# taz.de -- TV-Sender sieht duales System gefährdet: Stoiber kämpft für ProSiebenSat.1
       
       > Der Beirat von ProSiebenSat.1 kritisiert, dass die Privatfernsehgruppe in
       > einem ungleichen Wettbewerb mit den Öffentlich-Rechtlichen steht. Doch
       > Annäherungsversuche scheitern.
       
 (IMG) Bild: Hier kämpfte Stoiber rmit dem Wetter, ansonsten tut er das für die Fernsehgruppe ProSiebenSat.1
       
       Es gibt ja immer wieder Sachen, die für eineN neu sind. Zum Beispiel, dass
       [1][ProSiebenSat.1] (P7S1) einen Beirat hat. Vorsitzender ist niemand
       Geringeres als Bayerns Ex-Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU). Der
       Beirat soll die Privatfernsehgruppe bei ethischen und
       gesellschaftspolitischen Fragen beraten.
       
       Ob dazu auch gehört, warum [2][P7S1] gerade mal wieder 400 Stellen abbaut?
       Oder Sat.1 inhaltlich und quotentechnisch in der Bedeutungslosigkeit
       verschwunden ist? Dabei war das mal der innovativste Privatsender, dem wir
       unter anderem mit „Talk im Turm“ den später von den Öffentlich-Rechtlichen
       geklauten TV-Talk verdanken. Doch heute liegt Sat.1 marktanteilmäßig hinter
       Vox, und inhaltlich sieht’s ganz arm aus.
       
       Dazu hört man von Ede Stoiber aber nichts. Dafür hat sich der Beirat
       gerade mit einem „Weckruf“ an die Medienpolitik gemeldet. Denn er sieht das
       „duale System“, in dem sich Private und Öffentlich-Rechtliche in
       friedlicher Koexistenz beschimpfen, „in ernster Gefahr“. Denn „unsere
       Gesellschaft und ihr bröckelnder Zusammenhalt erfordern mehr denn je einen
       qualitativ hochwertigen Journalismus, der in unruhigen Zeiten Orientierung
       gibt“.
       
       Damit meint der Beirat aber keineswegs, dass sich die Beitragskommission
       KEF bei der Neuberechnung der Kohle für ARD und ZDF ab 2025 nicht so
       zimperlich anstellen soll. Im Gegenteil, die stehen voll fies mit den
       privaten Sendern „in vielen Bereichen in einem ungleichen Wettbewerb“, geht
       es in dem Brandbrief weiter. „In diesem Kontext muss auch diskutiert
       werden, wo und wie sich der öffentlich-rechtliche Rundfunk öffnen kann.“
       
       ## Die Welt und eigenes Leben retten
       
       Nachtigall, ick hör dir trapsen, ließe sich rufen, wenn Sat.1 noch in
       Berlin säße und nicht zum lieblosen Anhängsel des Münchner TV-Konzerns
       geworden wäre. Denn das Aufbohren der Grenzen zwischen privat und
       öffentlich-rechtlich ist das große Mantra von P7S1-[3][Vorstandschef Bert
       Habets].
       
       Bei jeder Gelegenheit fordert der, dass ARD und ZDF samt Mediathek ins
       P7S1-Streaming-Angebot Joyn gehören. So will Habets die Welt und vor allem
       seinen Laden retten. ARD wie ZDF winken allerdings stets höflich ab. Wäre
       ja auch dumm, denn damit wäre das duale System nicht nur „ernsthaft
       gefährdet“, sondern keines mehr.
       
       Nun wirft der Konzern seinen Beirat und Edmund Stoiber in die Schlacht. Das
       wirkt ein bisschen verzweifelt. Denn bislang war der Beirat für P7S1 nicht
       so wichtig und taucht nicht mal im aktuellen Online-Geschäftsbericht auf.
       „Ist doch gut, dass bei P7S1 alle im gleichen Boot sitzen und nun auf ihren
       Steuermann hören.
       
       Und logisch nicht untergehen wollen“, sagt die Mitbewohnerin. „Aber was,
       wenn Joyn P7S1 das einzige Rettungsboot ist, wenn die ADR/ZDF-„Titanic“
       untergeht? Öffnen sie sich und fühlen bei der bröckelnd-untergehenden
       Gesellschaft den Zusammenhalt?“
       
       Mal sehen, ob sich Stoiber zuliebe wenigstens die bayerische
       Medienpolitik ein bisschen beeindruckt zeigt.
       
       29 Jul 2023
       
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