# taz.de -- Aktuelle Lage in der Ukraine: Die Schlacht um Awdijiwka
       
       > Russland startet Großangriff auf die Vorstadt von Donezk. Die Ukraine
       > spricht von den höchsten russischen Verlusten seit Februar.
       
 (IMG) Bild: Rauchwolken über Awdijiwka am 11. Oktober: Der Kampf um die Stadt hat vor allem symbolischen Wert
       
       Berlin taz | Russland hat in der Ukraine seine größte Offensive seit der
       monatelangen [1][Schlacht um die Stadt Bachmut] gestartet – und dabei
       innerhalb weniger Tage eine schwere Niederlage erlitten. Von den höchsten
       russischen Verlusten seit Februar sprechen ukrainische Quellen nach dem
       Zurückschlagen eines russischen Großangriffs auf die [2][Stadt Awdijiwka],
       eine von der Ukraine gehaltene Vorstadt der größten russisch besetzten
       ukrainischen Stadt Donezk.
       
       Die russischen Angriffe zur Umzingelung von Awdijiwka [3][begannen am 10.
       Oktober] mit Vorstößen nördlich der Stadt, die russische Panzerverbände bis
       in die Nähe der Eisenbahnlinie von Awdijiwka ins Hinterland führten, sowie
       im Süden, wo die Front in der Nähe des internationalen Flughafens von
       Donezk verläuft. Da das Gelände mit Ausnahme von Kohlehalden sehr flach und
       offen ist, sind solche Vorstöße aber offenbar leicht zu erkennen und
       aufzuhalten. Nordöstlich von Awdijiwka nahmen russische Kräfte nach eigenen
       Angaben eine Kohleschlackenhalde ein, die sie aber später wieder aufgeben
       mussten.
       
       [4][Nach ukrainischen Berichten] stauten sich die russischen Kolonnen
       ansonsten auf Feldwegen, wo sie mit Artillerie zerstört werden konnten,
       oder suchten stattdessen ihren Weg über die Felder, wo die Ukraine sie mit
       einer Kombination aus Drohnenangriffen aus der Luft und panzerbrechenden
       Minen im Boden [5][aufreiben konnten].
       
       Russland schickte in den vergangenen Tagen Verstärkung und heftige Kämpfe
       dauerten an, aber die russischen Offensivbemühungen sind seit Freitag
       festgefahren. Begleitet werden die Kämpfe von intensivem, russischen
       Beschuss der Stadt Awdijiwka selbst. „Awdijiwka steht völlig in Flammen“,
       erklärte die Militärverwaltung der Stadt am Samstag.
       
       Russland habe um Awdijiwka mehr und größere Einheiten im Einsatz als bei
       sonstigen Angriffen, [6][analysieren ukrainische Experten]. Sie haben die
       ukrainischen Verteidiger an einigen Stellen zunächst überrumpelt. [7][Ein
       russischer Militärblogger kritisiert], die russischen Truppen hätten immer
       noch kein Rezept gegen die zwar zahlenmäßig unterlegenen, aber viel
       mobileren, besser gestaffelten und koordinierten ukrainischen Verteidiger.
       Sie würden, sobald sie auf unerwarteten Widerstand stießen, „stereotyp“
       reagieren.
       
       Ukranische Gegenoffensive angeblich beendet 
       
       Nach ukrainischen Militärangaben verzeichnete Russlands Militär allein in
       den ersten drei Tagen der Schlacht von Awdijiwka 2.840 Tote und verlor 102
       Panzer und 183 gepanzerte Fahrzeuge. Unabhängige Experten gehen von
       niedrigeren, aber deutlich dreistelligen russischen Todeszahlen und
       Dutzenden verlorenen Fahrzeugen aus.
       
       Der russische Präsident Wladimir Putin [8][sprach gegenüber einem
       TV-Journalisten] am Sonntag von einer „aktiven Verteidigung“ in Awdijiwka
       und anderen Orten, „die Namen können sich ändern“. Zuvor sprach der
       russische UN-Botschafter Wassili Nebensja während einer Sitzung des
       UN-Sicherheitsrats in New York von einer neuen Phase in dem militärischen
       Einsatz in der Ukraine.
       
       Russische Truppen seien seit einigen Tagen entlang der gesamten Front zu
       aktiven Kampfhandlungen übergegangen. „Die sogenannte ukrainische
       Gegenoffensive kann daher als beendet angesehen werden“, sagte er. Im Süden
       des Landes, wo die Ukraine an mehreren Frontabschnitten die russischen
       Linien durchbrochen hat, dauern an der Front tatsächlich intensive Gefechte
       weiter an.
       
       Die strategische Bedeutung von Awdijiwka ist gering, aber die symbolische
       Bedeutung ist immens. Denn hier hielt die Ukraine 2014/15 die Versuche
       Russlands und der russisch gesteuerten Donbass-Separatisten auf, das
       gesamte Umland von Donezk unter ihre Kontrolle zu bringen.
       
       Awdijiwka blieb danach ein ukrainischer Stachel im Fleisch der russischen
       Besatzung des Donbass. Sollte Russland nun um Awdijiwka eine empfindliche
       Niederlage erleiden, stünde der Ukraine sogar der Weg in die nur 15
       Kilometer entferne Millionenstadt Donezk offen.
       
       15 Oct 2023
       
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