# taz.de -- Neue RBB-Intendantin: Zum Scheitern verurteilt
       
       > Die frisch gewählte RBB-Intendantin Ulrike Demmer soll Ruhe in den Sender
       > bringen, wo nun Chaos herrscht. Aber hat sie überhaupt eine Chance?
       
 (IMG) Bild: Die Beschäftigten des RBB wünschen sich Ordnung, Ruhe, Teilhabe
       
       Ulrike Demmer lächelt, in der Hand hält sie einen Blumenstrauß. Glücklich
       und erleichtert sieht sie aus auf den Fotos, die am Freitagabend von ihr,
       der [1][neu gewählten RBB-Intendantin], bei einer Pressekonferenz
       geschossen wurden. Eine echte Siegerin eben. Oder?
       
       Nun ja, von einem echten Wahlsieg kann nicht die Rede sein. Denn zuvor
       waren sämtliche Mitbewerber:innen abgesprungen. Am Ende war also nicht
       Demmers Qualifikation für den wichtigsten Posten im Sender ausschlaggebend,
       sondern der Zufall. So einen Sieg wünscht man niemanden.
       
       Dieses chaotische Vorspiel bei der Intendantenwahl war ein schlechtes
       Omen. Aber verantwortlich dafür ist nicht Demmer, sondern der rbb selbst.
       Die lauten Forderungen von Personalrat und Freienvertretung, das
       Bewerbungsverfahren zu stoppen und von vorne zu beginnen, ignorierte
       dieser. Die harsche Kritik der Mitarbeitendenvertretung am Verwaltungsrat,
       Alleingänge zu veranstalten, hatte keine Wirkung. Kurz vor der Wahl
       protestierten sogar noch zahlreiche Mitarbeiter:innen. Sie hielten Zettel
       hoch, auf denen stand „Wahl absagen!“ und „Neue Ausschreibung, jetzt!“.
       Auch ihr Protest blieb folgenlos. Der Rundfunkrat zog die Wahl trotzdem
       durch.
       
       Das hat schon jetzt Spuren hinterlassen. Anders als Ulrike Demmer sah man
       bei den Beschäftigten am Freitag kein Lächeln, sondern steinerne Mienen.
       Zurecht.
       
       ## Vertrauen zurückgewinnen
       
       Als im vergangenen August die letzte reguläre Intendantin, [2][Patricia
       Schlesinger], wegen Vorwürfen der Vetternwirtschaft und der
       Geldverschwendung fristlos entlassen wurde, sollte danach endlich wieder
       alles geordnet laufen im RBB. Transparenz, Teilhabe, Ruhe: das war es, was
       sich viele Beschäftigte wünschten. Das sollte mit der Wahl einer neuen
       Intendanz dann endlich auch umgesetzt werden. Nur daran ist der rbb nun
       kläglich gescheitert. Dabei wäre es möglich gewesen, das Chaos einzudämmen:
       Verfahren stoppen, auf die Suche nach neuen Bewerber:innen gehen.
       
       Stattdessen hat der Rundfunkrat der frisch gewählten Intendantin zusätzlich
       Steine in den Weg gelegt, weil er diese Wahl stoisch durchziehen wollte.
       Dass die rbb-Intendanz in diesen Zeiten ein herausfordernder Job ist, war
       klar. Aber war es nötig, die neue Position so undankbar für die Neue zu
       gestalten?
       
       Demmer bekommt den Unmut und die Unzufriedenheit der Belegschaft mit auf
       den Weg. Ob sie es schaffen wird, Vertrauen zurückzugewinnen, das der
       Wahlprozess zusätzlich zerstört hat, werden die nächsten Wochen zeigen.
       Sollte sie daran scheitern, dürfte aber niemand überrascht sein.
       
       ## Vorwurf der Staatsnähe
       
       Und dann ist da noch das Problem mit Demmers Lebenslauf. Fünf Jahre lang
       war sie stellvertretende Regierungssprecherin unter der damaligen Kanzlerin
       Angela Merkel (CDU). Sie selbst habe kein Parteibuch, beteuerte Demmer bei
       ihrer ersten Pressekonferenz am Freitag immer wieder. Das wird sie nun
       unter Beweis stellen müssen. In der öffentlichen Wahrnehmung ist der rbb
       aber jetzt schon daran gescheitert, auf maximale Staatsferne zu achten.
       Demmer wird ihre Position noch so gut ausfüllen können, Kritiker:innen
       werden ihr immer wieder ihre Vergangenheit als Regierungssprecherin
       vorwerfen. Der Sender macht sich in Zeiten, in denen er um das Vertrauen
       der Bevölkerung kämpfen muss, maximal angreifbar.
       
       In der Affäre um Patricia Schlesinger war es einfach, die Schuldige zu
       benennen. Diesmal müssen sich die Verantwortlichen der Intendantenwahl
       selbst in die Verantwortung nehmen. Ulrike Demmer mag ihre Makel haben, für
       ihre Wahl sind aber andere verantwortlich. Vielleicht wird Demmer am Ende
       scheitern, weil sie nie eine Chance hatte; weil auch ihr Wahlsieg neue
       Gräben geschaffen hat, die sie nicht überwinden können wird.
       
       18 Jun 2023
       
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