# taz.de -- Berlins Ex-Finanzsenator Peter Kurth: Kontakte zu rechter Burschenschaft
       
       > Ex-Finanzsenator Kurth soll eine führende Rolle in einer rechten
       > Burschenschaft spielen. Auch ein Projekt der Identitären soll er
       > mitfinanziert haben.
       
 (IMG) Bild: Ex-Finanzsenator Peter Kurth hat offenbar engere Verbindungen ins rechtsradikale Milieu, als bislang bekannt war
       
       Berlin afp | Der frühere Berliner CDU-Finanzsenator Peter Kurth hat einem
       Spiegel-Bericht zufolge engere Verbindungen ins rechtsradikale Milieu als
       bislang bekannt. [1][Wie das Magazin am Freitag berichtet], engagiert sich
       Kurth bereits seit mehreren Jahren in einer ultrarechten Berliner
       Burschenschaft und soll in die Finanzierung eines Immobilienprojekts der
       rechtsextremistischen sogenannten Identitären Bewegung (IB) in Chemnitz
       eingebunden gewesen sein.
       
       Dem Bericht zufolge gehört der langjährige Christdemokrat Kurth seit 2014
       dem Vorstand der „Vereinigung Alter Gothen e.V.“ an, die unter anderem das
       Vermögen der Berliner Burschenschaft Gothia verwaltet. 2023 übernahm Kurth
       demnach den Vorsitz des Vereins. Die [2][Burschenschaft Gothia soll
       weitreichende Kontakte in die rechtsextreme Szene] unterhalten.
       
       Auf dem Gelände der Gothia in Berlin-Zehlendorf trafen sich laut Spiegel
       mehrfach Funktionäre der AfD, ihrer Jugendorganisation Junge Alternative
       und der IB. Aus internen Unterlagen gehe hervor, dass mehrere
       Gothia-Mitglieder in der AfD oder der Jungen Alternative aktiv seien –
       darunter Martin Kohler, Chef der Jungen Alternative in Berlin und
       Fraktionsvorsitzender der AfD in der Bezirksverordnetenversammlung
       Charlottenburg-Wilmersdorf.
       
       Wie das Magazin unter Berufung auf „übereinstimmende Angaben aus
       Sicherheitskreisen“ berichtete, soll Kurth in die Finanzierung einer
       Ladenfläche der Identitären Bewegung in Chemnitz eingebunden sein.
       „Mehreren Quellen zufolge“ soll Kurth „eine hohe Summe“ in das Projekt
       investiert haben. Die Ladenfläche soll die Identitäre Bewegung später als
       Treffpunkt genutzt haben.
       
       ## Gastgeber für Rechtsextreme
       
       Wie die Staatsanwaltschaft Chemnitz dem Magazin bestätigte, läuft im
       Zusammenhang mit der Immobilie ein Ermittlungsverfahren gegen
       IB-Funktionäre wegen Geldwäscheverdachts. Bei den Beschuldigten handelt es
       sich demnach um IB-Bundeschef Philip Thaler und den Chemnitzer
       Ortsgruppenleiter.
       
       Die Beschuldigten sollen im Oktober 2022 in Chemnitz eine Immobilienfirma
       gegründet haben, die wenig später das Ladenlokal in der Stadt gekauft haben
       soll. Im Zuge des Geschäfts soll es eine größere Transaktion gegeben haben,
       die eine Geldwäscheverdachtsanzeige zur Folge hatte. Ob dieser Vorgang in
       direktem Zusammenhang mit Kurth stehe, sei unklar. Laut Staatsanwaltschaft
       werde Kurth in dem Ermittlungsverfahren bislang nicht als Beschuldigter
       geführt.
       
       In der vergangenen Woche [3][war eine von Kurth initiierte Veranstaltung in
       dessen Privatwohnung in Berlin-Mitte im Juli 2023 bekannt geworden]. Daran
       sollen Medienberichten zufolge auch die Berliner AfD-Landes- und
       Fraktionschefin Kristin Brinker, der [4][Rechtsextremist Martin Sellner],
       der spätere [5][AfD-Spitzenkandidat für die Europawahl, Maximilian Krah],
       und der rechtsextreme Verleger Götz Kubitschek teilgenommen haben. Dabei
       hatte Krah sein Buch „Politik von rechts“ vorgestellt, das in Kubitscheks
       Verlag erschien.
       
       ## Seit kurzem kein CDUler mehr
       
       Nach CDU-Angaben trat Kurth im September aus dem Kreisverband Berlin-Pankow
       aus und ist seitdem nicht mehr Mitglied der Partei. Wie die CDU Brandenburg
       der Nachrichtenagentur AFP sagte, wurde ein Eintrittsversuch kurz danach im
       Kreisverband Märkisch-Oberland nicht wirksam, weil Kurth keinen neuen
       Aufnahmeantrag eingereicht habe. Kurth habe ab Oktober keine
       Mitgliedsbeiträge mehr gezahlt und nicht an Veranstaltungen der Partei
       teilgenommen.
       
       Kurth war unter dem Regierenden Bürgermeister Eberhard Diepgen (CDU)
       zwischen 1999 und 2001 Finanzsenator in Berlin. 2009 kandidierte er für die
       CDU für das Amt des Oberbürgermeisters in Köln. Im Oktober 2009 wurde er
       Präsident des Bundesverband der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und
       Rohstoffwirtschaft. Kurz nach Bekanntwerden des Treffens trennte sich der
       Verband von Kurth.
       
       19 Jan 2024
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.spiegel.de/politik/deutschland/geheime-netzwerke-die-rechten-burschen-von-afd-und-cdu-a-b92c1bd6-35e9-432b-bd93-319cacd78982
 (DIR) [2] /Rechte-bei-der-Bundestagspolizei/!5827253
 (DIR) [3] /Landeschefin-der-AfD-Berlin/!5983237
 (DIR) [4] /Rechtsextreme-Verschwoerungserzaehlung/!5853428
 (DIR) [5] /AfD-waehlt-Krah-zum-EU-Spitzenkandidaten/!5951702
       
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       Sellner und Kubitschek.