# taz.de -- Krieg in Sudan: Zivile Hilfe zwischen den Fronten
       
       > Der Krieg richtet Furchtbares an. Doch Graswurzelorganisationen in
       > Khartum versorgen die Bevölkerung inmitten der Gefechte.
       
 (IMG) Bild: Rauchwolken, von denen man nicht mehr weiß, woher sie kommen: Khartum, am 19. April
       
       Eine riesige, dunkle Rauchwolke verdeckt den Himmel über Khartum. Woher sie
       kommt, das ist mittlerweile nicht mehr so einfach nachzuvollziehen. Gebäude
       brennen, es wird noch immer geschossen, noch immer Wohngebiete bombardiert.
       Es ist der fünfte Tag seit Beginn des Krieges, der diese Stadt und viele
       weitere heimsucht.
       
       Seit dem [1][Ausbruch der Gewalt zwischen Militär und Paramilizen] am
       Samstag hat sich die Lage in der Hauptstadt drastisch verschlechtert. Seit
       mehr als drei Tagen gibt es in der Innenstadt keinen Strom und kein Wasser
       – und das bei 40 Grad Außentemperatur. Der heilige Monat Ramadan, der
       eigentlich eine heilende und besinnliche Zeit ist, ist für die Menschen zur
       Hölle geworden.
       
       Die Not zwingt sie trotz der andauernden Gefechte auf die Straße. Ein zuvor
       vereinbarter [2][24-stündiger Waffenstillstand] wurde von keiner Seite
       eingehalten. Doch die Menschen müssen sich und ihre Familien mit Wasser und
       Lebensmitteln versorgen. „Wir brauchen Hilfe. Die Supermärkte sind fast
       leer, es gibt kein Wasser mehr“, berichtet ein Einwohner aus Ost-Khartum
       der taz. Humanitäre Hilfe ist dringend notwendig.
       
       Nicht nur auf der Straße sind die Menschen großer Gefahr ausgesetzt.
       Mitglieder der Paramiliz Rapid Support Forces (RSF) brechen Berichten
       zufolge in Häuser und Wohnungen in der Innenstadt ein. Die Wohnungen werden
       geplündert, Autos und Nahrungsmittel gestohlen, Bewohner:innen
       angegriffen oder aus ihren Häusern gejagt. Auch Gerüchte von
       Vergewaltigungen kursieren.
       
       ## Die gefährliche Flucht in umliegende Dörfer
       
       Dabei wird es zunehmend schwieriger, gesicherte Informationen über das
       Geschehen zu erhalten. Durch den tagelangen Stromausfall haben viele keine
       Möglichkeit mehr, zu kommunizieren. Viele Menschen gelten mittlerweile als
       vermisst. Die sozialen Medien sind voll mit Gesuchen nach verschwundenen
       Familienmitgliedern und Freund:innen. Die Verzweiflung wächst.Das drängt
       viele Bewohner:innen zur gefährlichen Flucht aus Karthum. Wer ein noch
       funktionierendes Auto hat, nimmt es. Auch Busse werden organisiert.
       
       Doch wer flieht, muss damit rechnen, in einem Gefecht zu landen oder von
       Soldaten der Konfliktparteien auf der Straße angehalten zu werden. Viele
       machen sich auf den Weg in umliegende Dörfer, insbesondere im angrenzenden
       Bundesstaat al-Dschazira. In der Stadt Wad Madani, wo es bisher noch nicht
       zu Kämpfen kam, bereitet man sich auf die Aufnahme Geflüchteter vor,
       erklärt ein Bewohner. Menschen öffnen ihre Häuser, organisieren
       Unterkünfte.
       
       Auch in der Hauptstadt leisten sich die Menschen gegenseitig Hilfe. „Sie
       bombardieren ein wenig wahllos hier“, sagt eine Einwohnerin der taz,
       „deshalb haben die Läden heute geschlossen. Aber es ist eine tolle
       Gemeinschaft, Leute versammeln sich unten auf dem Platz und verteilen
       Wasser.“ Wenn für kurze Zeit die Notfallgeneratoren eingeschaltet werden,
       laden die Menschen dort gemeinsam ihre technischen Geräte. Doch nur wenige
       Gebäude verfügen über einen Generator und auch der Diesel wird knapp. Wie
       lange der Zusammenhalt noch möglich ist, ist fraglich.
       
       Die Widerstandskomitees, lokale Graswurzelorganisationen, unterstützen ihre
       Nachbarschaften in der Verteilung von Wasser und Lebensmitteln, wo diese
       noch verfügbar sind. Zudem greifen sie auf [3][in der Revolution]
       etablierte Kommunikationsmittel zurück: Graffiti und Gesänge. Sie sprühen
       auf die Mauern der Stadt: „Nein zum Krieg“.
       
       Die Komitees haben viel Erfahrung in der Selbstorganisation und Logistik.
       Gemeinsam mit der sudanesischen Ärztevereinigung hatten sie während der
       Revolution ein ausgeklügeltes Netzwerk errichtet, das in Krisensituationen
       medizinische Versorgung garantiert. Doch nach fünf Tagen des erbitterten
       Kampfes fehlt es ihnen an notwendigen Betriebsmitteln.
       
       Zudem seien auch Krankenhäuser von Soldaten angegriffen worden, berichtet
       die Vereinigung. In einem Interview mit CNN berichtet eine Fachkraft
       darüber, wie ihr Krankenhaus aufgrund einer Bombardierung evakuiert werden
       musste. Sie seien gezwungen gewesen, Verwundete zurückzulassen, vor allem
       Patient:innen der Intensivstation. Das geschah bei mehreren
       Krankenhäusern. Wie viele Menschen tatsächlich bisher ihr Leben verloren
       haben, ist unter diesen Umständen nicht festzustellen.
       
       Die Hoffnung auf ein baldiges Ende der Kämpfe ist weitgehend erloschen. Man
       konzentriert sich nun darauf, sich gegenseitig über die schnellen
       Entwicklungen zu informieren und lebensnotwendige Bedürfnisse zu stillen.
       Und darum, nicht der zersetzenden Panik stattzugeben. Diese Aufgabe
       gestaltet sich stündlich schwieriger.
       
       19 Apr 2023
       
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       ## AUTOREN
       
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