# taz.de -- Regionalwahlen in Andalusien: Südspanien rückt nach rechts
       
       > Die konservative Partido Popular hat in der bevölkerungsreichsten
       > autonomen Region die absolute Mehrheit geholt. Sie kann ohne die rechte
       > Vox regieren.
       
 (IMG) Bild: Letzte Wahlkampfveranstaltung von Juanma Moreno in Sevilla am 17. Juni 2022
       
       Madrid taz | Bei den Wahlen im südspanischen Andalusien hat die
       [1][konservative Volkspartei Partido Popular (PP)] überraschend die
       absolute Mehrheit errungen. Spitzenkandidat Juanma Moreno erreichte damit
       sein Wahlziel, denn er wollte auf gar keinen Fall von der
       [2][rechtsextremen Vox] abhängig sein, um zu regieren.
       
       Moreno, der die vorgezogenen Neuwahlen nach etwas mehr als drei Jahren im
       Amt ausgerufen hatte, regierte bisher in einer Koalition mit den
       rechtsliberalen Ciudadanos (Cs) und der parlamentarischen Unterstützung von
       Vox. Fortan wird er schalten und walten können, wie er will. „Wir haben
       Geschichte gemacht“, jubelte Moreno am Wahlabend.
       
       Die PP erreichte am Sonntag 58 (43,13 Prozent) der 109 Sitze im
       Regionalparlament in Sevilla. 2018, als Moreno erstmals die seit Spaniens
       Rückkehr zur Demokratie in den 1970er Jahren ununterbrochen regierenden
       Sozialisten ablöste, waren es nur 26 Sitze. Morenos PP gelang es, die
       rechtsliberalen Cs zu beerben. Diese verlor alle 21 Sitze, die sie bisher
       innehatte. Die rechtsextreme Vox, die mit einem starken Zuwachs gerechnet
       hatte, legte nur um zwei Abgeordnete zu. Sie hat jetzt 14 statt 12 Sitze
       inne.
       
       Die [3][Sozialisten des spanischen Ministerpräsidenten Pedro Sánchez]
       fuhren mit ihrem Kandidaten Juan Espadas noch größere Verluste als 2018
       ein. Sie haben künftig nur noch 30 Sitze statt bisher 33. Links davon
       müssen sich die zwei linksalternativen Listen mit sieben statt bisher 17
       Sitzen begnügen.
       
       Die PP hat jetzt 28 Sitze und 670.000 Wähler mehr als die Sozialisten,
       deren Hochburg Andalusien immer war. Espadas verlor selbst die Stadt
       Sevilla an die Konservativen, in der er zuvor Bürgermeister war. Es ist ein
       Rechtsruck ohnegleichen: PP und Vox erhalten zusammen 72 Abgeordnetensitze,
       die Linke gerade einmal 37.
       
       ## Feijóo schielt auf Sanchez-Nachfolge
       
       Der Erfolg Morenos kommt nur zwei Monate nach dem Wechsel an der Spitze der
       PP. Der neue Vorsitzende Alberto Núñez Feijóo darf sich nach dem
       andalusischen Ergebnis Hoffnung machen, im kommenden Jahr gegen Sánchez
       gewinnen zu können.
       
       Feijóo kann nun an seinem Bild eines moderaten Konservativen arbeiten. Kurz
       nachdem er an die PP-Spitze gekommen war, ging seine Partei in der
       zentralspanischen Region Castilla y León eine Koalition mit Vox ein. Hätte
       sie dies auch in der bevölkerungsstärksten autonomen Region Andalusien
       getan, hätte dies sicher der Marke Feijóo geschadet.
       
       Moreno hatte es geschickt verstanden, alle Probleme seiner Region – etwa
       die hohe Arbeitslosigkeit – der Zentralregierung zuzuschreiben, während die
       Erholung einzelner wirtschaftlicher Branchen nach der Pandemie
       ausschließlich sein Verdienst sei. Die Linke einschließlich der Sozialisten
       machten fast ausschließlich mit der Angst vor einer möglichen Koalition der
       PP mit Vox Wahlkampf. Moreno nutze dies geschickt, indem er die Wähler
       aufrief, ihm das nötige Vertrauen zu schenken, damit Vox eben nicht das
       Zünglein an der Waage sei. Diese Strategie ging auf.
       
       20 Jun 2022
       
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