# taz.de -- Kleines Filmfest holt großen Star: Getting John Malkovich
       
       > Das Bremer Filmfest verleiht seinen Preis „Goldener Mops“ an den
       > Hollywood-Star John Malkovich. Für das kleine Festival ist das ein Coup.
       
 (IMG) Bild: Gern gesehener Gast: John Malkovich auf der Berlinale im Februar 2023
       
       Oft sind es eher die Festivals und Filmfeste, die sich mit den Namen
       berühmter Preisträger*innen schmücken. Für John Malkovich wird der
       „Goldene Mops“ aus Bremen sicher nicht die krönende Auszeichnung seiner
       Karriere werden: Er ist einer der bekanntesten Darsteller des
       internationalen Kinos. Das Bremer Filmfest kann sich hingegen zu dem
       erstaunlichen Coup gratulieren, der ihm mit diesem Preisträger gelungen
       ist.
       
       Wie haben die das geschafft? Malkovich ist mit seinen 70 Lebensjahren noch
       so begehrt und vielbeschäftigt, dass er sicher nicht damit beginnt, Preise
       für sein Lebenswerk einzusammeln. Die 8.000 Euro Preisgeld jedenfalls
       werden den Multimillionär kaum angelockt haben.
       
       Die Geschichte, die Festivalmitgründer und Organisator Matthias Greving
       erzählt, klingt fast zu schön, um wahr zu sein: Er habe Malkovich durch
       einen gemeinsamen Bekannten kennengelernt, ihm vom [1][Bremer Filmfest]
       vorgeschwärmt und ihn dann gefragt, ob er sich vorstellen könnte, „jemals“
       dorthin zu kommen. Und der habe „einfach Ja gesagt“.
       
       Es wird ein großer Auftritt werden. Bei der Galaveranstaltung am
       Mittwochabend im Bremer Theater am Goetheplatz wird nicht nur der „Bremer
       Filmpreis der Sparkasse Bremen 2024“ verliehen. Volker Schlöndorff, der
       Malkovich in seiner Verfilmung von Arthur Millers „Tod eines
       Handlungsreisenden“ eine seiner ersten großen Rollen spielen ließ, wird die
       Laudatio halten. Danach wird John Malkovich höchstpersönlich auf der Bühne
       des [2][Theaters Bremen] Theater spielen.
       
       Auch das passiert nicht alle Tage. Malkovich hat zusammen mit dem Musiker
       Aleksey Igudesman die Musikrevue „The Music Critic“ geschrieben und
       inszeniert. In der rezitiert der Schauspieler die Kollegen- und
       Rivalen-Beschimpfungen klassischer Komponisten, während Geiger Igudesman
       mit einem Quintett die dazu passende Musik von Ludwig van Beethoven, Claude
       Debussy und Johannes Brahms spielt. Igudesman schlug seinem guten Bekannten
       Matthias Greving vor, eine Kurzfassung davon in Bremen auf die Bühne zu
       bringen. So gibt es im Anschluss an die Preisverleihung diesmal nicht wie
       in früheren Jahren eine Filmvorführung, sondern stattdessen 90 Minuten lang
       den Preisträger in live und komisch auf der Bühne.
       
       Dass er auch komisch sein kann, hat Malkovich nicht nur in „Burn after
       Reading“ von den Coen-Brüdern bewiesen: Dort brillierte er als großartig
       lächerlicher CIA-Analytiker, der mit dem Plan, seine Memoiren zu verfassen,
       den ganzen Geheimdienst in sinnlose Aufregung versetzt. Diese Fähigkeit ist
       nicht unwichtig, denn eigentlich war der Bremer Filmpreis 2019 neu belebt
       worden, um Filmschaffende „für ihre Verdienste im Bereich Humor und Satire“
       [3][auszuzeichnen].
       
       Mit den Preisträger*innen Caroline Link, Hape Kerkeling und [4][Aki
       Kaurismäki] ging das ein paar Jahre gut. Aber ganz so viele europäische
       Filmkünstler*innen, die uns zum Lachen bringen können, gibt es leider
       nicht. Man habe bald gemerkt, so Greving zur taz, dass man sich „in ein
       Korsett gezwängt“ hatte. Deshalb hat das Leitungsteam diese Beschränkung
       stillschweigend wegfallen lassen. Der Preis ist aber weiterhin eine
       Bronzefigur mit dem schönen Namen „Der goldene Mops“– in Erinnerung ans
       Lieblingstier des Radio-Bremen-Heiligen Loriot. Die Künstlerin Janina Mau
       hat die Plastik entworfen.
       
       Auch die ursprünglichen Bedingungen für eine Preisvergabe mussten Greving
       und sein Team diesmal großzügig auslegen, denn seit 1999 wird der Filmpreis
       „für langjährige Verdienste um den europäischen Film“ verliehen, und
       Malkovich ist nun mal ein US-amerikanischer Schauspieler.
       
       Die meisten seiner Rollen hat er in Hollywoodfilmen gespielt. Allerdings
       wurden einige seiner bekannten Filme, wie die Proust-Adaption „Die
       Wiedergefundene Zeit“ oder [5][„Gefährliche Liebschaften“], in Europa oder
       als europäisch-amerikanische Koproduktionen gedreht. In den Programmkinos
       läuft gerade seine französische Komödie „Monsieur Blake zu Diensten“. Das
       geht also gerade noch so mit dem Preis.
       
       Stephen Frears’ „Dangerous Liaisons“ ist dann auch einer von den vier
       Filmen mit John Malkovich, die auf dem Bremer Filmfest gezeigt werden. „Wir
       wollten alle Perioden seines Schaffens abdecken“, sagt Greving dazu. Mit
       dem ersten Achtungserfolg in „The Killing Fields“ von Roland Joffé, „Being
       John Malkovich“ von Spike Jonze und dem Actionfilm „R.E.D. älter, härter,
       besser“ ist eine kleine, aber facettenreiche und gute Auswahl gelungen.
       
       Allerdings wird John Malkovich nicht wie Maria Schrader als Preisträgerin
       des vergangenen Jahrs bei jeder Vorführung eine Einführung mit persönlichen
       Erinnerungen an die einzelnen Filme geben. Am Donnerstagvormittag verlässt
       er die Stadt wieder. Und das reicht dann ja auch.
       
       10 Apr 2024
       
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