# taz.de -- Kleinstpartei gründet Landesverband: Von Hamburg nach rechts
       
       > Die Partei „Bündnis Deutschland“ hat in Hamburg einen Landesverband
       > gegründet. Sie macht der AfD Konkurrenz – und sammelt einige
       > Ex-Mitglieder ein.
       
 (IMG) Bild: Männerbündnis: Die Chefs von „Bündnis Deutschland“ und „Bürger in Wut“
       
       Hamburg taz | Der Parteitag fand ohne die Presse statt. Am Sonntag
       gründeten Interessierte um Raul Oliver Classen in Hamburg den Landesverband
       [1][„Bündnis Deutschland“ (BD)]. „Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass
       wir erst einmal unter uns seien wollen“, sagt Classen am Telefon. Den
       Tagungsort wollte er nicht bekannt geben. Rund 60 Mitglieder wählten ihn am
       Sonntag zum ersten Hamburger Landesvorsitzenden. „Einstimmig“, sagte er am
       Telefon.
       
       Die Stimmung sei positiv gewesen. „Ein unglaublicher Start“, schwärmt
       Classen. Über seine Stellvertreter Oliver Lindner und Michael Bohne sei er
       ebenfalls sehr glücklich. Inhaltlich habe er in seiner Rede über den Hafen
       als Wirtschaftsgaranten gesprochen und erklärt: „Wir sind keine
       Schill-Partei 2.0.“ Die Partei war an der Egomanie ihres Gründers Ronald
       Schill gescheitert.
       
       Auf Bundesebene gibt es das „Bündnis Deutschland“ seit November. Der größte
       Erfolg bislang ist die [2][Zusammenarbeit mit den „Bürgern in Wut“ (BiW)
       bei der Bremer Bürgerschaftswahl.] Mit 9,4 Prozent zogen am 14. Mai die
       Spitzenkandidaten Jan Timke und Piet Leidreiter erstmals in Fraktionsstärke
       in das Landesparlament ein.
       
       Den Erfolg hatte auch ein Streit in der AfD ermöglicht, die nicht zur Wahl
       zugelassen worden war. Das Bündnis Deutschland hatte den Wahlkampf der
       „Bürger in Wut“ mit 300.000 Euro unterstützt. Vor dem Wahltag hatte Timke
       schon die Fusion mit dem Bündnis Deutschland angekündigt. Mit der Fusion
       ist das Bündnis nun erstmals in einem Landesparlament vertreten.
       
       ## Auffangbecken für Ex-AfD-Mitglieder
       
       Die Euphorie ist Classen im Gespräch auch Wochen später anzumerken. Seit
       der Ankündigung, einen Hamburger Landesverband zu gründen, seien viele neue
       Mitglieder hinzugekommen.
       
       Von anfangs rund 30 Mitgliedern sei der Landesverband schon auf über 100
       Mitglieder angewachsen. „Was ein Problem ist“, sagt Classen, der zuvor
       bei der FDP aktiv war. „Ein erfreuliches Problem“, schiebt der
       Mitte-Fünfzig-Jährige schnell nach. Doch am Freitag habe Classen, der zudem
       ehrenamtlicher Richter ist, nicht gewusst, ob die Räumlichkeiten genügen
       und ob der Gründungsablauf reibungslos gelingen würde. Aus diesen Gründen
       sollte eben auch keine Presse vor Ort sein, sagt Classen, der 2015 für die
       „Neuen Liberalen“ zur Bürgerschaftswahl kandiert hatte.
       
       Der Tagungsort sollte vielleicht aber auch nicht bekannt werden, um
       Gegenprotest zu verhindern. In die Partei sind auch ehemalige
       AfD-Mitglieder eingetreten. Einzelne Positionen unterscheiden sich oft nur
       durch einen moderateren Sound.
       
       Im Bremer Wahlkampf etwa hatte Leidreiter, ehemals AfD-Mitglied,
       suggeriert, [3][dass die Einwanderungs- und Asylpolitik die Ursache für
       Gewalt sei]. Unter dem Slogan „Klartext im Wahlkampf“ behauptete er, dass
       Bremen durch „Jugendliche und Kinder aus Marokko, Tunesien und Algerien“ zu
       einer „Hochburg des Verbrechens“ geworden sei. Dass die Daten des Bremer
       Senats dies nicht hergeben, störte ihn nicht.
       
       18 Jun 2023
       
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 (DIR) Andreas Speit
       
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