# taz.de -- Aufruf von Wagenknecht und Schwarzer: Ruiniertes Lebenswerk
       
       > Sahra Wagenknecht und Alice Schwarzer haben ein „Manifest für den
       > Frieden“ veröffentlicht. Sie entblößen sich damit als amoralisch.
       
 (IMG) Bild: Enthüllt sie sich mit dem Manifest als Antifeministin? Alice Schwarzer
       
       Sie nennen es „[1][Manifest für den Frieden]“, diese beiden Frauen, und es
       handelt sich um exakt das Gegenteil: Es muss, aus jeder vernünftigen linken
       und emanzipatorischen Logik heraus, als „Manifest für die Unterwerfung“
       bezeichnet werden, was die beiden [2][Initiatorinnen Sahra Wagenknecht und
       Alice Schwarzer] lanciert haben. Sich der Politik Wladimir Putins untertan
       machen, sagen sie mit Blick auf die militärisch gerade durch russische
       Militärs seit knapp einem Jahr [3][in Verheerung gebrachte Ukraine].
       
       Dieser Aufruf ist so empörend falsch, weil er die Angegriffenen obszön
       moralisch ins Unrecht stellt – und obendrein ihre westlichen Freund*innen,
       die Staaten der Nato etwa. Sei’s drum: Es ist nicht die erste
       Positionierung der beiden und ihrer Schar an Bagatellisierer*innen
       der Putin’schen Aggression, und ihr Wirken ist selbstverständlich durch das
       hohe Gut der Meinungsfreiheit gedeckt. Sie alle stellen sich offenbar den
       Krieg des Goliaths gegen David eher wie eine aus dem Ruder geratene
       Rauferei vor – da muss dann eben ein Stuhlkreis her. Das darf, das muss man
       als politobszön verstehen, denn nirgendwo ist Putin der Adressat, sondern
       jene, die der Ukraine mit Waffenlieferungen helfen wollen – zur
       Selbsthilfe.
       
       Es sind trist stimmende Namen, die Wagenknecht und Schwarzer folgen:
       Käßmann, Sonneborn, Butterwegge, aber sie hatten in puncto „noch ganz bei
       Trost“ schon zuvor nicht mehr alles beisammen. Was verstört, ist vielmehr,
       dass alles, was an Wagenknechts Kritik an ihrer Partei noch halbwegs
       triftig war, nichtig gemacht wurde.
       
       Und, gravierender noch, dass Alice Schwarzer, die ihren Neiderinnen zum
       Trotz ein Lebenswerk stärkster Kraft gebastelt hat, sich durch diese
       Interventionen als Antifeministin enthüllt: Spricht das „Manifest“ davon,
       „Frauen wurden vergewaltigt“, spricht [4][es nicht über die Täter], auch
       nicht Putin. Man mag sich kaum vorstellen, wie beide etwa 1943 über den
       Aufstand im nazieingehegten Ghetto von Warschau formuliert hätten.
       Amoralisch sie alle, nichts anderes.
       
       12 Feb 2023
       
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 (DIR) [1] https://www.aliceschwarzer.de/thema/manifest-fuer-frieden-340049
 (DIR) [2] /Petition-von-Wagenknecht-und-Schwarzer/!5915002
 (DIR) [3] /Gespraech-mit-ukrainischem-Justizminister/!5897201
 (DIR) [4] /Anwaeltin-ueber-sexualisierte-Gewalt/!5859188
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Jan Feddersen
       
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