# taz.de -- Musik-Doku auf Arte: Die Country-Versicherung
       
       > Eine neunteilige Arte-Country-Doku unterhält, klärt auf und wiegt einen
       > in den Schlaf. Business und Kreativität gehen im Genre Hand in Hand.
       
 (IMG) Bild: Weder dumm noch blond: Dolly Parton
       
       Diese tatsächlich 9-teilige Serie über Country hat mehrere Vorteile: Wenn
       Sie bislang noch nichts über die unter diesem Sammelbegriff
       zusammengefasste Richtung der Weltmusikgeschichte wissen, dann wissen Sie
       danach eine ganze Menge, wenn nicht alles.
       
       Wenn Sie wie ich einer sind, für den Musik ein Hobby und streberhaftes
       Bescheidwissertum eher ein Gräuel ist, dann lernen Sie beträchtlich viel.
       
       Und wenn Sie ein [1][totaler Aficionado] sind, dem nichts mehr beizubringen
       ist oder wenn Sie beim besten Willen null Verbindung zu Country finden,
       dann wird Sie die ausgeruhte Machart der Doku mit der rauchigen
       Marihuana-Stimme von Erzähler Peter Coyote sanft in den Schlaf wiegen, wo
       ihre Träume dann [2][von solchen Zeilen geprägt sein werden]: „Hear the
       lonesome whipperwill / He sounds too blue to fly / The midnight train is
       whining low / I’m so lonesome I could cry (Hör die einsame Nachtschwalbe /
       Sie hört sich an, als sei sie zu traurig zum Fliegen / Der Mitternachtszug
       jammert leise in der Ferne / Ich bin so einsam, ich könnte heulen –
       poetischere Übersetzungen welcome!).
       
       Natürlich gibt es Zwischenstufen. Mich hat diese Doku vor allem über mein
       Unwissen belehrt, viele Songs haben eine wilde, ziellose Sehnsucht in mir
       geweckt, von der ich gar nicht wusste, dass ich sie noch hatte, und ein
       paar Mal bin ich tatsächlich sehr sanft eingeschlafen.
       
       ## Vertreter unterwegs
       
       Um nur ein Beispiel für meine Ignoranz zu geben: Ich wusste nicht, dass die
       mir durchaus bekannte Zentrale der Countrymusic, die Samstagabendshow Gran
       Ole Opry, gesendet aus Nashville, Tennessee, eine Werbeveranstaltung des
       den ausstrahlenden Sender besitzenden Versicherungsunternehmens war.
       
       Samstagabends, wird in der Doku erzählt, gingen die Versicherungsvertreter
       durch die Straßen und notierten sich die Adressen der Häuser, aus denen die
       Radioübertragung schallte. Am Montag kamen sie dann vorbei mit dem Spruch:
       „Hallo, Miss Jones, ich bin von der Gran Ole Opry – darf ich einen Moment
       reinkommen und mit Ihnen über Verunsicherungen sprechen?“
       
       In den Worten der Firmenerbin: „Es ging nur darum, Versicherungen zu
       verkaufen.“ Aber was herauskam, waren [3][Dolly Parton], Hank Williams,
       Johnny Cash.
       
       18 Sep 2023
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Eine-Begegnung-mit-Franz-Dobler/!5247578
 (DIR) [2] https://www.youtube.com/watch?v=4WXYjm74WFI
 (DIR) [3] /Die-Wahrheit/!5813761
       
       ## AUTOREN
       
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