# taz.de -- Meduza-Auswahl 25. – 31. Januar: Der Mann mit „Hoffnung“ im Namen
       
       > Der Oppositionspolitiker Nadeschdin will bei der russischen
       > Präsidentschaftswahl 2024 antreten, eine erste Hürde hat er überstanden.
       > Texte aus dem Exilmedium.
       
 (IMG) Bild: Will bei den russischen Präsidentschaftswahlen an: der liberale Politiker Boris Nadeschdin
       
       Das [1][russisch]- und [2][englischsprachige] Portal Meduza zählt zu den
       wichtigsten unabhängigen russischen Medien. [3][Im Januar 2023 wurde Meduza
       in Russland komplett verboten]. Doch Meduza erhebt weiterhin seine Stimme
       gegen den Krieg – aus dem Exil. Die taz präsentiert seit 1. März 2023 unter
       [4][taz.de/meduza] immer mittwochs in einer wöchentlichen Auswahl, worüber
       Meduza aktuell berichtet. Das Projekt wird von der [5][taz Panter Stiftung]
       gefördert. 
       
       In der Woche vom 25. bis zum 31. Januar 2024 berichtete Meduza unter
       anderem über folgende Themen:
       
       ## 27 Jahre Strafkolonie für Daria Trepowa
       
       Keine andere Frau wurde im modernen Russland jemals zu einer höheren Strafe
       verurteilt als Daria Trepowa in diesem Januar. Die Staatsanwaltschaft hatte
       ursprünglich sogar 28 Jahre Haft beantragt. Trepowa werden ein
       Terroranschlag sowie der illegale Erwerb und Transport von Sprengkörpern
       vorgeworfen.
       
       Ein Gericht in St. Petersburg befand sie Ende Januar für schuldig, im
       vergangenen April den russischen Militärkorrespondenten Wladlen Tatarski
       getötet und einen Terroranschlag in einem Club in St. Petersburg begangen
       zu haben. [6][Meduza beantwortet zehn Fragen rund um diesen Fall]
       (russischer Text).
       
       ## Große Augen sind im Osten Russlands das Ideal
       
       Immer mehr Menschen im Fernen Osten Russlands entscheiden sich für eine
       Augenoperation, um ihre Augen zu vergrößern. [7][Darüber berichtet ein
       Meduza-Beitrag], der im Original auf Russisch in der in Sibirien ansässigen
       [8][Zeitschrift Люди Байкала (Menschen des Baikals)]veröffentlicht wurde.
       
       Der Text begleitet Natalya Badmajewa, die sich 2009 einer solchen Operation
       unterzogen hat. Sie war damals nicht die einzige Patientin, die sich dieser
       Art OP im Krankenhaus in Ulan-Ude, der Hauptstadt der russischen
       Teilrepublik Burjatien im südöstlichen Sibirien, unterzog. Die Operation
       fand damals „im Geheimen statt“, erzählt sie.
       
       Weltweit ist die „Blepharoplastik“ – der medizinische Begriff für eine
       Augenlid-Operation – nach der Brustvergrößerung und der Fettabsaugung der
       dritthäufigste Eingriff in der plastischen Chirurgie. Bei der
       Augenlidchirurgie liegt Russland weltweit an dritter Stelle, mit mehr als
       92.000 Eingriffen allein im Jahr 2020.
       
       ## Vorwürfe gegen lettische EU-Abgeordnete
       
       Tatjana Ždanoka, lettisches Mitglied des Europäischen Parlaments, wird
       vorgeworfen, seit 2004 für den russischen Föderalen Sicherheitsdienst (FSB)
       gearbeitet zu haben. Meduza fasst die Vorwürfe [9][in diesem Beitrag
       zusammen] (englischer Text) und nimmt die Untersuchung des russischen
       unabhängigen Magazins [10][The Insider] als Grundlage.
       
       Ždanoka war angeblich jahrelang in regelmäßigem Kontakt mit Dmitry Gladey,
       einem Mitarbeiter des St. Petersburger Büros des FSB. Im Zuge von Protesten
       gegen die estnische Regierung in der estnischen Hauptstadt Tallinn
       organisierte sie öffentliche Anhörungen im Europäischen Parlament, die sich
       mit diesen Protesten beschäftigten.
       
       Außerdem startete Ždanoka eine Radiosendung, in der sie in Lettland
       lebenden Russ*innen vor Problemen „warnte“, sollten sie ihre Kinder auf
       lettischsprachige Schulen schicken. Ždanoka bestätigte gegenüber
       Journalisten, dass sie Gladey kennt. Weshalb sie ihm Dokumente zukommen
       ließ – so einige Vorwürfe –, erklärte sie aber nicht.
       
       ## Eine neue „Hoffnung“ für Russland
       
       Der russische Politiker Boris Nadeschdin (ein Nachname, dessen Wurzel im
       Russischen das Wort „Hoffnung“ ist) hat es geschafft, rund 200.000
       Unterschriften für seine Präsidentschaftskandidatur im März 2024 zu
       sammeln. Trotz russischem Bürokratie-Ungeheuer ist er – unter allen
       Anti-Putin-Kandidaten – bisher am weitesten gekommen. Für seine Kampagne
       hat er doppelt so viele Stimmen bekommen, wie für eine Kandidatur notwendig
       sind. Jedoch wird ihm die Zentrale Wahlkommission ihre Zustimmung zur
       Kandidatur wohl nicht aussprechen.
       
       Nadeschdins Verbündete machen sich keine Illusionen über seine Aussichten.
       Doch die Unterstützung für einen Herausforderer, der Position gegen den
       Krieg bezieht, ist eine erste sichtbare Bürgerbewegung der Opposition seit
       langer Zeit. [11][In einer neuen Podcast-Folge von „The Naked Pravda“]
       analysiert Dr. Маrgarita Zavadskaya, wissenschaftliche Mitarbeiterin am
       Finnischen Institut für Internationale Angelegenheiten, die Lage der
       Opposition in Russland (englischer Text).
       
       Viraler Propagandafilm über „Investieren“ in Mariupol 
       
       „Ist es rentabel, in 'Zerstörung’ zu investieren?“. Diese Frage stellt sich
       ein Propagandafilm, der seit Ende Januar in den sozialen Medien TikTok und
       X kursiert. Im Mittelpunkt steht die südukrainische Stadt Mariupol, die
       seit Frühjahr 2022 von der russischen Armee besetzt ist und fast
       vollständig zerstört wurde. Nach der Annexion eines Teils der besetzten
       ukrainischen Gebiete begann Moskau mit dem Wiederaufbau der Stadt.
       
       „Schockpreise für Wohnungen in Mariupol“ lautet der Titel der Doku,
       „Millionen für Ruinen“ der Untertitel. [12][Meduza sammelt einige der Posts
       der sozialen Medien und beschreibt weitere Details über das Video], das von
       der „Kriegsberichterstatterin“ Regina Orechowa, einer Journalistin der
       russischen Staatsagentur RIA Novosti, produziert wurde (russischer Text).
       
       31 Jan 2024
       
       ## LINKS
       
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 (DIR) [8] https://baikal-journal.ru/2024/01/16/resniczy-zagibayutsya-kak-u-evropejcza-vzglyad-stanovitsya-vyrazitelnyj/
 (DIR) [9] https://meduza.io/en/feature/2024/01/29/new-investigation-alleges-latvian-member-of-european-parliament-has-secretly-worked-for-russian-fsb-for-20-years
 (DIR) [10] https://theins.ru/en/politics/268694
 (DIR) [11] https://meduza.io/en/episodes/2024/01/29/how-doomed-presidential-candidate-boris-nadezhdin-rallied-antiwar-russians
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