# taz.de -- Teilverkauf von Heizungsbauer Viessmann: USA kaufen die Zukunft
       
       > Ein US-Unternehmen kauft den Heizungsbauer Viessmann – allerdings nur die
       > Wärmepumpensparte. Hat Deutschland eine vernünftige Förderpolitik
       > verpennt?
       
 (IMG) Bild: Ein Viessmann-Beschäftigter bei der Produktion von Wärmepumpen
       
       Deutschland ist vorne. Es ist ein Erfolg, dass die Amerikaner ein deutsches
       Geschäftsmodell kaufen und dafür einen hohen Preis bezahlen, weil wir super
       Produkte hervorbringen, die auf dem Weltmarkt große Chancen haben. So
       könnte man positiv bewerten, dass das [1][Heizungstechnik-Unternehmen
       Viessmann] mit Sitz in Allendorf, Nordhessen, größtenteils vom US-Konzern
       Carrier aus Florida, USA, übernommen werden soll.
       
       Die Amerikaner interessieren sich nicht für die Gaskessel, die Viessmann
       schon immer herstellt, sondern für das Geschäft mit stromgetriebenen
       Wärmepumpen, die den fossilen Heizungen in den kommenden Jahren
       möglicherweise den Rang ablaufen. Carrier kauft nicht die Vergangenheit,
       sondern die Zukunft. Es will in den Boom einsteigen, den die deutsche
       Technik weltweit verspricht. Ausgelöst wird diese Welle unter anderem durch
       das hiesige Gebäudeenergiegesetz und das europäische
       [2][Green-Deal-Programm]. Dafür ist Carrier bereit, zwölf Milliarden Euro
       an Viessmann zu überweisen – in der Hoffnung, diese bald wieder
       hereinzuholen.
       
       Ist das nicht ein beklagenswerter Ausverkauf deutscher Firmen, Technologie
       und Arbeitsplätze? Einerseits nein: Die USA sind nicht China, sondern ein
       befreundetes, marktwirtschaftlich und demokratisch strukturiertes Land.
       Deutschlands offene Volkswirtschaft profitiert von der Globalisierung:
       Bayer aus Leverkusen kauft Monsanto in den USA, Carrier kauft eben
       Viessmann.
       
       Andererseits kann man argumentieren: Die Bundesregierungen haben in den
       beiden vergangenen Jahrzehnten zu wenige Leitplanken für die notwendige
       Transformation gesetzt und zu wenig Förderung bereitgestellt, um die neuen
       Märkte zu entwickeln. Dafür müssen sich Union, SPD und besonders [3][FDP]
       rechtfertigen. Carrier will das Wärmepumpen-Business haben, nicht das
       Geschäft mit den Gasheizungen, das die Liberalen so toll finden. Anders
       gesagt: Mit FDP-Wirtschaftspolitik wäre Deutschland nicht vorne, sondern
       hinten.
       
       26 Apr 2023
       
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