# taz.de -- Nato-Vorgabe für Rüstungsbudget: Deutschland erreicht 2-Prozent-Ziel
       
       > Erstmals seit über 30 Jahren erreicht die Bundesrepublik die Nato-Vorgabe
       > für Militärausgaben. Das Geld fließt in Panzer, Schiffe und moderne
       > Kampfjets.
       
 (IMG) Bild: Mehr Geld für die Bundeswehr: In absoluten Zahlen lagen die Rüstungsausgaben der Bundesrepublik nie höher
       
       Brüssel dpa | Deutschland hat der Nato erstmals seit drei Jahrzehnten
       wieder geplante [1][Verteidigungsausgaben] in Höhe von 2 Prozent des
       Bruttoinlandsprodukts gemeldet. Nach Recherchen der Deutschen
       Presse-Agentur übermittelte die Bundesregierung für das laufende Jahr einen
       Betrag, der umgerechnet in Vergleichszahlen des Verteidigungsbündnisses
       einer Summe von 73,41 Milliarden Dollar entspricht. Dies ist für
       Deutschland in absoluten Zahlen ein Rekordwert und würde nach aktueller
       Nato-Prognose eine BIP-Quote von 2,01 Prozent bedeuten.
       
       In der Vergangenheit war Deutschland nach Dokumenten aus dem Nato-Archiv
       zuletzt 1992 auf Ausgaben in Höhe von zwei Prozent des
       Bruttoinlandsproduktes (BIP) gekommen. In [2][den Jahren des Kalten Kriegs]
       hatte die Quote meist bei über 3 Prozent gelegen.
       
       Über die Entwicklung der Verteidigungsausgaben der Nato-Staaten soll an
       diesem Donnerstag bei einem Verteidigungsministertreffen in der Brüsseler
       Bündniszentrale beraten werden. Es wird erwartet, dass in diesem Jahr etwa
       20 der 31 Nato-Staaten das 2-Prozent-Ziel erreichen.
       
       Die neuen Zahlen entsprechen im Vergleich zum Vorjahr einem Anstieg der
       Verteidigungsausgaben von mehr als 20 Prozent, wie es aus Nato-Kreisen
       heißt. Im letzten öffentlichen Bericht zu den Verteidigungsausgaben der
       Bündnis-Staaten war für Deutschland für 2023 lediglich eine Vergleichszahl
       in Höhe von 56,64 Milliarden Dollar und eine BIP-Quote von 1,57 Prozent
       angegeben gewesen. Im kommenden Bericht werden diese Zahlen nach
       dpa-Informationen nach oben korrigiert werden.
       
       ## Trump Aussagen machen Druck
       
       Mit der drastischen Steigerung der Verteidigungsausgaben reagiert die
       Bundesregierung insbesondere auf Russlands Einmarsch in die Ukraine. Durch
       eine massive Stärkung von Abschreckung und Verteidigung soll Kremlchef
       Wladimir Putin deutlich gemacht werden, dass ein Angriff auf ein
       europäisches Nato-Land keinerlei Erfolgschancen hätte.
       
       Mit dem Geld werden nach Angaben des Verteidigungsministeriums unter
       anderem neue Schützenpanzer, Fregatten, U-Boote und hochmoderne
       Mehrzweckkampfflugzeuge vom Typ F-35A finanziert werden.
       
       Hilfreich könnten die Zahlen zudem auch mit Blick auf eine mögliche
       Wiederwahl von Donald Trump bei den US-Präsidentschaftswahlen im November
       sein. Der Republikaner hatte am Wochenende bei einem Wahlkampfauftritt zu
       verstehen gegeben, dass er Bündnispartnern mit geringen
       Verteidigungsausgaben im Fall eines russischen Angriffs [3][keine
       amerikanische Unterstützung gewähren würde]. Trump hatte bereits in seiner
       Amtszeit von 2017 bis 2021 immer wieder über die seiner Ansicht nach zu
       niedrigen Verteidigungsausgaben von europäischen Alliierten gewettert und
       zeitweise sogar mit einem Austritt der USA aus dem Bündnis gedroht.
       
       ## Pistorius fordert einen langfristigen Plan
       
       Das derzeit gültige Nato-Ziel für die Verteidigungsausgaben sieht vor, dass
       die Bündnismitglieder dauerhaft jährlich mindestens 2 Prozent ihres
       Bruttoinlandsprodukts in Verteidigung investieren. Es wurde im vergangenen
       Sommer angesichts der Bedrohungen durch Russland beschlossen. Das bis dato
       gültige Ziel sah lediglich vor, dass sich alle Bündnisstaaten bis 2024 dem
       Richtwert annähern, mindestens 2 Prozent ihres BIPs für Verteidigung
       auszugeben.
       
       Eine neue öffentliche Übersicht mit Daten zu den Verteidigungsausgaben der
       Mitgliedstaaten will die Nato im März vorstellen. Aus ihr wird dann auch
       hervorgehen, wie hoch die veranschlagten deutschen Verteidigungsausgaben in
       aktuellen Preisen liegen. Die internen Vorbereitungsdokumente für das
       Verteidigungsministertreffen an diesem Donnerstag enthalten nach
       Informationen der Deutschen Presse-Agentur nur die inflationsbereinigten
       Vergleichszahlen in US-Dollar.
       
       Ermöglicht wird die massive Erhöhung der deutschen Verteidigungsausgaben
       derzeit durch ein Sondervermögen in Höhe von 100 Milliarden Euro. Dieses
       wird allerdings voraussichtlich 2027 aufgebraucht sein.
       Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) drängt deswegen darauf, schnell
       einen Plan zu entwickeln, wie Deutschland dauerhaft die Nato-Zielvorgaben
       erreichen kann. „Wir haben die Zusage des Kanzlers, dass wir bis in die
       2030er Jahre hinein mindestens 2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts in die
       Verteidigung investieren“, sagte Pistorius jüngst dem Spiegel. Das
       absehbare Auslaufen des Sondervermögens müsse sich in der Finanzplanung
       niederschlagen.
       
       14 Feb 2024
       
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