# taz.de -- Deutsche Katar-Politik: Wie eine Fata Morgana in der Wüste
       
       > Alles sollte wertegeleitet sein, der Fußball, die Fortbewegung, das
       > Essen. Aber gibt es so etwas wie eine wertegeleitete
       > Rüstungsexportpolitik?
       
 (IMG) Bild: DFB-Präsident Neuendorf und Innenministerin Faeser beim Spiel der DFB-Elf gegen Japan
       
       Vielleicht liege ich ja falsch, aber bei mir ist der Eindruck entstanden,
       durch die Fußball-WM habe die deutsche Öffentlichkeit zum ersten Mal
       [1][Kontakt zu den Katarern gehabt]. Vorher war da offensichtlich nichts,
       zumindest nichts von Belang. Das ganz große Katar-Thema ist aufgeploppt wie
       eine Fata Morgana in der Wüste, was für die unendliche Kraft des Fußballs
       spricht. Da reichen die Wirtschaft, die Politik, die Kultur, andere
       Sportarten schon gar nicht heran, nicht mal ansatzweise. Aus dem
       Kontaktschulddilemma kommt jetzt kein fernreisender Europäer mehr heraus.
       Es sei denn, er mengt seinem Treiben das schöne Attribut „wertegeleitet“
       bei. Das funktioniert in allen Bereichen.
       
       Alles sollte wertegeleitet sein, der Fußball natürlich, das Schreiben, die
       Fortbewegung und das Essen. Wobei: Gibt es so etwas wie eine, nun ja,
       wertegeleitete Rüstungsexportpolitik? Ich frage nur, weil ich mir neulich,
       warum auch immer, die Rüstungsexportberichte der Bundesregierung in den
       vergangenen zehn Jahren vorgenommen habe. Darin ist Katar eine feste Größe,
       nicht etwa die große Unbekannte, wie man ob der Katarisierung der Debatte
       im Jahr 2022 glauben könnte.
       
       ## Unsere Werte verteidigen
       
       Vor ziemlich genau neun Jahren war es die Bundesregierung von CDU/CSU und
       SPD, die mit Katar, wie die Zeit damals schrieb, den „größten Waffendeal
       der jüngeren deutschen Geschichte“ abschloss. Die Summe: 1,9 Milliarden
       Euro. Im Jahr 2015 lief der Export dann ganz groß an: Kampfpanzer,
       Panzerhaubitzen, gepanzerte Fahrzeuge, Lkw, Geländefahrzeuge, Anhänger,
       Antennenmasten, Geländewagen mit Sonderschutz und Teile für gepanzerte
       Fahrzeuge wurden an den Golf geliefert. Wert: über 1,6 Milliarden. In den
       Folgejahren wurden kleinere Posten geliefert.
       
       Interessant ist dabei, dass die SPD den Deal mit abnickte, jene SPD, die
       nun in Katar das Gesicht des Protestes ist. [2][SPD-Innenministerin Nancy
       Faeser], auch zuständig für die Belange des Sports, trug in einem Stadion
       von Doha die „One Love“-Armbinde gegen Homophobie und für Vielfalt. Und der
       Fußballchef des DFB, der so engagiert auftritt wie ein skandinavischer
       Menschenrechtsbeauftragter, ist auch SPDler. Bernd Neuendorf war
       Landesgeschäftsführer der SPD in NRW, und von 2012 bis 2017 war der
       ehemalige Journalist Staatssekretär im Ministerium für Familie, Kultur und
       Sport des Landes.
       
       Offenbar werden unsere Werte auch am Golf verteidigt. Nur eben anders, als
       wir bisher dachten.
       
       30 Nov 2022
       
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