralen Innenhof wurden Zelte für ein Protestcamp
       aufgestellt. Am Freitag waren hunderte Studenten vor Ort.
       
       Als sich rund 50 pro-israelische Demonstranten vor Ort versammelten und es
       zu Gedränge kam, schritt die Polizei ein. Am Abend beruhigte sich die Lage,
       wie ein Reporter der Nachrichtenagentur AFP beobachtete.
       
       Die Sciences Po arbeitet mit der New Yorker Columbia University zusammen.
       [5][Dort hatten in der vergangenen Woche massive pro-palästinensische
       Proteste von Studenten begonnen], die sich auf andere Hochschulen in den
       Vereinigten Staaten ausweiteten.
       
       In Frankreich leben etwa eine halbe Million Juden, die größte Gemeinde
       innerhalb Europas, sowie mehr als fünf Millionen Muslime, viele von ihnen
       mit Wurzeln in Nordafrika. (afp)
       
       ## Angriff auf junge Israelin nahe Tel Aviv
       
       Nahe der israelischen Stadt Tel Aviv ist eine junge Frau angegriffen und
       verletzt worden. Sie sei nach dem Angriff in Ramla ins Krankenhaus gebracht
       worden, teilten Polizei und Sanitäter am Freitag mit. Der Angreifer wurde
       demnach getötet. Nähere Angaben wurden zunächst nicht gemacht.
       
       Derweil wurde Israels rechtsextremer Sicherheitsminister Itamar Ben Gvir
       bei einem Autounfall verletzt, als er von einer Ansprache am Ort des
       Angriffs zurückkehrte. Auch drei weitere Menschen wurden verletzt. Ein
       Fotograf der Nachrichtenagentur AFP sah zwei beschädigte Autos am
       Unfallort, von denen sich eines überschlagen hatte. (afp)
       
       ## Steinmeier hat Nahostkrieg-Gesprächsrunde abgesagt
       
       Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat eine geplante Diskussionsrunde
       im Schloss Bellevue zum Nahost-Krieg in der kommenden Woche abgesagt. Zu
       der Veranstaltung „Wie sprechen wir über den Krieg in Nahost?“ waren der
       Direktor der Bildungsstätte Anne Frank, Meron Mendel, der Journalist Tilo
       Jung und die Expertin für deutsch-israelische Beziehungen, Melody
       Sucharewicz, eingeladen. Steinmeier wollte eine Rede halten und dann mit
       seinen Gästen diskutieren.
       
       Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung hatte es in den vergangenen
       Tagen Kritik an der Besetzung des Runden Tisches gegeben. So sei zum
       Beispiel moniert worden, dass keine palästinensische Stimme eingeladen
       worden sei.
       
       In einer Erklärung des Bundespräsidialamts, aus dem die „Süddeutsche
       Zeitung“ zitiert und die auch der Deutschen Presse-Agentur vorliegt, heißt
       es: „Das Bundespräsidialamt ist zu der Einschätzung gekommen, dass der für
       den 2. Mai geplante Runde Tisch in der aktuellen angespannten Lage dem
       Ziel, den gesellschaftlichen Frieden zu stärken, nicht dient. Die
       Veranstaltung wird daher zu diesem Zeitpunkt nicht stattfinden.“ (dpa)
       
       ## Hamas-Delegation kommt nach Peking
       
       China wird einen Palästina-Gipfel unter Beteiligung von Vertretern der
       Hamas und Fatah ausrichten. Es werde dort Gespräche über die Einheit
       Palästinas gehen, heißt es von den beiden rivalisierenden
       Palästinenser-Gruppen und einem Diplomat aus Peking. Demnach sei bereits
       eine Fatah-Delegation nach China aufgebrochen, während Vertreter der Hamas
       später am Freitag nachkommen würden, sagten Vertreter aus dem jeweiligen
       Lager. Es wäre der erste offizielle Besuch von Hamas-Mitgliedern in China
       seit Beginn des Gaza-Krieges. Die radikal-islamische Hamas kontrolliert den
       Gazastreifen, während die als gemäßigt geltende Fatah-Bewegung unter
       Palästinenser-Präsident Mahmud Abbas die Geschicke im Westjordanland
       bestimmt. (rtr)
       
       ## US-Regierung sieht neuen Schwung in Gesprächen
       
       Die US-Regierung sieht neuen Schwung in den Gesprächen über eine
       Freilassung von israelischen Geiseln und eine Beendigung des Krieges im
       Gazastreifen. „Ich glaube, dass es neue Bemühungen gibt, an denen Katar und
       Ägypten sowie Israel beteiligt sind, um einen Weg nach vorne zu finden“,
       sagt Jake Sullivan, Berater für die Nationale Sicherheit in den USA, in
       einem Interview mit MSNBC. „Glaube ich, dass es neuen Schwung, neues Leben
       in diesen Geiselgesprächen gibt? Ich denke, den gibt es.“ (rtr)
       
       27 Apr 2024
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Eskalation-im-Nahen-Osten/!6001677
 (DIR) [2] /Vorwuerfe-gegen-Palaestinenserhilfswerk/!6003467
 (DIR) [3] /Zahlungen-an-UNRWA/!6003492
 (DIR) [4] /Nahost-Konflikt-in-Berlin/!6007093
 (DIR) [5] /Proteste-gegen-Gaza-Krieg-an-US-Unis/!6005863
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Schwerpunkt Nahost-Konflikt
 (DIR) Huthi-Rebellen
 (DIR) Hamas
 (DIR) Siedlungen
 (DIR) Westjordanland
 (DIR) Gaza
 (DIR) Palästina
 (DIR) Israel
 (DIR) Frank-Walter Steinmeier
 (DIR) Hermannplatz
 (DIR) Schwerpunkt Nahost-Konflikt
 (DIR) USA
 (DIR) Schwerpunkt Nahost-Konflikt
 (DIR) Schwerpunkt Nahost-Konflikt
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) +++ Nachrichten im Nahostkrieg +++: Hamas veröffentlicht Geisel-Video
       
       Die Hamas veröffentlicht ein Video, das nach Angaben der Geisel-Familien
       Omri Miran und Keith Siegel zeigt. Die Hamas prüfe derzeit eine Feuerpause.
       
 (DIR) Proteste gegen Gaza-Krieg an US-Unis: Der Campus als Kampfzone
       
       Zeltlager, Polizeieinsätze, antisemitische Sprüche: Die Gazakrieg-Proteste
       spalten die US-Universitäten. Ein Besuch an der Columbia in New York.
       
 (DIR) Nahost-Konflikt in der Jugendarbeit: Jetzt erst recht
       
       Die Arbeit mit Neuköllner Jugendlichen ist seit dem 7. Oktober nicht
       einfacher geworden. Umso intensiver suchen mehrere Initiativen den Dialog.
       
 (DIR) Nahost-Konflikt in Berlin: Palästina-Protestcamp aufgelöst
       
       Zwei Wochen lang campierten propalästinensische Aktivisten im
       Regierungsviertel. Am Freitag hat die Versammlungsbehörde das Zeltlager
       verboten.