# taz.de -- Tarifabschluss der IG Metall: Gesichtswahrend dank Scholz
       
       > Der neue Tarifvertrag ist für die Gewerkschaft ein guter Kompromiss und
       > für die Arbeitgeber verkraftbar – dank der steuerfreien Einmalprämie.
       
 (IMG) Bild: Haben gut was erreicht: IG-Metaller bei einer Kundgebung in Ludwigshafen am 16. November
       
       In prekären Zeiten wie diesen haben es selbst arbeitskampffähige
       Gewerkschaften nicht leicht, das Bestmögliche für die Beschäftigten
       herauszuholen. Das zeigt beispielhaft der gerade beendete Tarifkonflikt in
       der Metall- und Elektroindustrie. Einerseits verlangen die stark
       gestiegenen Lebenshaltungskosten nach einer schnellen, spürbaren und
       deutlichen Entlastung der Beschäftigten. Andererseits befinden sich viele
       Unternehmen in einer höchst unsicheren ökonomischen Situation. Das engt den
       Spielraum für Arbeitskämpfe stark ein.
       
       Rund 900.000 von insgesamt 3,8 Millionen Beschäftigten hat die IG Metall in
       den vergangenen Wochen in Warnstreiks geschickt. Das war zwar ein starkes
       Zeichen. Gleichzeitig hat die größte deutsche Einzelgewerkschaft aber alles
       darangesetzt, zu einer Verständigung am Verhandlungstisch zu kommen, also
       einen unbefristeten Streik zu vermeiden. [1][Der jetzt in Baden-Württemberg
       gefundene Kompromiss] zeugt von ihrem großen Verantwortungsbewusstsein,
       keine Arbeitsplätze zu gefährden.
       
       Auch wenn es auf den ersten Blick etwas merkwürdig klingen mag: Wie schon
       die Tarifeinigung in der Chemieindustrie ist auch der Pilottarifabschluss
       in der Metall- und Elektroindustrie ein Erfolg für Olaf Scholz. Denn dass
       die beiden größten Tarifkonflikte in diesem Jahr mit Abschlüssen beendet
       werden konnten, die für die Gewerkschaften gesichtswahrend sind und für die
       Arbeitgeber ökonomisch verkraftbar erscheinen, verdankt sich nicht zuletzt
       der Initiative des sozialdemokratischen Kanzlers, [2][Sonderzahlungen von
       bis zu 3.000 Euro steuer- und abgabenfrei] zu stellen.
       
       Diese „Inflationsausgleichsprämie“ hat Tarifverträge möglich gemacht, die
       trotz bescheidener prozentualer Lohnsteigerung den krisenbedingten
       finanziellen Druck auf die Beschäftigten zumindest für die beiden kommenden
       Jahre spürbar eingrenzen. Auch wenn Einmalzahlungen generell kein Ersatz
       für Lohnerhöhungen sein können, die sich dauerhaft positiv auf die
       Gehaltsentwicklung auswirken, helfen sie doch in der gegenwärtigen
       Situation allen ungemein.
       
       21 Nov 2022
       
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