# taz.de -- Krieg in Gaza: Verhärtete Fronten nach Resolution
       
       > Israel reagiert verärgert auf den Beschluss im UN-Sicherheitsrat – und
       > ruft einen Großteil seines Verhandlungsteams aus Katar zurück.
       
 (IMG) Bild: Der UN-Sicherheitsrat erhöht mit der verabschiedeten Resolution den Druck auf Israel
       
       Jerusalem taz | Die Forderung des UN-Sicherheitsrats nach einer sofortigen
       Waffenruhe in Gaza und einer Freilassung aller Hamas-Geiseln scheint
       vorerst das Gegenteil bewirkt zu haben: Nachdem [1][die Resolution 2728
       unter Enthaltung der USA am Montag das wichtigste UN-Gremium passierte],
       wies die Hamas den jüngsten Vorschlag zu einer Einigung bei den
       Verhandlungen in Katar zurück. Israel rief daraufhin laut Medienberichten
       einen Großteil seines Verhandlungsteams zurück und kündigte an, die
       Offensive fortzusetzen.
       
       Laut dem katarischen Außenministerium gehen die Gespräche nun offenbar in
       kleinerem Rahmen weiter, die Fronten zwischen den Konfliktparteien aber
       sind verhärtet. „Wir müssen weiterkämpfen“, sagte der israelische Präsident
       Izchak Herzog am Dienstag in Jerusalem. Außenminister Israel Katz sagte,
       die UN-Entscheidung würde vor allem Israel unter Druck setzen und die Hamas
       darin bestätigen, „dass sie sich nicht beeilen müssen“.
       
       Ministerpräsident Benjamin Netanjahu kritisierte, die Hamas sei „nicht an
       einer Fortsetzung der Verhandlungen über einen Deal interessiert“. Die
       Resolution werde Israel und den rund 130 in Gaza festgehaltenen Geiseln
       schaden. Den Verzicht auf ein Veto nannte Netanjahu einen „klaren Rückzug“
       der US-Regierung.
       
       Die Hamas begrüßte die UN-Entscheidung und teilte mit, für einen sofortigen
       Austausch von „Gefangenen“ bereitzustehen. Zugleich aber lehnte die von der
       EU und den USA als Terrororganisation eingestufte Gruppe das jüngste
       Angebot in den Verhandlungen ab und zog sich auf ihre bereits zu Beginn
       gestellten Forderungen zurück. Diese seien „ein umfassender
       Waffenstillstand, ein Rückzug (Israels) aus dem Küstenstreifen, die
       Rückkehr der Vertriebenen sowie ein echter Gefangenenaustausch“.
       
       Bei den Verhandlungen unter Vermittlung der USA, Ägypten und Katar in Doha
       bewegten sich die beiden Seiten zuvor aufeinander zu. Die Hamas hatte
       zuletzt angedeutet, ein dauerhaftes Ende der Kämpfe als Vorbedingung für
       einen Waffenstillstand aufzugeben. Israel hatte die Freilassung mehrerer
       hundert palästinensischer Gefangener im Austausch gegen 40 Geiseln in
       Aussicht gestellt.
       
       ## Auch Macron hat Netanjahu gewarnt
       
       Verteidigungsminister Joav Galant erklärte noch am Montag in Washington,
       die Kämpfe würden fortgesetzt, einschließlich eines Vorstoßes nach Rafah,
       wo derzeit rund 1,5 Millionen Menschen [2][unter katastrophalen
       Bedingungen] Schutz suchen. Die Forderung von UN-Generalsekretär António
       Guterres nach einer umgehenden Umsetzung der Resolution und die Warnung,
       ein „Scheitern wäre unverzeihlich“, dürften damit ungehört bleiben.
       
       Ein möglicher Einmarsch in Rafah an der ägyptischen Grenze aber könnte
       Israel nach der Missachtung des völkerrechtlich bindenden UN-Entschlusses
       weiter isolieren. Selbst die engsten Verbündeten warnen vor einem Angriff
       auf die Stadt. Die USA haben mit ihrem Verzicht auf ein Veto am Montag
       bereits einen Bruch in ihrer Israel-Politik vollzogen. Erstmals sind die
       Mahnungen aus Washington über Worte hinausgegangen.
       
       Mehrere Aussagen führender US-Politiker schüren zudem Spekulationen, dass
       auch die lange als unverrückbar gesehene US-Militärhilfe zur Debatte
       gestellt werden könnte, zumindest was offensive Waffen betrifft. Auch
       Frankreichs Präsident Emmanuel Macron wies Netanjahu am Wochenende darauf
       hin, dass eine gewaltsame Umsiedlung der Menschen in Rafah ein
       Kriegsverbrechen sei.
       
       ## Es fehlt der Plan für einen sicheren Ausweg
       
       Doch der Premier zeigt sich von derartigen Appellen unbeeindruckt: „Israel
       wird seine legitimen Kriegsziele erreichen: die Zerstörung der
       militärischen und administrativen Kapazitäten der Hamas“ sowie die
       Befreiung aller Geiseln, so Netanjahu.
       
       Ein Rafah-Vorstoß könnte dennoch weiter auf sich warten lassen. Israels
       Truppen in Gaza sind seit Wochen in immer wieder aufflammende Gefechten in
       nach eigenen Angaben bereits eroberten Gebieten verwickelt. Seit mehr als
       einer Woche kämpfen israelische Soldaten dabei erneut im
       Al-Schifa-Krankenhaus in Gaza-Stadt, in dem sich Hamas-Kämpfer verschanzt
       haben sollen.
       
       Auch in zwei medizinischen Einrichtungen in Chan Junis werde gekämpft.
       Viele der zwischenzeitlich einberufenen Reservisten sind im sechsten
       Kriegsmonat außerdem längst wieder entlassen worden. Einer größeren
       Offensive dürfte eine weitere Einberufung vorausgehen. Auch ein Plan für
       einen sicheren Ausweg für die Menschen in Gaza fehlt bis heute.
       
       26 Mar 2024
       
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