# taz.de -- Energiekrise vorbeugen: EU hält am Gassparen fest
       
       > Die EU-Energiekommissarin kritisiert die deutschen Umlagen beim Gashandel
       > als unsolidarisch. Ihre bisherigen Sparziele hat die Union erreicht.
       
 (IMG) Bild: Der Erdgasspeicher Bierwang in Mühldorf am Inn
       
       Berlin taz | Die deutsche Regierung ist in der EU wegen ihrer Umlage für
       die Speicherung von Gas in die Kritik geraten. Mit dieser Umlage werden die
       Kosten für die vorsorgliche Lagerung von Gas an den Handel weitergeben.
       
       „Einseitige nationale Maßnahmen in Form von Exportbeschränkungen oder
       Abgaben gefährden unsere Energiesolidarität und können die Bemühungen um
       eine Diversifizierung weg vom russischen Gas gefährden“, sagte
       EU-Energiekommissarin Kadri Simson am Rande der Tagung der europäischen
       Energieminister in Brüssel am Montagabend. Die von Deutschland erhobenen
       Abgaben beim grenzüberschreitenden Handel würden die Solidarität gefährden,
       sagte die estnische Politikerin. Sie habe deshalb bereits Kontakt zu ihren
       deutsche Kolleg:innen aufgenommen. Wie das Bundeswirtschaftsministerium
       darauf reagiert, ist unklar. Eine Anfrage der taz blieb bis
       Redaktionsschluss unbeantwortet.
       
       Hintergrund: Nach dem Angriff Russlands auf die Ukraine waren die Gaspreise
       sprunghaft angestiegen. Russland hatte Lieferungen nach Deutschland
       zunächst gedrosselt. Nach der Zerstörung der Pipeline Nord Stream 1
       versiegten direkte Erdgasimporte zumindest nach Deutschland ganz.
       Österreich und andere europäische Länder beziehen allerdings weiterhin
       russisches Gas über eine Pipeline. Aufgrund einer Reihe von Maßnahmen –
       etwa indem andere Lieferanten gefunden wurden und Sparmaßnahmen griffen –
       hat sich die Lage mittlerweile entspannt, die Preise sind gesunken. Die
       Lage könnte sich aber in ganz Europa wieder zuspitzen, wenn die russischen
       Gaslieferungen nach Österreich plötzlich ausbleiben sollten.
       
       Um einem Gasmangel vorzubeugen, hat Deutschland den Rohstoff seit Mitte
       2022 im großen Stil auf dem Weltmarkt eingekauft [1][und gespeichert]. Um
       die Kosten für die Ein- und Ausspeicherung und die Lagerung zu decken, hat
       die Bundesregierung eine Umlage eingeführt. Sie wird auf den Gaspreis
       ausgeschlagen und auch bei Ausfuhren erhoben. Nach Angaben des Unternehmens
       [2][Trade Hub Europe,] das die Höhe festlegt, beträgt sie im ersten
       Halbjahr 2024 1,86 Euro pro Megawattstunde. Der Großhandelspreis für 1
       Megawattstunde Erdgas liegt derzeit bei um die 25 Euro pro Megawattstunde,
       2022 war er ein Vielfaches höher. Bislang ist die Umlage befristet bis März
       2025. Sie soll nach Plänen des Bundeswirtschaftsministeriums aber um zwei
       Jahre verlängert werden.
       
       ## Notfallplan wird verlängert
       
       Bei [3][ihrer Tagung in Brüssel vereinbarten die EU-Energieminister:innen],
       an den Sparzielen beim Gasverbrauch festzuhalten, die sie sich während der
       Energiepreiskrise gesetzt hatten. Der entsprechende Notfallplan läuft Ende
       März aus und soll um ein Jahr verlängert werden. „Trotz der insgesamt
       verbesserten Versorgungslage bleibt die Lage auf den globalen Gasmärkten
       den jüngsten Berichten der Kommission zufolge weiterhin angespannt“, heißt
       es in einer Erklärung des Energieministerrats. Die Nachfrage müsse weiter
       gesenkt werden, um eine ausreichende Gasspeicherung für den kommenden
       Winter zu sichern.
       
       Der Plan sieht vor, dass die Mitgliedsländer der EU 15 Prozent weniger Gas
       verbrauchen als durchschnittlich im Zeitraum zwischen April 2017 und März
       2022. Allerdings ist diese Vorgabe freiwillig, bei Verstößen droht keine
       Sanktionierung. Bislang hat das funktioniert, die EU hat ihr Ziel
       übertroffen. Zwischen August 2022 und Januar 2023 haben die Mitgliedstaaten
       den Erdgasverbrauch in der EU zusammen um 19 Prozent gesenkt. Das
       entspricht nach Angaben der EU-Behörden einem Minus von 41,5 Milliarden
       Kubikmetern.
       
       5 Mar 2024
       
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