# taz.de -- Oberbürgermeisterwahl in Schwerin: FDP auf Rechtskurs
> Der Kreisverband Schwerin will keine klare Wahlempfehlung für den
> SPD-Kandidaten geben. Die Bundes-FDP geht auf Distanz.
(IMG) Bild: Rico Badenschier (SPD), Oberbürgermeister von Schwerin
Berlin taz | Die Brandmauer bröckelt auch in Mecklenburg-Vorpommern: Hier
ist es mal wieder die FDP, die aktiv die Grenzen zur rechtsextremen AfD
verwischt. Bei der am 18. Juni anstehenden OB-Wahl hat es mit Leif-Erik
Holm erneut ein AfD-Politiker in eine Stichwahl geschafft. Er tritt gegen
Rico Badenschier, SPD, an. Der FDP-Kreisvorstand Paul Bressel nannte das
eine „Wahl zwischen Cholera und Pest“.
Anders als etwa die CDU wollte der FDP-Kreisverband Schwerin [1][keine
Wahlempfehlung für den demokratischen Kandidaten] und den Amtsinhaber
abgeben – obwohl die „Liberalen“ im Bund ja sogar mit der SPD regieren. Die
Brandmauer stehe aber, hieß es pflichtschuldig vom Landesgeneralsekretär.
Wohl um zu beschwichtigen, sagte der Vize-FPD-Kreisvorsitzende Dietmar
Tackmann: „Wir haben eigentlich nur die Position bestärkt, die wir schon
seit Jahren haben: Weder mit Links noch mit Rechts wird mit der FDP
irgendetwas zu machen sein.“
Diese vermeintliche Äquidistanz heißt bei FDP häufig aber übersetzt: [2][Im
Zweifel rechts] – und das wiederum bedeutet mit Blick auf die AfD:
konsequent antidemokratisch. Zumal es ja nicht einmal um einen Kandidaten
der Linken geht, sondern den SPD-Amtsinhaber Badenschier. Es war
wohlgemerkt auch die FDP, die in Thüringen für eine [3][Regierungskrise
sorgte], indem sich Thomas Kemmerich vom Rechtsextremisten Björn Höcke zum
Ministerpräsidenten hat wählen lassen. Kemmerich will bei der Landtagswahl
2024 erneut als FDP-Spitzenkandidat antreten und plädiert für Mehrheiten
mit der AfD.
Im Norden sieht es nicht besser aus: Statt sich inhaltlich von
AfD-Positionen abzugrenzen, übernimmt die FDP Schwerin für die OB-Wahl
platt rechte Parolen. Ein Wahlkampfslogan dort hieß: „Wir brauchen
Einwanderung in unseren Arbeitsmarkt, nicht in unser Sozialsystem.“
Besagter Bressel, verteidigte die Nicht-Wahlempfehlung bei Twitter:
„Liberale Wähler brauchen keine Bevormundung.“ Bressels Tweets selbst lesen
sich wie Wahlkampfhilfe für die AfD: Dort hetzt er mit rechtem Sound gegen
Islam, Einwanderer und Linke.
Eigentlich müsste es eine Binsenweisheit sein, dass die Übernahme von
AfD-Themen nur dem Original nützt. Aber das ist bei der FDP Schwerin
offenbar so wenig angekommen wie an vielen anderen Orten, vorrangig
Kommunalparlamenten, wo es immer [4][häufiger Zusammenarbeit mit der AfD
gibt]. All dies trägt zur Normalisierung einer rechtsextremen Partei bei,
die nach jüngst veröffentlichter Einschätzung des Deutschen Instituts für
Menschenrechte verbotsreif ist und die [5][freiheitlich-demokratische
Grundordnung beseitigen will]. Immerhin: Am Donnerstag ging die Bundes-FDP
auf Distanz zum eigenen Kreisverband.
8 Jun 2023
## LINKS
(DIR) [1] https://www.ndr.de/nachrichten/mecklenburg-vorpommern/Schwerin-FDP-verzichtet-auf-Positionierung-bei-OB-Stichwahl,obwahlschwerin130.html
(DIR) [2] /Die-FDP-in-der-Bundesregierung/!5935571
(DIR) [3] https://www.zeit.de/politik/deutschland/2023-04/thueringen-landesregierung-manfred-weber-bodo-ramelow-mario-voigt-cdu
(DIR) [4] https://kommunalwiki.boell.de/index.php/Beispiele_kommunaler_Zusammenarbeit_zwischen_CDU_und_AfD
(DIR) [5] /Studie-zur-AfD/!5939276
## AUTOREN
(DIR) Gareth Joswig
## TAGS
(DIR) FDP
(DIR) AfD Mecklenburg-Vorpommern
(DIR) Schwerin
(DIR) Rechtsruck
(DIR) Rechtspopulismus
(DIR) GNS
(DIR) Schwerpunkt AfD
(DIR) Schwerpunkt AfD
(DIR) Oberbürgermeisterwahl
(DIR) Schwerpunkt AfD
(DIR) Schwerpunkt AfD
(DIR) Schwerpunkt AfD
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Europawahl-Kandidat der FDP in Meck-Pomm: Rechtsaußen statt liberal
Paul Bressel wird in Mecklenburg-Vorpommern Spitzenkandidat der FDP bei der
Europawahl. Seine politischen Positionen decken sich mit denen der AfD.
(DIR) AfD-Experte Hillje über Umfragehoch: „Wir haben ein Demokratieproblem“
In Umfragen wollen 18 Prozent die rechtsextreme AfD wählen. Politikberater
Johannes Hillje erklärt, woran das liegt und was dagegen hilft.
(DIR) OB-Stichwahl in Schwerin: Genervt von der AfD
Rico Badenschier (SPD) gewinnt die Stichwahl in Schwerin und bleibt
Oberbürgermeister. Durch seinen AfD-Kontrahenten sieht er den Ruf der Stadt
ruiniert.
(DIR) Studie zur AfD: Partei darf verboten werden
Die AfD ist verbotsreif, analysiert das Institut für Menschenrechte. Sie
widerspricht dem Grundgesetz, Mitglieder gehörten entwaffnet.
(DIR) Extreme Rechte gleichauf mit SPD: Streit um Gründe für AfD-Hoch
In Umfragen ist die AfD stark wie nie. CDU-Chef Merz beschuldigt die Ampel,
Grüne und SPD halten dagegen.
(DIR) Die FDP in der Bundesregierung: Das Symptom Kemmerich
Kubicki, Kemmerich, Schäffler: Manche Liberale bedienen hier und da rechte
Narrative. Ist das die Zukunft der FDP – oder wo will die Partei hin?