# taz.de -- Ex-Nationaltrainer hat Krach mit Iran: Weltbürger und Volkskultur
       
       > Jürgen Klinsmann behauptet, Reklamieren sei Teil der persischen Kultur.
       > Nun lädt Irans Fußballverband ihn ein. Daran ist Klinsmann selbst schuld.
       
 (IMG) Bild: Philosophiert über volkskulturelle Besonderheiten: Jürgen Klinsmann
       
       Nur aufs „Ha Ho He, euer Jürgen“ hat Jürgen Klinsmann verzichtet, aber
       sonst war der Ex-Bundestrainer recht locker unterwegs. In der BBC hat er
       als Experte die Spielweise des Iran beim [1][2:0-Sieg] über Wales
       kritisiert. Nämlich: „Es ist Teil ihrer Kultur und wie sie spielen, sie
       haben den Schiedsrichter perfekt bearbeitet. Die Bank sprang ständig auf
       und beschwerte sich. Sie liegen einem die ganze Zeit im Ohr.“
       Zusammengefasst: „Das ist ihre Kultur. Sie bringen dich dazu, die
       Konzentration zu verlieren.“
       
       Nun könnte man zwar vermuten, dass die Sportführung des Iran aktuell andere
       Sorgen hat als das volkskundlerische Schwadronieren eines
       Ex-Fußballtrainers, aber der Iran hat protestiert. Der nationale
       Fußballverband fordert Klinsmanns Rücktritt aus der Technischen
       Studiengruppe der Fifa. Auch Irans Nationaltrainer, Carlos Queiroz aus
       Portugal, kritisiert Klinsmann scharf.
       
       Nun rudert Klinsmann zurück. Zumindest macht er das, was er vermutlich
       unter Zurückrudern versteht. „Ich habe nie Carlos oder die iranische Bank
       kritisiert“, sagte er, wiederum in der BBC. „Alles, was ich beschrieben
       habe, war ihre emotionale Art und Weise, die irgendwo bewundernswert ist.“
       
       Irritierend ist, dass in Zeiten, in denen sich das Gros der iranischen
       Nationalspieler den revolutionären [2][Protesten] in ihrer Heimat
       anschließt, der Fußballweltbürger Klinsmann (Deutschland, Italien,
       Frankreich, England, USA, Hertha BSC) über angebliche volkskulturelle
       Besonderheiten philosophiert, die er, sobald man ihn dafür kritisiert,
       gleich glaubt loben zu müssen.
       
       Wohin das Geschwätz von der persischen Kultur, die sich im Fußballspiel
       durch ständiges Reklamieren zeige, eher hingehört, sollte Klinsmann
       vielleicht an einer Besonderheit bemerken. Die Sportführung der Islamischen
       Republik lädt ihn zu einem Vortrag „über die tausendjährige persische
       Kultur und die Werte von Fußball und Sport“ ins iranische Trainingslager
       ein. Das hat er nun davon.
       
       27 Nov 2022
       
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