# taz.de -- Geflüchtetenpolitik in Berlin: LAF will aus der Krise
       
       > Der neue Chef der Berliner Flüchtlingsbehörde will die Notunterbringung
       > abbauen. Wie er das anstellen will, bleibt unklar.
       
 (IMG) Bild: Der neue LAF-Chef Mark Seibert zwischen Integrationssenatorin Cansel Kiziltepe und Sozialstaatssekretär Aziz Bozkurt (beide SPD)
       
       Berlin taz | Der neue Präsident des Landesamts für
       Flüchtlingsangelegenheiten (LAF), Mark Seibert, ist nur für ein Jahr im Amt
       – hat aber große Pläne. „Ich will die Notunterbringungen Stück für Stück
       auflösen“, sagte er am Mittwoch bei der Pressekonferenz zu seiner
       Ernennung. Auf Nachfrage gab er allerdings zu, dass Berlin in absehbarer
       Zeit nicht auf Notunterkünfte verzichten können wird.
       
       Aktuell leben rund 10.000 Menschen in Notunterkünften in den
       Ankunftszentren Tegel und Reinickendorf, [1][im Ex-Flughafen Tempelhof]
       sowie [2][in angemieteten Hostels und Hotels]. „Wir werden Tegel erst mal
       offen halten“, sagte Seibert daher auch – alle, die dort leben, werde man
       nicht mit regulären Unterkünften versorgen können.
       
       „Mehrere tausend“ solcher Plätze zu schaffen sei aber realistisch, so
       Seibert. Geschehen soll dies vor allem durch weitere Neubauten in der
       sogenannten Modularen Unterbringung von Flüchtlingen (MUF). Das sind
       schnell und günstig gebaute Wohnhäuser mit „Apartmentstrukturen“, die nach
       ein paar Jahren auch als „normale“ Wohnhäuser genutzt werden können. Vier
       davon würden in diesem Jahr in Betrieb gehen, so Seibert.
       
       Sozialsenatorin Cansel Kiziltepe (SPD) ergänzte, man sei weiterhin mit den
       Bezirken wegen neuer Standorte im Gespräch. Der Senat habe „beschlossen“,
       dass jeder Bezirk 2.000 Unterbringungsplätze anbieten müsse. Allerdings war
       schon ihre Vorvorgängerin Elke Breitenbach (Linke) daran gescheitert, von
       allen Bezirken drei Standorte für MUF-Neubauten zu bekommen. „Wir wollen
       nicht nur in den Peripherien bauen“, sagte Kiziltepe, manche Bezirke hätten
       viel mehr geleistet als andere – das müsse sich ändern.
       
       ## Nur 2.500 neue Wohnplätze in Planung
       
       Aber das kann dauern. Die konkreten MUF-Pläne für dieses Jahr sorgen für
       nur rund 2.500 neue Wohnplätze. Daher will der neue LAF-Präsident auch
       „Containerlösungen“ in Betracht ziehen und ungenutzte Gewerbeimmobilien
       umwidmen. All dies soll Notunterkünfte schrittweise entlasten, [3][im
       Ankunftszentrum Tegel] müssten Menschen nicht mehr so gedrängt leben und so
       lange bleiben – aktuell ist die durchschnittliche Verweildauer dort sechs
       Monate.
       
       Ob die Krise beim LAF mit der neuen Spitze behoben ist, muss sich zeigen.
       Der alte LAF-Chef Alexander Straßmeir hatte 2022 die Behörde verlassen,
       dann kam Corinna Harms als „kommissarische“ Leitung, sie ging schon im
       Sommer 2023. Ein Ausschreibungsverfahren endete ohne Ergebnis,
       Staatssekretär Aziz Bozkurt (SPD) übernahm kommissarisch.
       
       Dass auch Seibert, seit 2020 in verschiedenen Krisenstäben der
       Sozialverwaltung aktiv, nur für ein Jahr im Amt ist, erklärte Ciziltepe mit
       Vorgaben der Personalräte. Die wollten eine erneute formale Ausschreibung.
       Andere vakante Führungsposten beim LAF seien aber fast alle wieder besetzt.
       
       18 Jan 2024
       
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 (DIR) Susanne Memarnia
       
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