# taz.de -- Serie „My different ways“: Hummer in der Badewanne
       
       > Die Buchadaption „My different ways“ stellt die richtigen Fragen über
       > Liebe, Freundschaft und Familie. Beschriftete Kartons bleiben dabei
       > geschlossen.
       
 (IMG) Bild: Bei dem mysteriösen Hummer handelt es sich um Emma
       
       Die Neue in der ZDF-Mediathek ist eine wahre Entdeckung: [1][„My different
       ways]“ heißt die dänische Dramaserie aus dem Jahr 2020, in der eigentlich
       nicht viel passiert (und das sind doch meist die besten Serien, oder?), die
       aber trotzdem unvergesslich bleibt.
       
       Vitus (herzzerreißend: Mads Reuther) hat einen sehr seltenen Namen und eine
       große Orientierungslosigkeit. Nichts klappt, alle sind erfolgreicher,
       wohlhabender, sozial kompetenter als er. Emma (hinreißend: Kristine Kujath
       Thorp) hat einen sehr gewöhnlichen Namen und liegt als Hummer verkleidet in
       einer Badewanne, als sie Vitus kennenlernt. Die Nahaufnahmen von
       sommersprossigen Gesichtern, unsicheren Seitenblicken und schiefen Lächeln
       und die Darstellung eines Gefühls von Unzugehörigkeit und Fremdsein
       gegenüber dem eigenen Umfeld und, noch schlimmer, dem eigenen Leben,
       gelingen Regisseur Mads Mengel künstlerisch.
       
       Die ersten Minuten ziehen in ihren Bann wie ein großer Gegenwartsroman und
       lassen leise lächeln über die Vorstellung, sechs Mal zwanzig Minuten in ihm
       verbringen zu können. „My different ways“, basierend auf der Romanvorlage
       „Die allerbeste Zeit meines Lebens“ des Dänen Sigurd Hartkorn Plaetner, ist
       eine Buchadaption, wie sie sein soll: Bilder einer großen Liebe mit
       unsicherem Ende gehen nahe, ohne sich aufzudrängen oder die eigenen leisen
       Fragen an die Figuren nur kurz in den Mund zu nehmen und dann gekaut wieder
       auszuspucken.
       
       Die Fragen, die gestellt werden, funktionieren überall und für jeden: Wann
       ist es Liebe? Wer ist Familie? Sind Hummer nun unsterblich oder nicht?
       „Bevor ich dich kannte, hatte ich nur einen Freund“, sagt Vitus zu Emma.
       
       „My different ways“ macht keine beschrifteten Kartons auf: Freundschaft
       wird zu Liebe und andersherum, Familie verschwimmt und setzt sich neu
       zusammen, Leben entsteht und Leben endet – vielleicht. Vielleicht gibt es
       sie aber doch, die Unsterblichkeit.
       
       „My different ways“, 6 Folgen, [2][in der ZDF-Mediathek]
       
       4 Mar 2023
       
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       ## AUTOREN
       
 (DIR) Marie-Sofia Trautmann
       
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