# taz.de -- Mangelhafte Bildung: Von der Waldorf- zur Regelschule
       
       > Waldorfschulen sagen, man könne dort alle Abschlüsse erlangen. Doch
       > Schulwechsel machen Lücken erkennbar.
       
 (IMG) Bild: Der Wechsel auf eine Regelschule kann bitter werden
       
       Noch wenige Wochen, dann wird auch an Waldorfschulen wieder Abitur
       geschrieben.
       
       [1][Etwa drei Viertel der Waldorfschüler*innen streben das wohl an],
       und [2][die Hälfte schafft es auch.] Wie diese Zahlen genau erhoben wurden,
       ist mir nicht ganz klar. Was ich aber sicher weiß: Unter ehemaligen
       Waldorfschüler*innen gibt es teils sehr leidvolle Bildungsbiografien.
       Waldorfschulen werben gerne damit, dass alle Abschlüsse abgelegt werden
       können, aber wie viele Schüler*innen die Waldorfschule vorzeitig
       verlassen, weil der angestrebte Abschluss nicht mehr realistisch ist, steht
       nirgends.
       
       Aus meiner Klasse sind Kinder vor allem wegen Mobbings gegangen, aber auch
       wegen fehlender Förderung. Wie schwer der Wechsel schulisch für sie war,
       weiß ich nicht – unabhängig davon, dass man den gewohnten Alltag und
       Freundschaften verliert und nicht selten auch noch als Verräter*in
       gebrandmarkt wird.
       
       ## Lesen erst ab der 2. Klasse
       
       Der Bund der Freien Waldorfschulen sagt: Waldorfschüler*innen, die „an
       eine staatliche Schule [3][wechseln], haben in der Regel keine großen
       Schwierigkeiten mit der Umstellung“. Aha.
       
       Immerhin sagt der Bund auch, dass der Lehrplan in einigen Fächern erheblich
       von den staatlichen Curricula abweicht. So sind etwa an Grundschulen, je
       nach Bundesland, in der ersten Klasse grob 250 Stunden vorgesehen, in denen
       lesen und schreiben geübt wird. An Waldorfschulen sind es wohl weniger als
       die Hälfte, und es wird nur schreiben geübt. [4][„Das gezielte Üben des
       Lesens] beginnt nach der ersten Schreibepoche im 2. Schuljahr.“ Erst zum
       Herbst oder in der Adventszeit soll dann ein Lesebuch eingeführt werden. Da
       Waldorfschulen traditionell nicht an den bundesweiten
       [5][Vergleichsarbeiten VERA] teilnehmen, weiß man nicht, wie es dann nach
       der vierten Klasse aussieht.
       
       Ob Kinder beim Wechsel eine Klasse wiederholen müssen und wie schnell sie
       den Rückstand aufholen, ist individuell. Ab der zehnten Klasse ist eine
       Rückstufung aber kaum zu vermeiden, da Waldorfschulen den Mittleren
       Schulabschluss meist erst nach der elften oder zwölften Klasse anbieten. Ab
       der zwölften Klasse sammelt man an Regelschulen Punkte fürs Abitur – aber
       nur Waldorfschulen [6][in Hessen und Hamburg] haben staatlich anerkannte
       gymnasiale Oberstufen. Alle anderen bieten ein „[7][Nichtschülerabitur]“
       an, bei dem nur die Ergebnisse der Abiturprüfungen zählen.
       
       ## Regelschulen haben kaum Kapazitäten
       
       Jemand in meiner Klasse hatte teils sehr gute Leistungen, aber große
       Probleme mit Russisch und konnte kein Abi machen, weil zwei Fremdsprachen
       vorgeschrieben waren. Da wundert es mich nicht, dass die [8][Nachhilferate
       an Waldorfschulen] mit 46 Prozent besonders hoch ist. Wer will mit 19 schon
       die Schule wechseln und zwei bis drei Jahre dranhängen? Wohl denen, die
       Geld für Nachhilfe haben.
       
       Ein Wechsel ist möglich, aber er braucht sehr viel Überzeugung, Ressourcen
       und Durchhaltevermögen, auch weil die überlasteten Regelschulen selten die
       Kapazität und das Bewusstsein haben, was den aus einer kleinen Parallelwelt
       kommenden Schüler*innen fehlt, und sie deshalb teils gar nicht erst
       aufnehmen.
       
       Ich habe in der Abivorbereitung richtig gebüffelt, aber erst jetzt
       verstanden, dass ich trotz Abitur keine vergleichbare Allgemeinbildung
       habe und froh sein kann, dass alles geklappt hat. Das ist viel weniger
       selbstverständlich, als ich dachte.
       
       25 Mar 2024
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.erziehungskunst.de/artikel/elterlicher-ehrgeiz-nachhilfeunterricht-an-waldorfschulen-zahlen-und-fakten
 (DIR) [2] https://www.focus.de/familie/schule/waldorfschule/auch-eltern-sind-gefordert-pflichten-und-mitbestimmungsrecht_id_2206351.html
 (DIR) [3] https://www.waldorfschule.de/schulen/schulwechsel
 (DIR) [4] https://www.waldorfbuch.de/buch/paedagogischer-auftrag-und-unterrichtsziele-vom-lehrplan-der-waldorfschule-9783772526695/?page_id=0
 (DIR) [5] /Berliner-Drittklaessler/!5484085
 (DIR) [6] https://www.waldorfschule.de/schulen/pruefungen-und-abschluesse
 (DIR) [7] https://gesetze.berlin.de/bsbe/document/jlr-AbiNSchPrVBE2009rahmen
 (DIR) [8] tps://www.waldorfschule-engstingen.de/wp-content/uploads/2019/08/Bildungserfahrungen-an-Waldorfschulen-2012.pdf
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Frau Lea
       
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