# taz.de -- ARD-Serie „Asbest“ über Fußball: Knast und Kitsch
       
       > Kida Khodr Ramadans ARD-Serie „Asbest“ erzählt die Geschichte eines
       > Protagonisten, der gerne Fußballstar werden möchte. Dabei fehlt es an
       > Originalität.
       
 (IMG) Bild: Momo Kaval in „Asbest“
       
       Er wollte nie ein Gangster sein, sagt Momo Kaval (Xidir Koder Alian),
       Protagonist der ARD-Serie „Asbest“ – und wird dann eben doch einer. Dieser
       Satz fasst die Geschichte der neuen Serie von Schauspieler und Regisseur
       Kida Khodr Ramadan („4 Blocks“) gut zusammen.
       
       Denn eigentlich träumt Momo von einer [1][Fußballkarriere]. Er will raus
       aus Berlin-Neukölln und Geld verdienen, auch für seine Mutter. Aber die
       Großfamilie kommt ihm in die Quere, die ihm ein Verbrechen in die Schuhe
       schiebt. So landet der ahnungslose Momo im Knast. Dieser Ort wird zu einer
       Bühne für eine Geschichte von Hoffnungslosigkeit und von Familienbanden,
       denen man nur schwer entfliehen kann.
       
       Als Inspiration diente das Buch „Fairplay mit Mördern“ von Gerhard Mewes in
       der er von seiner Erfahrung als Fußballtrainer im Hamburger Gefängnis Santa
       Fu erzählt. Der Fußball, der den Rahmen für die Serie setzen soll, verliert
       sich leider im Verlauf der Serie. In der Fußballmannschaft der JVA findet
       Momo Halt und Ablenkung. Vielmehr wird aber auch nicht erzählt.
       
       Spielt eine Mannschaft aus Schwerstverbrechern anders Fußball? Welche
       sportlichen Ziele können erreicht werden an einem abgeschlossenen Ort? Ist
       Fußball eine Resozialisierungmaßnahme oder einfach nur Ablenkung an einem
       eintönigen Ort? Statt diese Fragen zu beleuchten, setzt „Asbest“ auf
       altbekannten [2][Gangster-Clan]-Kitsch: dort der aggressive Araberclan, da
       der korrupte Ermittler und Justizbeamte.
       
       Gleich am ersten Wochenende nach Erscheinen erreichte die Serie fast 3
       Millionen Abrufe in der Mediathek. Verantwortlich für diesen Erfolg ist
       sicherlich das Who-is-ho an Schauspieler:innen, die Ramadan ausgewählt
       hat: Jasmin Tabatabei, David Kross, Uwe Preuß, Frederik Lau, Claudia
       Michelsen, Wotan Wilke Möring, Rapper Veysel. Der Cast kann am Ende nur
       bedingt über die fehlende Originalität der Geschichte hinwegtäuschen.
       
       29 Jan 2023
       
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