# taz.de -- Schottlands SNP nach Sturgeons Rücktritt: SNP im Strudel der Skandale
       
       > Zur Amtsführung von Schottlands Ex-Regierungschefin Nicola Sturgeon
       > kommen weitere Unregelmäßigkeiten ans Licht.
       
 (IMG) Bild: Nicola Sturgeon und ihr Ehemann Peter Murrell vor einem Wahllokal in Glasgow im Dezember 2019
       
       London taz | Die Krise der SNP (Schottische Nationalpartei), die gemeinsam
       mit den Grünen die schottische Regionalregierung bildet, spitzt sich weiter
       zu. Schatzmeister Colin Beattie wurde am Dienstag von der Polizei
       festgenommen – die neueste in einer Serie innerparteilicher
       Erschütterungen. Nun scheint auch der im Februar noch überraschend
       erscheinende [1][Rücktritt der ehemaligen Ersten Ministerin Nicola
       Sturgeon] mehr Sinn zu ergeben.
       
       [2][Sturgeons Ehemann Peter Murrell], der lange SNP-Geschäftsführer war,
       musste bereits polizeiliche Fragen zu verschollenen umgerechnet 750.000
       Euro Spendengeldern beantworten. Die Gelder wurden der SNP zwischen 2017
       und 2020 für eine neue Unabhängigkeitskampagne gespendet und sind
       verschwunden. Sturgeons und Murrells gemeinsames Haus wurde mittlerweile
       polizeilich durchsucht, ebenso die SNP-Parteizentrale. Auf dem Gut von
       Murrells Mutter fand die Polizei ein luxuriöses Wohnmobil, das angeblich zu
       Wahlkampfzwecken mit Parteigeldern gekauft worden war und dort nun seit
       zwei Jahren herumstand.
       
       Im März war Murrell aufgrund von falschen Angaben zur Mitgliederzahl der
       SNP zurückgetreten: Es waren 72.186 Mitglieder, also 30.000 weniger als die
       zuvor bekannten Angaben. Letzte Woche wurde außerdem bekannt, dass die
       Rechnungsprüfer:innen der SNP im Oktober ihre Posten aufgaben.
       
       Laut Angaben von Beattie vor seiner polizeilichen Befragung steht die SNP
       aufgrund der niedrigeren als gemeldeten Mitgliederzahlen und des gesunkenen
       Spendeneinkommens vor einem finanziellen Fiasko. Bereits 2021 hatte Murrell
       der SNP umgerechnet 122.000 Euro geliehen, um sie liquide zu halten.
       
       ## Die Dominanz der SNP in Schottland bröckelt
       
       All das geschah in der Zeit, als das Ehepaar Sturgeon-Murrell die SNP und
       Schottland praktisch als Familienteam regierten. Manche fordern nun, dass
       Sturgeon, die eigentlich als Abgeordnete weiter im schottischen Parlaments
       sitzen will, nun auch von diesem Amt zurücktreten solle. Sie verweisen auf
       eine innerparteiliche Videokonferenz vom März 2021, in der sie Fragen zur
       Finanzlage der Partei abweist: Es gehe der SNP finanziell bestens,
       versicherte sie damals.
       
       Sturgeons Ruf als vertrauenswürdige Politikerin scheint ramponiert.
       Schottlands neuer Regierungschef [3][Humza Yousaf], der nach Sturgeons
       Abgang das Rennen um ihre Nachfolge nur knapp mit 52,1 Prozent der Stimmen
       der SNP-Mitglieder gewonnen hatte, bezieht sich immer weniger auf sie,
       während er im Wahlkampf noch als derjenige Kandidat aufgetreten war, der
       ihr am nächsten stand.
       
       Der erste muslimische Partei- und Regierungsführer Großbritanniens muss nun
       verhindern, dass es weitere Abgänge in die vom einstigen SNP-Führer Alex
       Salmond gegründete Alba-Partei gibt. Doch seiner einstigen Kontrahentin im
       Kampf um die Parteispitze, der konservativ-religiösen Kate Forbes, die die
       Partei vom liberal-progressiven Kurs wegsteuern wollte, bot Yousaf nur
       einen Kleinposten an, den sie nicht annahm. Jetzt könnte Forbes Yousafs
       Parteiführung vergiften. Bereits im Wahlkampf maulten die beiden sich
       öffentlich gegenseitig an.
       
       Eigentlich wollte Yousaf weiter einen klaren Kurs gegen die britische
       Regierung in London fahren. Nun aber steckt die SNP, die noch vor Monaten
       die schottische Unabhängigkeit herbeiführen wollte, in der tiefsten Krise
       seit 50 Jahren. Spätestens nächstes Jahr wird es in Großbritannien
       Parlamentswahlen geben. Labour, die Tories und die bisher relativ
       erfolglose Alba-Partei machen sich schon bereit, um die SNP-Dominanz in
       Schottland zu beenden.
       
       18 Apr 2023
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Schottlands-SNP-waehlt-neues-Oberhaupt/!5924243
 (DIR) [2] /Schottische-Nationalpartei/!5926819
 (DIR) [3] /Schottlands-SNP-waehlt-neues-Oberhaupt/!5924243
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Daniel Zylbersztajn-Lewandowski
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Unabhängigkeit Schottland
 (DIR) Schottland
 (DIR) Nicola Sturgeon
 (DIR) SNP
 (DIR) Parteispenden
 (DIR) Schottland
 (DIR) Großbritannien
 (DIR) Schottland
 (DIR) Schottland
 (DIR) SNP
 (DIR) Schottland
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Regierungskrise in Schottland: Der Abwahl zuvorgekommen
       
       Schottlands Ministerpräsident Yousaf tritt zurück. Er hatte durch das Aus
       der Koalition seiner SNP mit den Grünen keine Mehrheit mehr.
       
 (DIR) Nachwahlen in Schottland am Donnerstag: Bewährungsprobe für Labour
       
       Labour muss in Schottland Fuß fassen, um Großbritanniens nächste Wahlen zu
       gewinnen. In zwei Wahlkreisen kommt der Test gegen die SNP.
       
 (DIR) Schottlands Ex-Regierungschefin festgenommen: Sturgeon stolpert über Finanzen
       
       Schottlands ehemalige Regierungschefin Nicola Sturgeon ist festgenommen
       worden. Schon im März hatte sie ihr Amt niedergelegt.
       
 (DIR) Schottische Nationalpartei: Ermittlungen gegen Sturgeons Mann
       
       In Schottland ist der Ehemann der früheren Regierungschefin Nicola Sturgeon
       nach seiner Festnahme wieder auf freiem Fuß. Die Ermittlungen dauern an.
       
 (DIR) Neuer Chef von schottischer Regierungspartei: Von Punjab nach Edinburgh
       
       Gesundheitsminister Humza Yousaf ist neuer SNP-Vorsitzender. Der 37-Jährige
       wird erster nicht-weißer First Minister Schottlands.
       
 (DIR) Schottlands SNP wählt neues Oberhaupt: Sturgeon hinterlässt ein Loch
       
       Am Montag wird das Ergebnis der Urabstimmung bekannt, wer Nicola Sturgeon
       an der Spitze von Partei und Regierung nachfolgt. Kein Kandidat kommt ihr
       gleich.