# taz.de -- Zahlungen an Entwicklungsländer: Frisierte Klimahilfen
       
       > Die Industriestaaten unterstützen arme Länder viel weniger beim
       > Klimaschutz als sie behaupten, sagt Oxfam. Besonders problematisch seien
       > Kredite.
       
 (IMG) Bild: Aktivisten zeigen in Glasgow den Industriestaaten: „Wir beobachten euch“ – das ist auch nötig
       
       Berlin epd | Die Klimahilfen für arme Länder fallen nach Recherchen von
       Oxfam deutlich niedriger aus als auf dem Papier gemeldet. Bei den
       offiziellen Zahlen der Geberländer würden auch weniger treffende Programme
       angerechnet und Kredite zu hoch gewertet, kritisiert die Nothilfe- und
       Entwicklungsorganisation in einer am Mittwoch veröffentlichten Analyse.
       Demnach könnte die tatsächliche Unterstützungsleistung etwa zwei Drittel
       unter den offiziell berichteten Zahlen der Geberländer liegen.
       
       Den tatsächlichen Wert der Unterstützung seitens der Industrieländer im
       Jahr 2020 schätzt Oxfam auf 21 bis 24,5 Milliarden US-Dollar. Die
       Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) habe
       im Juli hingegen auf Basis der Angaben der Geberländer berichtet, dass die
       Industrieländer rund 83,3 Milliarden Dollar bereitgestellt oder mobilisiert
       hätten, davon rund 68,3 Milliarden an öffentlichen Geldern, erklärte Oxfam.
       
       Selbst mit den offiziellen Zahlen hätten die Geberländer ihr zwölf Jahre
       altes Ziel nicht erreicht, die Klima-Hilfen bis 2020 auf jährlich 100
       Milliarden US-Dollar zu steigern, kritisiert die Hilfsorganisation. Hinzu
       komme, dass eine großzügige Anrechnungspraxis für die Klimahilfen auf dem
       Papier zu beeindruckenden Zahlen führe, „die mit der tatsächlichen
       Unterstützungsleistung nur wenig zu tun haben“, erklärte
       Klimapolitik-Referent Jan Kowalzig. Für die UN-Klimakonferenz COP27 im
       November in Ägypten fordert Oxfam deutlich höhere Zusagen der
       Industrieländer.
       
       In der [1][Analyse „Climate Finance Short-Changed“] werden laut Oxfam zwei
       Faktoren ausgemacht, die zu einer Überwertung der geleisteten Klimahilfen
       führten: Zum einen würden auch solche Programme großzügig angerechnet,
       deren Klima-Fokus eher gering ausgeprägt sei. Zum anderen würden
       beispielsweise Kredite nach ihrem Nennwert und nicht nach ihrem Mehrwert
       angerechnet, der sich für ein Empfängerland ergebe.
       
       Die Organisation kritisierte, dass rund 70 Prozent der bereitgestellten
       Mittel in Form von Darlehen bei den Empfängerländern ankämen. So müssten
       die einkommensschwachen Länder für die Programme selbst aufkommen, wenn sie
       die Kredite abbezahlten – obwohl sie oft kaum oder gar nicht zur Klimakrise
       beigetragen hätten.
       
       19 Oct 2022
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.oxfam.de/system/files/documents/bn-climate-finance-short-changed-191022-en_embargoed.pdf
       
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