# taz.de -- Russische Propaganda in Social Media: Schlechtes Schauspiel
       
       > In einem Video stürmen russische Schauspieler*innen in
       > Bundeswehruniform ein Haus und hängen ein Selenski-Porträt auf. Peinliche
       > Propaganda.
       
 (IMG) Bild: Eine russische Schauspielerin als Bundeswehrsoldatin, Szene aus dem Video „Heil Zelensky“
       
       BERLIN taz | Mit der Ruhe und Beschaulichkeit in einem vermeintlich
       deutschen verschlafenen Kaff ist es bei einer dreiköpfigen Familie
       schlagartig vorbei. Bundeswehrsoldat*innen kommen unangemeldet zu
       Besuch. Immerhin: Sie klingeln, anstatt die Tür einzutreten. Das lässt auf
       einen gewissen Zivilisationsgrad schließen. Es ist der Beginn eines Videos,
       das seit Mittwochabend durch die sozialen Netzwerke geistert. Es dauert nur
       eine Minute und drei Sekunden. Die Geschichte ist schnell erzählt.
       
       Die ungebetenen Gäste nehmen sämtliche Gegenstände aus der Wohnung mit –
       augenscheinlich dem Wert nach eher aus dem Niedrigpreissegment. An die Wand
       wird ein großes Portät des ukrainischen Präsidenten Wolodimir Selenski
       gehängt, begleitet von dem Kommentar „Heil Selenski!“ Doch darin erschöpfen
       sich die frommen Botschaften nicht. „Ist dein Haus in der Nato? Akzeptiere
       die Nato in deinem Haus“, heißt es. Diese Sätze zeugen nicht eben von
       Sprachkompetenz. Auch die Übersetzung ins Englische und Russische macht’s
       nicht besser. Dann werden die Betrachter*innen auch noch mit der
       Information versorgt, dass seit Anfang 2022 bereits mehr als 22 Milliarden
       Euro aus dem deutschen Haushalt an die Ukraine geflossen seien.
       
       ## Suche nach dem Urheber
       
       Jetzt ist das große Rätselraten auf Social Media in vollem Gange. Wer
       steckt hinter diesem Video und an wen richtet es sich? Handelt es sich
       vielleicht um eine Art von „sozialer Reklame“ in eigener Sache, deren
       Urheberin die AfD ist, wie einige vermuten?
       
       Dem Journalisten Mark Krutow von Radio Free Europe sowie dem Faktchecker
       Ilja Ber verdanken wir interessante Erkenntnisse. Beide identifizierten in
       dem Video alle Darsteller*innen als Russ*innen, die in der Russischen
       Föderation (noch) ihren Wohnsitz haben. Das legt den Schluss nahe, dass
       auch das Video in Russland fabriziert wurde.
       
       Nun werden ja Teilen der AfD gemeinhin gute Drähte nach Moskau nachgesagt.
       Warum also nicht ein bisschen freundliche Produktionshilfe, wenn es denn
       der Wahrheitsfindung dient?
       
       Nun gut. Die AfD ist gegen den Krieg in der Ukraine, die um des lieben
       Friedens willen zu opfern für sie kein Problem ist. Das schließt
       Stimmungsmache gegen ukrainische Geflüchtete sowie Waffenlieferungen an
       Kyjiw genauso ein wie Kritik an der bösen Nato. Aber ein veritabler Führer
       an sich – das ist der feuchte Traum so mancher AfDler*innen.
       
       Offensichtlich passt da einiges nicht ganz zusammen.
       
       ## Schwächeln an der Fake-Front
       
       Also russischsprachige Menschen, zum Beispiel in Deutschland, als
       Zielpublikum? Das erscheint so abwegig nicht, denn die Inhalte dürften
       vielen bekannt vorkommen. Selenski ist ein Faschist, genauso wie die
       Bundeswehr als Teil des kollektiven Westens – läuft. Die Nato als
       Inkarnation des Bösen und eigentlich dafür verantwortlich, dass Russland
       gegen die Ukraine in den Krieg ziehen musste – genau. Präsident Wladimir
       Putin an jeder Wand – kennt man. Zwar ist diese Art Personenkult aus der
       Ukraine nicht überliefert, aber das spielt keine Rolle.
       
       Bleiben noch die Mitnahmeeffekte von „Hausbegehungen“ bei Privatpersonen
       durch Soldaten. Putins Männer sind da nicht kleinlich. Es wird entwendet,
       was nicht niet- und nagelfest ist (inklusive Lebensmittel). Wenn mal eine
       Waschmaschine oder ein Flachbildschirm dabei ist – umso besser. Und
       überhaupt: Die Ukrainer*innen, allesamt Nazis, haben es nicht besser
       verdient, haben sie doch sogar in den Dörfern asphaltierte Straßen.
       
       Dererlei Déjà-vus könnten allerdings auch einen anderen Effekt haben und
       zum Augenöffner mutieren. Aber sollten die Video-Macher*innen sich selbst
       dargestellt haben, ohne das zu merken? Wenn das so wäre, hieße das Fazit:
       Russland schwächelt jetzt sogar schon an der Fake-Front. Das wäre eine
       gute Nachricht.
       
       27 Jul 2023
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Barbara Oertel
       
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