# taz.de -- Verschärfte Mobilmachung in der Ukraine: Zunehmend kriegsmüde
       
       > Gut zwei Jahre Krieg zermürben die Männer an der Front und ihre Familien
       > daheim. Selenskyjs neue Kriegsgesetze dürften kaum auf Zustimmung stoßen.
       
 (IMG) Bild: Selenskyj senkt das Alter für die Einberufung von Reservisten von 27 auf 25 Jahre
       
       Es war eine Frage der Zeit, jetzt ist es soweit: Präsident Wolodymyr
       Selenskyj hat seine Unterschrift unter mehrere Kriegsgesetze gesetzt, die
       die Mobilmachung neu regeln. Dabei birgt die Absenkung der Altersgrenze von
       27 auf 25 Jahre noch vergleichbar überschaubares Erregungspotenzial.
       Schwerer wiegt eine umfängliche Erfassung der persönlichen Daten von
       Personen im wehrfähigen Alter in einem staatlichen Register.
       
       Warum dazu Angaben zu deren Eltern gehören oder Auslandsreisen der
       Betroffenen abgefragt werden, erschließt sich nicht wirklich. Auch eine
       erneute medizinische Überprüfung „eingeschränkt tauglicher“ Männer dürfte
       bei den Betroffenen auf wenig Begeisterung stoßen. Warum Selenskyj solange
       gezögert hat, ist klar. Dieser Schritt kommt einem Offenbarungseid gleich.
       
       [1][Der Ukraine fehlt es nicht nur an Waffen und Munition], um sich
       verteidigen, geschweige denn russisch besetzte Gebiete zurückerobern zu
       können. Auch frische Kräfte für die Armee sind Mangelware. Diese zu
       rekrutieren, wird schwieriger. Die Bereitschaft, sich freiwillig zum Dienst
       an der Waffe zu melden, schwindet, auch wenn immer noch die Mehrheit der
       Ukrainer*innen Konzessionen an Russland eine Absage erteilt.
       
       Mehrfach kam es in den vergangenen Monaten zu Kundgebungen Angehöriger von
       Soldaten, die in Sorge um ihre völlig erschöpften Söhne und Männer sind.
       Das alles sind sehr deutliche Indizien für eine wachsende Kriegsmüdigkeit.
       Dass der Druck im Kessel steigt und die Nervosität wächst, zeigen auch
       Selenskys Personalrochaden. Nach dem unfreiwilligen Abgang des
       Oberkommandierenden der ukrainischen Streitkräfte, [2][Walery Saluschnyj],
       kam es zu einem Wechsel im Nationalen Sicherheitsrat.
       
       Jetzt wurden auch noch einige Berater des Präsidenten abserviert.
       Angesichts dieser angespannten Lage klingt das Mantra von Kyjiws
       Verbündeten „[3][as long as it takes]“ zusehends hohl. Wirkliche
       Unterstützung und vertrauensbildende Maßnahmen sehen anders aus.
       
       3 Apr 2024
       
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 (DIR) Barbara Oertel
       
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