# taz.de -- Frauenquote und Gaslieferungen: Grünes Benzin, schwarze Quoten
       
       > Irgendwas steht den eigentlichen, hehren Zielen immer entgegen. Dehalb
       > kämpft jetzt Habeck für billiges Benzin und Merz für die Frauenquote.
       
 (IMG) Bild: Am Ende wurstelt jeder für sich alleine rum
       
       Schon wieder ein halbes Jahr rum und keinen guten Vorsatz eingehalten. Es
       ist aber auch schwer. Weniger zu essen beispielsweise erwies sich als
       unmöglich, weil die taz-Kantine seit dem Ende des Corona-Lockdowns noch
       besser kocht als vorher. Da schaffe ich eine Kalorienreduzierung höchstens
       an den tierfettfreien Tagen.
       
       Mehr Sport geht leider auch nicht, weil mir ein Finger abgeschossen wurde –
       natürlich von einem Mitspieler aus der eigenen taz-Mannschaft, dem damit
       der einzige Treffer des Spiels gelang. Also erst mal auskurieren statt
       trainieren. Irgendetwas passiert immer, das meinen hehren Zielen im Wege
       steht. Aber damit bin ich zum Glück nicht ganz alleine.
       
       Heute das eine sagen und morgen das Gegenteil tun, ist gängige Praxis in
       der Politik. [1][Robert Habeck] hat sie perfektioniert, weil er dabei so
       treuherzig schaut und glaubwürdig leidet. Dass er weltweit bei windigen bis
       kriminellen Lieferanten um Gas bettelt (einzige Vorbedingung: Sie dürfen
       keine Russen sein), ist man ja schon gewohnt. Aber als Habeck jetzt auch
       noch „mit Klauen und Zähnen“ für ein härteres Kartellrecht kämpfte, um
       einen möglichst billigen Benzinpreis zu erzwingen, dachte ich kurz naiv:
       Müsste ein Klimaschutzminister eigentlich nicht feiern, dass der grüne
       5-Mark-pro-Liter-Traum endlich in Erfüllung geht?
       
       Aber irgendwas kommt eben immer dazwischen, in diesem Fall Habecks
       Zuständigkeit für die deutsche Wirtschaft, die ohne fossilen Nachschub noch
       kläglicher zusammenbrechen würde als die Abwehr des taz Panter FC beim 2:5
       gegen die Autorennationalmannschaft.
       
       ## Die Rechnung auf dem Bierdeckel
       
       Immerhin sind die Zeitungskicker inzwischen auf gutem Wege, die
       50-Prozent-Frauenquote zu erfüllen. Vielleicht sogar noch vor der CDU, wo
       sich [2][Friedrich Merz] neuerdings inbrünstig für die Gleichberechtigung
       und paritätische Repräsentanz der Geschlechter einsetzt. Auch das wohl eher
       kein alter Lebenstraum, der endlich in Erfüllung geht, sondern Mathe.
       
       Die Rechnung passt auf einen Bierdeckel: Um CDU-Chef zu werden, reichte
       Merz seine Fanbase der grantigen weißen Männer, die in der Partei die
       Mehrheit bilden. Ja, er brauchte und teilte ihre Wut auf Merkel, die so
       lange alles sozialdemokratisierte. In der Gesamtbevölkerung sind die
       frustrierten alten Säcke jedoch knapp in der Minderheit, es gibt mehr als
       50 Prozent Frauen, weshalb die CDU bei der nächsten Wahl irgendwie
       weiblicher rüberkommen sollte, damit sich Merz mit 70 doch noch seinen
       wahren Lebenstraum erfüllen und Kanzler werden kann. Also okay, Quote. Aber
       nur auf Probe! 2029 soll sie evaluiert werden.
       
       Das ist eine Superlösung. Um irgendwie jünger und schlanker rüberzukommen,
       esse ich ab sofort an 50 Prozent der Tage vegan. Aber nur auf Probe! Ich
       lasse das Auto an 50 Prozent der Tage stehen und fahre Rad. Aber nur auf
       Probe! Ich begrabe meinen Lebenstraum vom eigenen Motorboot und gehe jeden
       zweiten Tag schwimmen. Aber natürlich nur auf Probe.
       
       Das Wichtigste sind ohnehin die Fotos von den lobenswerten Aktivitäten,
       denn wo kein Foto, da kein Lob. Das hat inzwischen sogar [3][Olaf Scholz]
       begriffen und ist entgegen seinem Vorsatz doch noch zum Fototermin nach
       Kiew gefahren, ohne wie angekündigt einen konkreten Grund zu haben. Wer
       eine EU-Beitrittskandidatur für etwas Konkretes hält, frage in der Türkei
       oder auf dem Balkan nach. Oder bei mir. Genau betrachtet, ist eine
       EU-Beitrittskandidatur in etwa so konkret wie meine geplante Anmeldung zum
       Fitnessstudio. Da bin ich auch Beitrittskandidat.
       
       Dafür gab es viele warme Worte für die Ukraine. Offenbar hatte dem Kanzler
       nach dem jüngsten Gerichtsurteil gegen Angela Merkel wegen rhetorischer
       Benachteiligung der AfD ein kluger Berater gesagt, dass die
       Neutralitätspflicht für KanzlerInnen zwar beim Reden über Rechtsextreme
       gilt, aber nicht beim Ukrainekrieg. Also fuhr Scholz im Bummelzug nach Kiew
       und versprach wieder mal, was die SPD nie wollte: Waffen für
       Konfliktgebiete.
       
       Und wenn Putin zur Strafe nun das Gas ganz abdreht? Tja. Vielleicht bleibt
       dann auch die Küche der taz-Kantine kalt – und ich kann endlich abnehmen.
       
       19 Jun 2022
       
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