# taz.de -- Geländegewinn der ukrainischen Armee: Jetzt nicht nachlassen
       
       > Nicht zuletzt wegen der steigenden Lebenshaltungskosten droht die
       > Solidarität mit der Ukraine Risse zu bekommen. Weniger Unterstützung wäre
       > fatal.
       
 (IMG) Bild: Ukrainische Soldaten an der Frontlinie bei Charkiw Ende August
       
       Bei Erfolgsmeldungen zum Kriegsgeschehen in der Ukraine, von welcher Seite
       auch immer, ist per se eine gute Portion Skepsis angebracht. Dennoch
       scheint sich in dieser Woche eine Entwicklung fortzusetzen, die seit Ende
       August zu beobachten ist. Ukrainische Truppen halten nicht nur ihre
       Stellungen, sondern machen Boden gut. Mit ihrer Gegenoffensive erzielen sie
       angeblich Geländegewinne im Süden, aber auch im Osten des Landes.
       
       Im Großraum Charkiw sollen mehr als 20 Dörfer zurückerobert worden sein,
       was Moskau mit der Entsendung von gepanzerten Fahrzeugen und Kanonen
       beantworten will. Ansonsten jedoch ist von nennenswerten Versuchen
       russischer Soldaten, dem [1][Vormarsch der Ukrainer] etwas
       entgegenzusetzen, bislang nichts überliefert. Vielmehr sind die „Befreier“
       in der Defensive und schaffen es, wie bei Charkiw, gerade noch, Verletzte
       und militärisches Gerät abzutransportieren.
       
       Sollten sich diese „Fakten“ als belastbar erweisen, wäre das für Präsident
       Wolodimir Selenski und seine Regierung von großer Bedeutung: Einerseits
       dürfte der Widerstandsgeist der Ukrainer*innen erneut befeuert werden.
       Denn vor allem sie zahlen seit fast sieben Monaten einen immensen Preis.
       Anderseits wäre das auch ein klares Signal an die westlichen Staaten, mit
       ihrer Hilfe nicht nachzulassen, nach dem Motto: Seht her, wir sind in der
       Lage, das Blatt in diesem Krieg zu unseren Gunsten zu wenden.
       
       Die Unterstützer*innen zu adressieren, scheint notwendiger denn je.
       Denn hier wächst nicht nur die Kriegsmüdigkeit, sondern vor allem auch die
       Angst vor sozialen Verwerfungen infolge einer Energiekrise und
       explodierender Preise. Zudem sind [2][die üblichen Verdächtigen in Sachen
       Waffenlieferungen], wie beispielsweise Berlin, nach wie vor nicht in
       Geberlaune. Und Russland? Nichts Genaues weiß man nicht, nur soviel: Die
       Eroberung des gesamten Donbass, erklärtes Minimalziel von Wladimir Putin,
       lässt auf sich warten.
       
       Die angekündigten Referenden in den besetzten Gebieten im Süden der Ukraine
       sind auf unbestimmte Zeit vertagt. Bei einem [3][Wirtschaftsforum in
       Wladiwostok] sagte Putin, Russland habe nichts verloren. Tatsächlich? Dem
       Kremlchef gehen nicht nur die Soldaten aus. Auch in der Gesellschaft regt
       sich immer mehr Unmut ob der „Spezialoperation“. Sieben Abgeordnete einer
       Bezirksverwaltung in St. Petersburg sollen wegen „Diskreditierung der
       Armee“ belangt werden.
       
       Sie wollen der Duma den Vorschlag unterbreiten, [4][Putin wegen
       Hochverrats] aus seinem Amt entfernen zu lassen. Eine Strafe dürfte auf dem
       Fuße folgen. Probleme gelöst? Leider nein. Die könnten jetzt erst so
       richtig anfangen.
       
       10 Sep 2022
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /-Nachrichten-im-Ukrainekrieg-/!5881003
 (DIR) [2] https://www.bundesregierung.de/breg-de/themen/krieg-in-der-ukraine/lieferungen-ukraine-2054514
 (DIR) [3] /Wirtschaftsforum-in-Wladiwostok/!5880734
 (DIR) [4] https://www.rnd.de/politik/prozess-gegen-putin-russische-regionalpolitiker-wollen-anklage-wegen-hochverrats-PUMCEOFAWZGELL2IDGZUK7SPS4.html
       
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 (DIR) Barbara Oertel
       
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