# taz.de -- Die Bundesliga in 30 Jahren: Wenn die Investoren kämen
       
       > Im Jahr 2056 geht's dem Fußball so richtig dreckig und den Anlegern umso
       > besser. Pro Saision gibt's 69 Mal die gleiche Begegnung. Eine Dystopie.
       
 (IMG) Bild: 2024 noch gefeiert, 2056 endlich als kriminelle Vereinigung verboten: FC Bayern München
       
       Früher wollten alle wissen, was sie erwartet, heute haben die meisten schon
       von der Gegenwart genug. Wir blicken trotzdem einmal im Monat immer ein
       Jahr voraus. 
       
       Wir schreiben das Jahr 2056. Ein fester Fels in einer Brandung aus
       brodelnder Scheiße ist seit über 90 Jahren immer noch die Fußballbundesliga
       am Samstagnachmittag. Und am Montagabend. Und am Donnerstagmorgen.
       
       „Na, gucks du wieder ‚Wolli‘?“ Meine Hausnymphe Apocalypso blickt mir über
       die Schulter, während ich am Laptop Fußball streame, und nennt mein
       Herzensteam dabei mit Kosenamen. Meine andere Lieblingsmannschaft ist
       „Hoppi“ – das trifft sich gut, denn zufällig spielen die beiden heute
       gegeneinander: Seit Tagen fiebert das ganze Land dem Traditionsduell
       zwischen VW Markus Wolfsburg und SAP Dietmar Hoppenheim entgegen, „Wolli
       gegen Hoppi“, oder „The Old Firm“ wie es international genannt wird. Es ist
       die einzige Spielpaarung. Alle anderen einst tonangebenden Vereine sind
       längst im Orkus der Bedeutungslosigkeit verschwunden.
       
       Der FC Bayern wurde als kriminelle Vereinigung verboten. Borussia Dortmund
       löste sich nach einer kurzen Fusion mit dem Nachbarn Schalke 04 von selbst
       auf, und an der Stelle des Westfalenstadions wurde ein riesiger Hunde-Netto
       errichtet. HSV und Werder Bremen fielen in den 2040er Jahren einer vom
       Klimawandel neu interpretierten Küstenlinie zum Opfer.
       
       Nun steht inklusive Pokalendspiel 69 Mal pro Saison die gleiche Begegnung
       an – für den Fan ist das so, wie jede Woche Hummer zu essen. Was für ein
       Spektakel aber auch: Die hunderttausend Klatschroboter in der
       gigantomanischen Oliver-Schmidt-Arena am Mittellandkanal, sind heute
       turnusgemäß auf Protest programmiert. „Scheiß-DFL“, schnarrt es aus
       zahllosen Blechfressen. Das möchten die Zuschauenden daheim an den
       Bildschirmen sehen, wenn auf den Rängen in ihrem Namen gegen geplante
       Anstoßzeiten um 5 Uhr morgens protestiert wird. Jetzt fliegen sogar
       Kännchen mit Maschinenöl auf den Platz, wo sie von Ordnerrobotern
       weggeräumt werden.
       
       Der Besitzer des Wolfsburger Vereins ist „Markus Einfachnurmarkus“, eine KI
       von den Cayman Islands, die mit dem Verfassen von Bestsellerromanen,
       populärwissenschaftlichen Politessays und Gebrauchsanweisungen für
       Küchengeräte ein Mordsvermögen verdient hat. Inzwischen ist er
       zwanzigfacher deutscher Meister. Doch ein wenig vermisst selbst Markus den
       Wettbewerb mit anderen Vereinen.
       
       26 Feb 2024
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Uli Hannemann
       
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