# taz.de -- +++ Nachrichten im Ukrainekrieg +++: 100 Panzerhaubitzen für die Ukraine
       
       > Die Bundesregierung hat Berichten zufolge den Verkauf von 100
       > Panzerhaubitzen genehmigt. Drei ukrainische Häfen sollen wieder in
       > Betrieb sein.
       
 (IMG) Bild: Die Bundeswehr-Panzerhaubitze 2000 im Einsatz bei einer Artillerie-Feuerübung in Grafenwöhr 2018
       
       ## Bundesregierung genehmigt 100 Panzerhaubitzen
       
       Die Bundesregierung hat einem Medienbericht zufolge den [1][Verkauf von 100
       Panzerhaubitzen] des Herstellers Krauss-Maffei Wegmann (KMW) an die Ukraine
       genehmigt, berichtet Der Spiegel. Die Ukraine habe im April angefragt, ob
       die Haubitzen direkt beim Hersteller gekauft werden könnten. KMW habe
       daraufhin umgehend ein Angebot abgegeben. Wie ein KMW-Sprecher dem Magazin
       sagt, habe der Hersteller am 11. Juli einen entsprechenden Antrag beim
       Wirtschaftsministerium gestellt und zwei Tage später die Genehmigung
       erhalten. Mit der Produktion der Waffensysteme solle nun umgehend begonnen
       werden. Wann die ersten Haubitzen an die Ukraine gehen, ist noch offen. Die
       Produktion aller Haubitzen dürfte mehrere Jahre andauern. (rtr)
       
       ## Ukrainische Häfen für Getreideausfuhr haben „Arbeit wieder aufgenommen“
       
       Die drei für die Getreideausfuhr bestimmten Häfen der Ukraine haben nach
       Angaben der Marine ihre „Arbeit wieder aufgenommen“. Die Häfen von Odessa,
       Tschornomorsk und Piwdenny seien wieder in Betrieb, auch wenn für die
       Sicherheit der Konvois noch Einiges zu tun übrig bleibe, erklärte die
       ukrainische Marine am Mittwoch. Die Ukraine und Russland hatten am
       vergangenen Freitag zwei separate, aber inhaltlich identische Abkommen
       unterzeichnet, welche die Wiederaufnahme der Ausfuhr von Getreide über das
       Schwarze Meer regeln.
       
       Die Ukraine und Russland verpflichten sich darin, sichere Korridore für die
       Frachtschiffe zu respektieren und dort auf militärische Aktivitäten zu
       verzichten. Bei der Abfahrt aus der Ukraine sollen die Frachtschiffe von
       ukrainischen Militärbooten begleitet werden.
       
       Das Abkommen gilt zunächst für vier Monate. Wenn pro Monat etwa acht
       Millionen Tonnen Getreide ausgeführt werden können, würden vier Monate
       ausreichen, um das derzeit blockierte Getreide in einer Größenordnung von
       25 Millionen Tonnen auszuführen.
       
       In Istanbul wurde am Mittwoch derweil das im Abkommen vorgesehen
       Koordinationszentrum eröffnet. Dort sollen Vertreter der Ukraine und
       Russlands sowie der Türkei und der Vereinten Nationen künftig gemeinsam den
       Fahrplan für die Frachtschiffe durch das Schwarze Meer festlegen. (afp)
       
       ## Cherson: Letzte Brücke über den Dnjepr geschlossen
       
       In der von russischen Truppen besetzten Stadt Cherson im Süden der Ukraine
       ist die einzige Brücke über den Dnjepr nach ukrainischem Beschuss für
       Zivilisten geschlossen worden. Der Verkehr über die Antoniwskyi-Brücke sei
       unterbrochen, teilt die von Russland installierte Stadtverwaltung der
       Nachrichtenagentur Interfax mit. In der Nacht habe es einen weiteren
       ukrainischen Angriff mit von den USA gelieferten Raketensystemen vom Typ
       HIMARS gegeben. Die Brücke sei getroffen worden. (rtr)
       
       ## Ein Toter nach Angriff auf Hotel in Bachmut
       
       Bei einem russischen Angriff auf ein Hotel in Bachmut in der Region Donezk
       ist nach Angaben örtlicher Behörden mindestens ein Mensch getötet worden.
       „Nach vorläufigen Informationen gibt es Tote und Verletzte, eine
       Rettungsaktion ist im Gange“, schreibt der Gouverneur der Region, Pawlo
       Kyrylenko, auf Facebook. Nach Angaben des Rettungsdienstes wurden ein
       Mensch getötet und vier verletzt. (rtr)
       
       ## Steinmeier erneut in die Ukraine eingeladen
       
       Der ukrainische Präsident Wolodimir Selenski hat Bundespräsident
       Frank-Walter Steinmeier [2][erneut zu einem Besuch eingeladen]. Das sagt
       der scheidende ukrainische Botschafter Andrij Melnyk der Zeit. „Wir warten
       noch auf seinen Besuch in Kiew.“ Melnyk kündigt an, Deutschland in zwei,
       drei Wochen zu verlassen. Seine Abberufung sei eine Routinesache, habe aber
       auch mit seiner „Art der Diplomatie“ zu tun. Der Botschafter ist für teils
       scharfe Äußerungen bekannt. So bezeichnete er Bundeskanzler Olaf Scholz
       einmal als „beleidigte Leberwurst“. (rtr)
       
       ## Erster Getreideexport voraussichtlich diese Woche
       
       Noch diese Woche wird nach Angaben eines türkischen Regierungsvertreters
       aller Voraussicht nach [3][das erste Schiff beladen mit ukrainischem
       Getreide] in See stechen. Für den ersten Export von Getreide seit Beginn
       der russischen Invasion über den Seeweg sei ein sicherer Korridor durch das
       Schwarze Meer vorgesehen, der nicht vermint sei. Die Ukraine und Russland
       hatten vergangenen Freitag unter Vermittlung der Türkei und der UN einen
       Vertrag unterzeichnet, nach dem die Blockade der Transporte aufgehoben
       werden soll. Mit den Ausfuhren soll der weltweite Anstieg der
       Lebensmittelpreise gedämpft werden. (rtr)
       
       ## Russen melden Eroberung des größten Kohlekraftwerks der Ukraine
       
       Im ostukrainischen Gebiet Donezk haben die russischen Truppen nach eigenen
       Angaben bei Switlodarsk das größte Kohlekraftwerk der Ukraine unter ihre
       Kontrolle gebracht. Am Dienstag meldeten Medien der Donezker Separatisten
       bereits die Eroberung. Bilder sollten die Präsenz russischer Söldner der
       sogenannten Wagner-Gruppe vor dem Verwaltungsgebäude belegen. Anderen
       Berichten nach dauerten jedoch die seit Ende Mai währenden Kämpfe um das
       Kraftwerksgelände weiter an. Unabhängig sind die Angaben nicht zu
       überprüfen.
       
       Der ukrainische Generalstab erwähnte das Kraftwerk in seinem abendlichen
       Lagebericht nicht mehr. Stattdessen berichtete die Militärführung nur noch
       von Kämpfen um das etwas westlicher gelegene Semyhirja. Im Morgenbericht
       war noch von Luftangriffen auf ukrainische Positionen auf dem
       Kraftwerksgelände die Rede.
       
       Östlich der Linie von Siwersk über Soledar nach Bachmut seien hingegen
       russische Angriffe erfolgreich abgewehrt worden, teilte der Generalstab
       mit. Auch von anderen Frontabschnitten im Donezker und dem benachbarten
       Charkiwer Gebiet wurde über erfolgreiche Abwehrkämpfe berichtet. Russische
       Truppen beschossen demnach weiter Dutzende Orte mit Artillerie, und die
       russische Luftwaffe flog Angriffe.
       
       Die Ukraine wehrt seit etwa fünf Monaten eine russische Invasion ab.
       Seitdem konnten russische Truppen große Teile der Ost- und Südukraine unter
       ihre Kontrolle bringen. (dpa)
       
       ## Selenski nominiert neuen Generalstaatsanwalt
       
       Der ukrainische Präsident Wolodimir Selenski nominiert den Abgeordneten
       Andrij Kostin [4][als nächsten Generalstaatsanwalt]. Er reichte beim
       Parlament einen formellen Antrag ein, die Ernennung zu bestätigen. Kostin
       gehört Selenskyjs Partei Diener des Volkes an und soll Iryna Wenediktowa
       ersetzen. Ihr hatte Selenskyj vorgeworfen, zu wenig gegen russische
       Spionage getan zu haben, und sie suspendiert. (rtr)
       
       ## Gazprom drosselt Lieferungen durch Nord Stream 1 wie angekündigt weiter
       
       Der russische Gasriese Gazprom liefert wie angekündigt [5][seit Mittwoch
       weniger Gas durch die Pipeline Nord Stream 1]. Der Chef der
       Bundesnetzagentur, Klaus Müller, sagte im Deutschlandfunk: „Zur Zeit sehen
       wir die nominierte Drosselung“. Gazprom liefert demnach 20 Prozent der
       Kapazität. „Wir werden im Laufe des Tages sehen, ob es dabei bleibt“, sagte
       Müller weiter.
       
       Der Präsident der Netzagentur lobte erste „Einsparerfolge“. Private
       Haushalte und die Industrie verbrauchten „auch temperaturbereinigt fünf,
       sechs, sieben Prozent weniger Gas“. Jetzt im Sommer gelinge es, Gas
       einzuspeichern.
       
       „Im Herbst ändert sich die Situation, der Gasverbrauch steigt“, warnte
       Müller. Deswegen seien alle Sparanstrengungen notwendig: „Deutschland muss
       weniger Gas verbrauchen.“ Der Chef der Netzagentur kritisierte, Gas sei
       inzwischen Teil der russischen Außenpolitik, der russischen
       Kriegsstrategie.
       
       Gazprom hatte am Montagabend angekündigt, die Gaslieferungen durch Nord
       Stream 1 ab Mittwochmorgen von derzeit 40 Prozent auf nur noch 20 Prozent
       der Kapazität zu drosseln. Als Grund gab der Konzern die Wartung einer
       Turbine an. Die Bundesregierung reagierte mit Unverständnis. (afp)
       
       ## BEE-Präsidentin warnt vor überzogenen Erwartungen an AKW-Weiterbetrieb
       
       Die Präsidentin des Bundesverbands Erneuerbare Energie (BEE), Simone Peter,
       warnt vor überzogenen Erwartungen an einen möglichen Weiterbetrieb von
       Atomkraftwerken (AKW). „Atomkraftwerke können rein technisch nicht das
       ersetzen, was Gaskraftwerke leisten. Auch führt der Weiterbetrieb von AKWs
       zu einem massiven Verdrängen erneuerbarer Kapazität aus den Netzen“, sagt
       Peter der Zeitung Rheinische Post. Vielmehr müsse jetzt das Potenzial bei
       den erneuerbaren Energien ausgeschöpft werden. Gerade heimisches Biogas
       könne noch mehr beisteuern. „Und bei der Stromversorgung stecken viele
       Wind- und Solarprojekte in der Genehmigung, die kurzfristig angeschlossen
       werden können. Das gilt es aus unserer Sicht vorrangig zu prüfen.“ (rtr)
       
       ## USA geben Zusage für medizinische Versorgung ukrainischer Soldaten bei
       Ramstein
       
       Die USA geben einem Insider zufolge grünes Licht für die medizinische
       Versorgung verletzter Soldaten aus der Ukraine in Deutschland. Das Pentagon
       habe bereits im Juni zugestimmt, ukrainische Truppen im Landstuhl Regional
       Medical Center (LRMC) zu behandeln, sagte ein Vertreter des
       US-Verteidigungsministeriums unter der Bedingung der Anonymität. Bislang
       seien dort noch keine verletzten ukrainischen Soldaten versorgt worden.
       Auch würden US-Truppen keine Verwundeten aus der Ukraine herausholen. Das
       LRMC liegt neben dem Luftwaffenstützpunkt Ramstein südwestlich von
       Frankfurt und ist das größte US-Militärkrankenhaus außerhalb des
       amerikanischen Kontinents. (rtr)
       
       ## TÜV hält Wiederinbetriebnahme dreier AKW für unbedenklich
       
       Der TÜV hält eine Wiederinbetriebnahme [6][der stillgelegten Atomkraftwerke
       (AKW)] Brokdorf, Grohnde und Gundremmingen C sicherheitstechnisch für
       machbar und unbedenklich. „Diese Anlagen zählen zu den sichersten und
       technisch besten Kraftwerken, die es weltweit gibt. Sie waren und sind in
       einem exzellenten Zustand“, sagt Joachim Bühler, geschäftsführendes
       Präsidiumsmitglied des TÜV-Verbands, der Zeitung Bild. Die
       Wiederinbetriebnahme der 2021 abgeschalteten Meiler wäre „keine Frage von
       Jahren, sondern eher von wenigen Monaten oder Wochen“. Wie schnell die
       stillgelegten Kraftwerke wieder ans Netz genommen werden könnten, sei „vor
       allem eine Frage des politischen Willens“. Es wäre möglich, die Laufzeit
       der drei 2021 stillgelegten, aber auch der drei aktiven AKW bis zu drei
       Jahre zu verlängern. Demnach könnten Brokdorf, Grohnde und Gundremmingen C
       im Falle einer Wiederinbetriebnahme und Isar 2, Neckarwestheim und Emsland
       im Falle einer Laufzeitverlängerung bis 2026 am Netz bleiben. (rtr)
       
       27 Jul 2022
       
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