# taz.de -- Kulturkampf von rechts: Nazis raus aus Bibliotheken
       
       > Die mobile Beratung gegen Rechtsextremismus Berlin veröffentlicht eine
       > Broschüre zum Umgang mit dem Kulturkampf von rechts in Bibliotheken.
       
 (IMG) Bild: Rechte Angriffe auf Bibliotheken, wie hier in Tempelhof-Schönefeld, sind keine Seltenheit
       
       Berlin taz | Neonazis beschädigen in der [1][Stadtbibliothek
       Tempelhof-Schöneberg] Bücher, die sich kritisch mit Rechtsextremismus
       befassen und legen rechte Broschüren aus, in Grunewald [2][brennt eine
       Bücherbox] mit Literatur zur Judenverfolgung und die AfD versucht, mit
       parlamentarischen Anfragen Bibliotheken mit Lesungen von queeren
       Publikationen einzuschüchtern: „Das ist nicht nur Ausdruck eines
       allgemeinen Rechtsrucks, sondern eines gezielten rechten Kulturkampfes“,
       sagt Bianca Klose von der Mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus Berlin
       (MBR) am Montag. „Bibliotheken sind dabei ein wichtiges Kampffeld.“
       
       Um dem Phänomen zu begegnen, hat die MBR gemeinsam mit Menschen aus dem
       Bibliothekswesen eine 60-seitige Broschüre mit dem Titel [3][„Alles nur
       leere Worte?] Zum Umgang mit dem Kulturkampf von rechts in Bibliotheken“
       erstellt, die am Montag in der Staatsbibliothek vorgestellt wurde. Neben
       Aufklärung zum Thema sind darin auch zahlreiche Praxistipps für
       Beschäftigte enthalten.
       
       Denn die sind auf den rechten Kulturkampf oft nicht vorbereitet. In den
       vergangenen Jahren habe die MBR verstärkt Anfragen von Bibliotheken
       bekommen, sagt Klose. Dabei geht es um Fragen wie: Was tun bei Anfeindungen
       und Störungen von Veranstaltungen durch Rechtsextreme? Wie umgehen mit
       Anmietungen von Räumen? Aber auch: Können rechtsextreme Publikationen aus
       dem Bestand gestrichen werden oder ist das schon Zensur?
       
       Denn die landen über Bestsellerlisten oft automatisch in den Bibliotheken.
       Oder „getarnt unter einem rechtskonservativen Anstrich“, wie bei dem
       Verleger [4][Götz Kubitschek], prominenter Rechtsextremist und politischer
       Aktivist der Neuen Rechten. Deren zentrale Strategie sei es,
       „antidemokratische Inhalte vor allem über publizistische Inhalte in die
       Gesellschaft hineinzutragen und die Grenzen dessen zu verschieben, was
       gelesen und gesagt werden kann“, heißt es in der Broschüre.
       
       ## Bibliotheken keine wertneutralen Orte
       
       „Wichtig ist, den Kulturkampf von rechts überhaupt anzuerkennen“, sagt
       Klose. Und dann klar Haltung dagegen zu beziehen. Der erste Schritt sei
       dabei die Formulierung eines demokratischen Leitbildes. Denn Bibliotheken
       seien kein wertfreier Ort.
       
       „Politische Neutralität bedeutet nicht Wertneutralität“, bekräftigt Cansel
       Kiziltepe, Senatorin für Antidiskriminierung bei der Vorstellung der
       Broschüre. „Bibliotheken sind Orte der gelebten Demokratie“, so die
       SPD-Politikerin. Und diese Orte müssten geschützt werden. Denn
       rechtsextremes Gedankengut nehme nicht nur im Internet immer mehr Raum ein.
       Auch in Bibliotheken, Schulen und Kultureinrichtungen würden rechtsextreme
       Kräfte versuchen, ihre menschenfeindlichen Ideen zu verbreiten. „Und immer
       häufiger bekommen sie dafür Unterstützung und Beifall.“
       
       Der Leiter der Stadtbibliothek Tempelhof-Schöneberg, Boryano Rickum, kennt
       sich aus mit rechten Angriffen. Über Monate habe es dort Vorfälle gegeben,
       rechtsextreme Lesezeichen in Büchern, rechte Broschüren und Schmierereien.
       Anfangs habe man die Schäden lediglich beseitigt und zur Anzeige gebracht.
       Bis bei ihnen Bücher zerschnitten wurden. „Dann haben wir uns überlegt, wie
       wir die Intention der Täter, eine kritische Auseinandersetzung mit
       Rechtsextremismus zu verhindern, ins Gegenteil verkehren können.“ Rickert
       und seine Kolleg*innen riefen eine Veranstaltungsreihe ins Leben, bei
       der die Autor*innen der beschädigten Werke zu Wort kommen.
       
       Für ihn ist klar, dass sich Bibliotheken strategisch auf den rechten
       Kulturkampf einstellen müssen. „Das ist kein Randphänomen, sondern wir
       haben ein rechtsextremes Problem in der Mitte der Gesellschaft.“
       
       28 Aug 2023
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Rechte-Angriffe-auf-Bibliothek-in-Berlin/!5850362
 (DIR) [2] /Antisemitismus-in-Berlin/!5949810
 (DIR) [3] https://mbr-berlin.de/publikationen/alles-nur-leere-worte-zum-umgang-mit-dem-kulturkampf-von-rechts-in-bibliotheken/
 (DIR) [4] /Staatspolitik-Institut-der-Neuen-Rechten/!5272050
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Marie Frank
       
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