# taz.de -- Awareness-Team der Frankfurter Buchmesse: Zuständig für verbale Übergriffe
       
       > Auf der Frankfurter Buchmesse gibt es dieses Jahr zum ersten Mal ein
       > „Awareness-Team“. Es ist auch eine Reaktion auf die Präsenz rechter
       > Verlage.
       
 (IMG) Bild: Damit es auf der Buchmesse wirklich entspannt zugeht, hilft das „Awareness-Team“ (nicht im Bild)
       
       Frankfurt am Main taz | In leuchtend gelbe Warnwesten gekleidet schreiten
       zwei junge Frauen schnellen Schrittes über das Außengelände der Buchmesse.
       „Awareness Team Frankfurter Buchmesse“ steht auf ihren Westen. Spricht man
       sie auf ihre Funktion an, antworten sie, dass sie zwar zum Glück nicht
       ständig frequentiert würden, es aber schon einige Anfragen und Beschwerden
       gegeben habe.
       
       „Wir sind vor allem für verbale Übergriffe zuständig, für physische
       Bedrohungen gibt es ja den Sicherheitsdienst“, sagt eine der beiden später
       in einem Pressegespräch, und ihre Kollegin ergänzt: „Viele sind froh, dass
       jetzt eine solche Ansprechstruktur existiert.“
       
       Erstmals ist ein solches Awareness-Team in diesem Jahr während der
       Buchmesse im Einsatz. Es besteht aus drei Mitarbeitenden des Bundes für
       Antidiskriminierungs- und Bildungsarbeit e. V. (BDB), die anonym bleiben
       wollen. Fühlt sich jemand beim Messebesuch diskriminiert oder belästigt,
       kann er sich an diese Stelle wenden, in Halle 4 hat der BDB einen Stand.
       Aus Clubs kennt man diese Awareness-Teams bereits – dort geht es aber
       häufig auch um sexuelle und körperliche Übergriffe.
       
       Im vergangenen Jahr hatte die [1][Aktivistin und Autorin Jasmina Kuhnke die
       Buchmesse boykottiert], weil sie sich als schwarze Autorin dort nicht
       sicher fühlen würde. Rechtsextreme Verlage wie der Jungeuropa Verlag hatten
       2021 Stände bei der Messe. Auch in diesem Jahr sind mit der Jungen
       Freiheit, dem Gerhard-Hess-Verlag und dem österreichischen Karolinger
       Verlag rechtsgerichtete Verlage in Frankfurt am Main zu Gast, Kuhnke und
       einige andere Aktivist:innen bleiben der Messe deshalb erneut fern.
       
       ## Kritik an Buchmesse-Direktor Jürgen Boos
       
       Mirrianne Mahn, Grünen-Stadtverordnete in Frankfurt, fordert gar den
       Rücktritt des Buchmesse-Direktors Jürgen Boos, weil er die Präsenz der
       rechten Verlage zuließe. Da kann man schon fragen, ob es auch eine Nummer
       kleiner geht – schließlich ringt die Buchmessen-Leitung um den richtigen
       Umgang mit dem Problem und stellt sich offensiv dem Diskurs.
       
       In der aktiven Arbeit während der Messe ist das Awareness-Team vor allem
       für die Beratung und Begleitung von Menschen da, die von Diskriminierung
       betroffen sind. Wie viele Vorfälle es bisher gegeben hat, wollen sie nicht
       sagen, auch über Details möchten sie nicht sprechen. Aufgesucht worden
       seien sie bislang wegen eines Falls von sexueller Belästigung, zudem habe
       es eine verbale rassistische Attacke gegeben.
       
       „Uns geht es aber auch um Zugänglichkeit“, erklärt der dritte im
       Awareness-Bunde, „wir sind zum Beispiel auch zuständig, wenn es um die
       Barrierefreiheit des Gebäudes geht.“ Wie ihre Präsenz aufgenommen wurde?
       „Viele sind neugierig und wollen wissen, was wir machen“, erzählt eine der
       Frauen.
       
       Auch die Security-Dienste und die Polizei sind auffällig präsent auf dem
       Messegelände. Sicherheit, so betont Kathrin Grün, Pressesprecherin der
       Frankfurter Buchmesse, sei jedes Jahr ein großes Thema. So müssten sie den
       Schutz der prominenten Gäste gewährleisten, in diesem Jahr wird etwa Olena
       Selenska, Ehefrau des ukrainischen Staatschefs, zu Gast sein. Daneben gilt
       es zum Beispiel russische Menschenrechtler:innen zu schützen.
       
       Am Stand der [2][Jungen Freiheit, wo es schon mal zu physischen Attacken
       auf linke Protestierende] kam, ist es bis dato ruhig, am Freitagmorgen
       verirren sich nur ein paar gescheitelte, steife Jungs in schlecht sitzenden
       Anzügen dort. Bei der Jungen Freiheit sieht man durch ein Awareness-Team
       auf der Messe natürlich gleich die Meinungsfreiheit eingeschränkt und die
       Messe einem Wokeness-Diktat unterworfen, wie ein Banner suggeriert
       („Willkommen im safe space für freie Meinung“). Absurder wird es hier, in
       der rechten Ecke der Halle 4, nicht mehr.
       
       22 Oct 2022
       
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