# taz.de -- Rassistischer Brandanschlag in Saarlouis: Anklage wegen Beihilfe zum Mord
       
       > Durch einen Brandanschlag in Saarlouis vor 30 Jahren starb der
       > Geflüchtete Samuel Yeboah. Nach einem ersten Urteil ist nun ein zweiter
       > Mann angeklagt.
       
 (IMG) Bild: Peter S. in Handschellen – seinem Komplizen wird Beihilfe zum Mord vorgeworfen
       
       Berlin afp/dpa | 32 Jahre nach dem tödlichen Brandanschlag auf eine
       Flüchtlingsunterkunft im saarländischen Saarlouis hat die
       Bundesanwaltschaft Anklage gegen einen weiteren Mann erhoben. [1][Peter St.
       wird Beihilfe zum Mord vorgeworfen], wie eine Sprecherin der Behörde in
       Karlsruhe am Montag sagte. St., damals eine Größe in der örtlichen
       Skinheadszene, soll den mutmaßlichen Haupttäter Peter S. beeinflusst haben.
       
       Peter S. wurde im Oktober vom Oberlandesgericht Koblenz wegen Mordes und
       mehrfachen versuchten Mordes [2][zu einer Jugendstrafe von sechs Jahren und
       zehn Monaten verurteilt]. Das Gericht sah als erwiesen an, dass er – durch
       Hass auf Ausländer motiviert – im September 1991 einen Brand in der
       Flüchtlingsunterkunft gelegt hatte.
       
       Dabei starb der damals 27 Jahre alte Asylbewerber Samuel Yeboah. Zwei
       weitere Bewohner sprangen aus dem Fenster und brachen sich dabei Knochen.
       18 Bewohner konnten sich unverletzt retten. Das Urteil gegen S. ist aber
       noch nicht rechtskräftig, der Bundesgerichtshof soll es überprüfen.
       
       Der nun angeklagte Peter St. wurde [3][im Juni festgenommen und sitzt
       seitdem in Untersuchungshaft]. Der Anklageschrift zufolge soll er nach wie
       vor eine von nationalsozialistischen und rassistischen Überzeugungen
       geprägte Ideologie vertreten.
       
       ## „Hier müsste auch mal sowas brennen“
       
       In der Nacht vor dem Brandanschlag am 19. September 1991 soll er mit
       Gesinnungsgenossen eine Gaststätte in Saarlouis besucht haben. Darunter sei
       auch der spätere mutmaßliche Haupttäter S. gewesen. Die Gruppe habe sich in
       der Kneipe über die damaligen rassistisch motivierten Anschläge auf
       Flüchtlingsunterkünfte vor allem in Ostdeutschland unterhalten. St. habe im
       Gespräch deutlich gemacht, dass er einen solchen Anschlag auch in Saarlouis
       gutheiße. Im Beisein des ihm untergebenen S. soll er gesagt haben: „Hier
       müsste auch mal sowas brennen oder passieren.“ Davon beeinflusst und
       bestärkt, soll S. später im Treppenhaus der Unterkunft Benzin vergossen und
       angezündet haben.
       
       Neben Beihilfe zu Mord wirft die Bundesanwaltschaft St. auch Beihilfe zu
       versuchtem Mord zum Nachteil von 20 Menschen vor. Über die Zulassung der
       Anklage entscheidet nun das Oberlandesgericht Koblenz.
       
       Nach dem Anschlag blieben die Ermittlungen zunächst ohne Erfolg und wurden
       eingestellt. Der Fall galt als bekanntester ungelöster extremistischer
       Mordfall Deutschlands. Erst vor rund drei Jahren wurden die Ermittlungen
       wegen neuer Erkenntnisse wieder aufgenommen, die Bundesanwaltschaft
       übernahm den Fall.
       
       13 Nov 2023
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Rechter-Mordanschlag-in-Saarlouis-1991/!5936113
 (DIR) [2] /Brandanschlag-in-Saarlouis/!5965743
 (DIR) [3] /Rechter-Mordanschlag-in-Saarlouis-1991/!5936113
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Saarland
 (DIR) Schwerpunkt Rassismus
 (DIR) Rechtsextremismus
 (DIR) Schwerpunkt Rechter Terror
 (DIR) Bundesanwaltschaft
 (DIR) Justiz
 (DIR) Schwerpunkt Rechter Terror
 (DIR) Schwerpunkt Rechter Terror
 (DIR) Schwerpunkt Rechter Terror
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Brandanschlag in Saarlouis: Nach 32 Jahren verurteilt
       
       Bei einem rassistischen Brandanschlag 1991 wurde Samuel Kofi Yeboah
       ermordet. Nun wurde ein früherer Neonazi-Skinhead dafür verurteilt.
       
 (DIR) Anschlag auf Flüchtlingsheim 1991: Fast sieben Jahre Jugendstrafe
       
       Vor über 30 Jahren stirbt der Asylbewerber Samuel Yeboah in Saarlouis bei
       einem rassistischen Brandanschlag. Nun ist ein 52-Jähriger verurteilt
       worden.
       
 (DIR) Rechter Mordanschlag in Saarlouis 1991: Festnahme nach 11.583 Tagen
       
       Ein zweiter Beschuldigter ist wegen des Brandanschlags festgenommen worden,
       32 Jahre nach der Tat. Er gilt als Anführer der damaligen Neonazi-Szene.