# taz.de -- Missbrauchsskandal im Schwimmen: Kein Neustart, aber eine Zäsur
       
       > Immer mehr Betroffene melden sich beim Deutschen Schwimmverband. Der
       > Missbrauchsskandal könnte für den deutschen Sport ein Einschnitt werden.
       
 (IMG) Bild: Berichtet von jahrelangem Missbrauch: der frühere Profi-Schwimmer Jan Hempel (hier im Jahr 1999)
       
       Die Entschuldigung kam viel zu spät, aber schließlich kam sie: Am
       Montagabend hat sich der Deutsche Schwimmverband (DSV) bei allen Opfern
       körperlicher, seelischer und sexualisierter Gewalt entschuldigt und
       umfassende Aufarbeitung angekündigt. Des Weiteren versprach der Verband
       verpflichtende Schulungen für Mitarbeiter:innen zum Thema
       sexualisierte Gewalt und begrüßte die geplante unabhängige Anlaufstelle.
       
       Anderes als Reue blieb ihm auch gar nicht mehr übrig angesichts der
       massiven mutmaßlichen Verbrechen, die gerade publik werden. Der einstige
       Spitzenathlet [1][Jan Hempel hatte vergangene Woche öffentlich gemacht],
       dass er jahrelangen schwersten sexuellen Missbrauch durch seinen Trainer
       erlitt, protegiert von Funktionär:innen. Kein Einzelfall, sondern
       systemisch: Täglich melden sich derzeit weitere Missbrauchsopfer beim DSV.
       
       Noch ist vieles unklar. Doch der Missbrauchsskandal im Schwimmen könnte für
       Deutschland zu dem werden, was [2][der Missbrauchsskandal im Turnen] für
       die USA war: eine Zäsur. Bemerkenswert hoch ist derzeit die mediale
       Aufmerksamkeit; es hilft, dass der Kronzeuge ein Medaillengewinner und ein
       Mann ist. Lobenswert ist auch der prompte Druck aus der Politik.
       SPD-Sport-Staatssekretär Mahmut Özdemir drohte dem gut gepamperten DSV
       unverhohlen mit der Streichung öffentlicher Fördermittel. Geldeinbußen sind
       bekanntlich ein schneller spürbares Druckmittel als die Folgen schlechter
       Presse.
       
       Es ist der richtige Zeitpunkt und die richtige Sportart: Zum Volkssport
       Schwimmen hat fast jedes Kind Bezug, wenngleich der DSV nicht mehr unter
       den Top Ten der mitgliederstärksten deutschen Sportverbände steht. Es ist
       eine Chance, [3][den systemischen Missbrauch im deutschen Sport] endlich
       ernsthaft zu bekämpfen, auch die großen Schwimmvereine unter Druck zu
       setzen. Die Fokussierung auf sexualisierte Gewalt wird allerdings die
       anderen [4][Formen der Gewalt im Sport] wieder unter den Tisch fallen
       lassen. Eine Neuentwicklung eines kaputten Systems ist das hier nicht. Aber
       es ist ein Anfang.
       
       23 Aug 2022
       
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 (DIR) Alina Schwermer
       
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