# taz.de -- Joe Bidens Rede zur Nation: Agiler als erwartet
       
       > Der US-Präsident wurde für sein hohes Alter oft belächelt. In seiner
       > jüngsten Rede ließ er sich davon nicht beeindrucken und nutzte es gar als
       > Stärke.
       
 (IMG) Bild: Nutzt seine bisher größte Schwäche nun als Stärke: der 80-jährige US-Präsident Joe Biden
       
       Joe Biden hat überrascht. Die jährliche Rede zur Lage der Nation, noch
       [1][im vergangenen Jahr] eine leere Veranstaltung, wusste er diesmal zu
       nutzen. Da sprach ein Präsident, der in Körpersprache, Rhetorik und
       Schlagfertigkeit nichts mit dem uralten Mann gemein hatte, der in den
       vergangenen Monaten oft in einem Zustand vor die Presse getreten war, dass
       Anhänger*innen voller Sorge waren, ob er den Auftritt unfallfrei
       überstehen würde.
       
       In den ersten Monaten von 2023 werde er verkünden, ob er für eine
       [2][zweite Amtszeit] kandidieren wolle, hatte Biden gesagt. Nach dieser
       Rede kann es keinen Zweifel mehr geben: Er will, aller schlechten
       Umfragewerte zum Trotz, nach denen selbst eine Mehrheit der
       Demokrat*innen sich einen Generationswechsel an der Spitze wünscht,
       weil sie nicht glaubt, dass ein im Falle der Wiederwahl 82-Jähriger die
       richtige Besetzung ist.
       
       Neue inhaltliche Vorschläge hat Biden nicht unterbreitet. Er zählte seine
       Erfolge auf: Pandemie überwunden, Demokratie trotz Sturm aufs Kapitol
       gefestigt, Inflation auf dem Rückgang, Arbeitslosigkeit auf einem
       Niedrigstand, und die Effekte der bereits verabschiedeten
       Investitionspakete kommen erst noch. Wichtigste Message: Wir müssen da
       weitermachen, und dazu muss ich Präsident bleiben.
       
       Auffällig war die Hinwendung zu einem Trump-Thema: America First, auch wenn
       Biden das nicht so benannte. Aber seine Ankündigung, Infrastrukturprojekte
       ausschließlich mit in den USA gefertigten Produkten voranbringen zu wollen,
       klang nach dem Mantra seines Vorgängers. Womöglich ein kluger Schachzug –
       könnte er doch dazu beitragen, wirtschaftliche Sorgen der zu Trump
       abgewanderten Working Class wieder vom Kulturkampf des republikanischen
       Mainstreams zu entkoppeln.
       
       Biden hat es verstanden, sein Alter diesmal für sich zu nutzen. Der
       souveräne, bisweilen ironische, aber doch scharfe Ton, mit dem er die
       Republikaner*innen im Kongress und ihre neue Mehrheit im
       Repräsentantenhaus anging, strahlten aus: Hier weiß einer, wie es läuft, er
       hat einen Plan und keine Angst.
       
       8 Feb 2023
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Joe-Bidens-Jahresansprache/!5835472
 (DIR) [2] /US-Praesident-Biden-will-zweite-Amtszeit/!5889301
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Bernd Pickert
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Joe Biden
 (DIR) USA
 (DIR) US-Präsident
 (DIR) Donald Trump
 (DIR) Joe Biden
 (DIR) Joe Biden
 (DIR) USA
 (DIR) Mexiko
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Joe Biden stellt US-Haushaltsentwurf vor: 6,8 Billionen Versprechen
       
       US-Präsident Joe Biden stellt einen Jahreshaushalt mit deutlich besseren
       Sozialleistungen vor. Der wird nicht durchgehen – aber 2024 sind Wahlen.
       
 (DIR) Joe Bidens Rede zur Lage der Nation: Biden über Biden: weiter so!
       
       Ein klarer Fokus auf die Innenpolitik und ein Vorgeschmack auf den nächsten
       Wahlkampf: US-Präsident hielt seine zweite Jahresansprache zur Lage der
       Nation
       
 (DIR) Geheimunterlagen in den USA: Weiterer Fund in Bidens Privathaus
       
       Fünf Blätter klingen wenig. Doch dass das Weiße Haus einen weiteren heiklen
       Dokumentenfund beim Präsidenten einräumen muss, setzt Biden unter Druck.
       
 (DIR) US-Präsident in Mexiko: Bidens Balanceakt
       
       Es wurde Zeit, dass ein US-Präsident wieder Mexiko besucht. Die USA sollten
       sich eingestehen, dass sie auf Migration aus dem Süden angewiesen sind.