# taz.de -- BRICS-Gipfel in Johannesburg: Eine südlichere Welt ist möglich
       
       > Der Gipfel der großen Schwellenländer beschließt eine Erweiterung der
       > Runde ab 2024 – und fordert weitere Reformen.
       
 (IMG) Bild: Gute Stimmung beim BRICS-Gipfel: fünf Staatschefs und Russlands Außenminister Lawrow am 23. August
       
       Johannesburg taz | Die BRICS-Staatengruppe wächst. Zu Brasilien, Russland,
       Indien, China und Südafrika sollen sich sechs weitere gesellen, bestätigte
       Südafrikas Präsident Cyril Ramaphosa, Gastgeber des BRICS-Gipfels in
       Johannesburg: Argentinien, Ägypten, Äthiopien, Iran, Saudi-Arabien und die
       Vereinigten Arabischen Emirate. Ihre Mitgliedschaft tritt am 1. Januar 2024
       in Kraft.
       
       Das sei bloß der erste Schritt, so Ramaphosa. „Wir als die fünf
       BRICS-Länder haben eine Übereinkunft über die Prinzipien, Standards,
       Kriterien und Prozeduren des BRICS-Expansionsprozesses erzielt, der schon
       seit einer ganzen Weile in der Diskussion ist“, so der südafrikanische
       Präsident.
       
       Die Außenminister der bestehenden Mitglieder sollen das Partnermodell und
       die Liste möglicher Beitrittsländer weiterentwickeln und beim nächsten
       Gipfel vorlegen. Der soll im Oktober 2024 im russischen Kasan stattfinden.
       
       Die [1][BRICS-Erweiterung war der Höhepunkt des Gipfels], der ansonsten den
       zehnten Jahrestag des BRICS-Wirtschaftsrats zelebrierte und die Arbeit der
       BRICS-Wirtschaftsfrauenallianz würdigte, die erstmals persönlich mit den
       Führern der Mitgliedstaaten zusammentraf.
       
       ## Abhängigkeit vom US-Dollar beenden
       
       Es wurden auch die Finanzminister und Zentralbankchefs der BRICS-Länder
       damit beauftragt, bis zum nächsten Gipfel einen Bericht über die
       Perspektiven einer besseren Zusammenarbeit zwischen ihren Währungen und in
       grenzüberschreitenden Zahlungssystemen auszuarbeiten. Es geht dabei darum,
       dass die Länder des Globalen Südens ihre Abhängigkeit vom US-Dollar
       reduzieren oder beenden können.
       
       Dies ist eine Konsequenz aus dem [2][westlichen Ausschluss sieben
       russischer Banken aus dem globalen Swift-Zahlungssystem], herbeigeführt von
       der EU-Kommission, um Russlands Wirtschaft zu schwächen und Russland zu
       zwingen, seinen Krieg in der Ukraine zu beenden.
       
       Ramaphosa hatte in seiner Eröffnungsrede indirekte Kritik an diesem Schritt
       geübt. „Wir sind besorgt darüber, dass globale Finanz- und Zahlungssystems
       zunehmend als Instrumente geopolitischen Streits genutzt werden“, sagte er.
       Die Weltwirtschaft brauche verlässliche Zahlungsströme. „Wir werden über
       praktische Maßnahmen sprechen, um Handels- und Investititionsströme zu
       erleichtern, indem sie verstärkt über lokale Währungen geführt werden.“
       
       Südafrika hat bei diesem Gipfel den BRICS-Vorsitz übernommen und will nun
       eine „afrikanische Agenda“ in den Vordergrund stellen. „Wir begrüßen die
       Zusammenarbeit der BRICS-Länder mit Afrika in einem Geist der Partnerschaft
       und des gegenseitigen Respekts“, sagte er. Das offizielle Gipfelthema
       lautet „BRICS und Afrika: Partnerschaft für gemeinsam beschleunigtes
       Wachstum, nachhaltige Entwicklung und inklusiven Multilateralismus“.
       
       ## Afrikanische Staaten beantragen Aufnahme
       
       Mehrere afrikanische Länder, nicht nur Äthiopien und Ägypten, haben eine
       Aufnahme in den BRICS-Block beantragt. „Wir wollen, dass Waren, Produkte
       und Dienstleistungen aus Afrika auf gleichwertiger Basis in den Wettbewerb
       der Weltwirtschaft kommen“, fasste Ramaphosa die Bestrebungen dahinter
       zusammen. Er geht davon aus, dass die Panafrikanische Freihandelszone
       ACFTA, wenn sie einmal voll funktionsfähig ist, die Vorzüge eines
       gemeinsamen afrikanischen Binnenmarktes sowohl für afrikanische Staaten als
       auch für die anderen BRICS-Länder erschließt.
       
       Zum Abschluss nannte Ramaphosa den Gipfel einen Erfolg. „Durch diesen
       Gipfel beginnt BRICS ein neues Kapitel in seinem Versuch, eine faire,
       gerechte, inklusive und wohlhabende Welt zu schaffen.“
       
       Die Abschlusserklärung des Gipfels stellt sich auch hinter afrikanische
       Bemühungen zu einer Reform der Vereinten Nationen, einschließlich ihres
       Sicherheitsrats. Die UNO müsse reformiert werden, um demokratischer,
       repräsentativer, effektiver und effizienter zu werden, stellten die
       BRICS-Führer fest. Dazu gehöre eine stärkere Vertretung von
       Entwicklungsländern im UN-Sicherheitsrat, um globalen Herausforderungen
       besser zu begegnen und die Aspirationen Afrikas, Asiens und Lateinamerikas
       stärker zu reflektieren.
       
       Ansonsten „soll das Prinzip ‚Afrikanische Lösungen für afrikanische
       Probleme‘ weiterhin als Grundlage für Konfliktlösung dienen“, heißt es in
       der Abschlusserklärung. „Somit unterstützen wir [3][afrikanische
       Friedensbemühungen] auf dem Kontinent, indem wir die relevanten Kapazitäten
       afrikanischer Staaten stärken.“
       
       Aus dem Englischen Dominic Johnson
       
       24 Aug 2023
       
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