# taz.de -- Debatte über Atomkraft: Neubauer offen für Streckbetrieb
       
       > Die Fridays-for-Future-Aktivistin findet ein „Provisorium“ mit einem
       > Streckbetrieb der letzten Atomkraftwerke akzeptabel. Dass er wirklich
       > nütze, hält sie für fraglich.
       
 (IMG) Bild: Soll der Betrieb des AKW Isar 2 über die geplante Laufzeit hinaus gestreckt werden?
       
       Berlin afp/dpa | Die Klimaaktivistin Luisa Neubauer von der Bewegung
       Fridays For Future hält eine auf wenige Monate begrenzte
       Laufzeitverlängerung für deutsche Atomkraftwerke für akzeptabel. Der
       [1][sogenannte Streckbetrieb mit alten Brennstäben] „wäre ein Provisorium
       und keine grundlegende Weichenstellung“, sagte sie dem Tagesspiegel
       (Montagsausgabe). Darin sehe sie kein Problem, allerdings bezweifle sie
       auch, dass eine solche Maßnahme in der aktuellen Situation nütze.
       
       Der Gasverbrauch durch den Weiterbetrieb der drei Reaktoren im
       Streckbetrieb würde laut einer Studie um gerade einmal ein Prozent sinken,
       sagte Neubauer. „[2][Das könnte man auch durch Energiesparmaßnahmen
       einfangen.]“
       
       Eine Grundsatzdebatte über Energieversorgung und den Kauf neuer
       Brennelemente lehnte die Klimaaktivistin ab. Dabei gehe es „nicht mehr um
       einen Übergang, sondern um die Verhinderung einer echten Energiewende weg
       von Kohle, Gas, Öl und Atom“, sagte sie.
       
       Der Bundesregierung warf Neubauer vor, ihre Klimaschutzversprechen
       hintanzustellen. „Die Bundesregierung entscheidet sich unterm Strich
       gerade, angesichts des Krieges die Klimakrise so zu behandeln, als würde
       das Klima in irgendeiner Weise auf uns warten.“ Sie kritisierte den von der
       Regierung geplanten Import von Flüssigerdgas als zu weitreichend. „Da geht
       es nicht um einen Übergang. Damit legen wir uns fest.“ Aus der Energiekrise
       heraus würden Entscheidungen für Jahrzehnte getroffen. „Das ist irre.“
       
       ## Schulterschluss von Union und FDP
       
       Wegen der aktuell eingeschränkten Gaslieferungen aus Russland und
       Befürchtungen, dass der Staatskonzern Gazprom gar kein Erdgas mehr schickt,
       ist in Deutschland eine Diskussion darüber aufgekommen, ob die letzten drei
       noch laufenden Atomkraftwerke länger am Netz bleiben könnten. Nach
       geltendem Atomrecht müssen sie Ende Dezember abgeschaltet werden. Derzeit
       liefern die AKW Isar 2, Emsland und Neckarwestheim 2 etwa 30
       Terawattstunden Strom pro Jahr und machen einen Anteil von rund fünf
       Prozent an der deutschen Stromproduktion aus. Erdgas wird vor allem für die
       Wärmegewinnung gebraucht.
       
       Union und FDP werben dafür, einen zumindest begrenzten Weiterbetrieb über
       den Jahreswechsel hinaus zu ermöglichen. SPD und insbesondere Grüne sind
       nach wie vor skeptisch. Auch sie wollen einen zumindest befristeten
       Weiterbetrieb im Krisenfall aber inzwischen nicht generell ausschließen.
       
       1 Aug 2022
       
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