# taz.de -- Abschied von „Nafrichten“: Genug Meinung! Zeit für Recherche
       
       > Nach 79 Folgen „Nafrichten“ ist Schluss – hoffentlich folgt jetzt eine
       > Stärkung von neugierigem, analytischen Old-School-Journalismus.
       
 (IMG) Bild: Genug gemeint, wir brauchen mehr analytischen Old-School-Journalismus
       
       Meine eigene Meinung interessiert mich wenig bis gar nicht. Geschweige denn
       die von Schreibtischen abgefeuerten Meinungen anderer. Im deutschsprachigen
       Raum hat sich in den letzten Jahren etwas verschoben: Weil alle Diskurs,
       aka Blabla, machen, werden in vielen Medien investigative Recherchen,
       Reportagen und Analysen (unbedingt gebraucht) mit bloßen Meinungsstücken
       (als Zusatz berechtigt) gleichgesetzt. Das ist falsch.
       
       Ein Fakt ist ein Fakt, eine Meinung dazu eben nur eine Meinung. Jede*r
       kann sagen, was er*sie will, nur sollte man bei der Relevanz
       meinungsgetriebener Aussagen nicht übertreiben. Was ich als Individuum auf
       sozialen Medien oder in einer Kolumne in die Welt posaune ist nicht so
       wichtig. Im besten Fall lustig, inspirierend, provokativ. Weltbewegend?
       Weiß nicht.
       
       Die minutiöse Rekonstruktion eines Skandals oder eines strukturellen
       Missstands brauchen wir als Gesellschaft unbedingt, egal ob es sich um
       [1][Maskendeals], [2][Polizeigewalt] oder [3][tödliche]
       EU-[4][Außengrenzen] handelt. Auf den Leitartikel oder den Kommentar dazu
       kann ich zur Not verzichten. Schaden tut er aber selten.
       
       Als mich eine Kollegin aus der taz-Redaktion neulich angerufen und
       verkündet hat, dass die Zahl der Kolumnist*innen reduziert werde, habe
       ich mich als Journalist gefreut. Es ist eine mutige und richtige
       Entscheidung, eine Stärkung von analytischem, neugierigem,
       [5][recherchegeleitetem] Journalismus, der auch unterhaltsam sein kann.
       Kolumnen sind toll, mehr Old-School-Journalismus ist noch besser. Deswegen
       räume ich meinen Kolumnenplatz gerne.
       
       ## Genossen, Leute zur Weißglut zu treiben
       
       Natürlich haben mir die „Nafrichten“ viel Spaß bereitet, viel Ärger
       gebracht, Leute waren höchstbeleidigt, manchmal sogar außer sich, wenn sie
       mir wütende Nachrichten geschickt haben. Ich bin auf so mancher
       Nemesis-Listen gelandet: von [6][AfD-Springer-Almans], von [7][Erika
       Steinbach], [8][Bismarck-Fans], [9][Harry von der Polizei],
       [10][Hundebesitzer*innen], [11][basic Dudes,]
       [12][Mama-Blogger*innen,] von ausgewählten taz-Redakteur*innen … Ja, ich
       habe es als Dickkopf manchmal sogar genossen, Leute zur Weißglut zu
       treiben.
       
       Ich würde aber lügen, würde ich behaupten, dass mich die emotionalen
       Reaktionen auf polemische Kolumnen kalt gelassen haben, während ich bei
       einigen meiner monatelangen, aufwändigen Recherchen nachhelfen musste,
       damit die Leser*innenschaft überhaupt anbeißt. Ich hoffe, dass der
       Wissens- und Aufklärungsdurst mit der Nachfrage nach Polemik irgendwann
       gleichziehen kann.
       
       Nach drei Jahren und (wenn ich richtig gezählt habe) 79 Episoden ist das
       also der letzte „Nafrichten“-Text. 79 ist eine schöne Zahl, immer wenn ich
       in einem spontanen Gespräch eine random, nicht zu hohe und auch nicht zu
       niedrige Zahl nennen möchte: Es ist die 79. Ich werde der guten alten taz
       inshallah als Autor weiter erhalten bleiben (bevor sich einige zu früh
       freuen). Denn in Nafristan sagt man zum Abschied: In Frieden, man sieht
       sich.
       
       24 Aug 2023
       
       ## LINKS
       
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 (DIR) Mohamed Amjahid
       
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