# taz.de -- Frösche in Frankreich: Proteste gegen Schenkelklopfer
       
       > In Frankreich werden Froschschenkel gefeiert und tonnenweise verspeist.
       > Doch der Fang und die Verarbeitung der „Delikatesse“ sind problematisch.
       
 (IMG) Bild: Oje, gibt es heute Froschschenkel?
       
       Berlin taz | Das Städtchen Vittel in den französischen Vogesen ist
       hierzulande vor allem deshalb bekannt, weil Nestlé dort so viel
       Vittel-Wasser abpumpt, dass die Stadt selbst über eine [1][Pipeline] mit
       Trinkwasser versorgt werden sollte. Für Freund:innen der gehobenen Küche
       ist allerdings ein ganz anderes Spektakel in dem Ort relevant: Dort findet
       nämlich das jährliche „foire aux grenouilles“ statt, zu deutsch etwa
       „Rummel der Frösche“. 20.000 Besucher werden zur 49. Ausgabe des
       Froschfressens am Wochenende im Osten Frankreichs erwartet.
       
       Für Froschfamilien in Indonesien ist der Rummel kein Anlass zur Freude: Bis
       zu 350.000 der Tiere werden für das Fest verspeist. Etwa [2][74] Prozent
       der in die EU importierten Froschschenkel kommen aus Indonesien. Dort
       werden sie in Reisfeldern oder Tümpeln gefangen.
       
       Die EU ist der global größte Importeur von Froschschenkeln: 2019 wurden
       knapp [3][4.000 Tonnen] importiert, das entspricht je nach Größe 80 bis 200
       Millionen Fröschen, wie die Naturschutzverbände Pro Wildlife und Robin des
       Bois in ihrem [4][Report] „Deadly Dish“ bekannt geben. Ein Großteil davon
       landet auf französischen Tellern.
       
       Der Wildfang in Verbindung mit den massiven Exporten treibt die Dezimierung
       der indonesischen Froschbestände voran und hat manche Arten schon an den
       Rand der Ausrottung getrieben. So sind dort große Froscharten wie der
       asiatische Flussfrosch, der bis zu einem Kilo schwer werden kann, schon so
       weit verdrängt worden, dass nun kleinere Arten, wie der etwa halb so große
       südostasiatische Reisfrosch, gejagt werden.
       
       ## Französischer Appetit bedroht Frösche in aller Welt
       
       Ursprünglich wurden Frösche in den Gebieten gefangen, in denen sie auch
       gegessen wurden. Als klar wurde, dass die Dezimierung der Bestände
       Auswirkungen auf das Ökosystem hat und beispielsweise Insektenpopulationen
       ohne die glitschigen Fressfeinde explodierten, weitete Frankreich den
       Schutz von Fröschen aus.
       
       Die Lücke im Angebot wurde daraufhin durch Importe aus Indien und
       Bangladesch geschlossen. Bis dort dasselbe passierte und die Länder ihre
       Froscharten wiederum auf internationale Schutzlisten setzten.
       Naturschützer:innen hoffen nun darauf, dass Indonesien auf gleiche
       Weise reagiert. Und der europäische Markt dem nicht erneut ausweicht.
       
       Bis dahin sieht das millionenfache Schicksal der Amphibien in etwa so aus:
       Zunächst werden dem Tier ohne Betäubung und bei lebendigem Leibe die Beine
       abgetrennt. Um den Ansprüchen der „haute cuisine“ gerecht zu werden, wird
       dem abgetrennten Teil dann die Haut abgezogen und das restliche Tier
       sterbend entsorgt.
       
       Bei den „Festlichkeiten“ in Frankreich am kommenden Wochenende werden circa
       sieben Tonnen Froschschenkel verschlungen. Das lokale Vittel-Wasser dürfte
       sich dabei als hilfreich erweisen, damit nichts im Halse stecken bleibt.
       
       21 Apr 2023
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.deutschlandfunkkultur.de/streit-um-pipeline-wie-nestle-vittel-das-wasser-abgraebt-100.html
 (DIR) [2] https://natureconservation.pensoft.net/article/93868/element/4/455//
 (DIR) [3] https://natureconservation.pensoft.net/article/93868/element/4/455//
 (DIR) [4] https://www.prowildlife.de/wp-content/uploads/2022/06/DEADLY-DISH-frogs-legs-report.pdf
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Jannik Grimmbacher
       
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