# taz.de -- Die Wochenvorschau für Berlin: Eine Weile ohne Penetration
       
       > Noch immer sprechen Viele von der Vagina, wenn sie die Vulva meinen. Eine
       > Gynäkologin erhält einen Preis, es gibt Frauenfilme und Romanzen.
       
 (IMG) Bild: Hier hat jemand aufgepasst: Beim Christopher Street Day in Freiburg
       
       Dass die Vulva weit mehr ist als nur die Vagina: Das weiß eigentlich
       jede*r, die oder der auch nur einmal versucht hat, zu erfülltem Sex zu
       gelangen, an dem eine Frau beteiligt war. Umso erstaunlicher ist es,
       berichtet [1][Mandy Mangler], dass sich in den gängigen Fachbüchern immer
       noch falsche oder sogar fehlende Darstellungen der Vulva finden, dass oft
       sogar das eigentlichen Sexualorgan der Frau fehlt, die Klitoris.
       
       Die Chefgynäkologin an der Auguste-Viktoria-Klinik in Schöneberg empfiehlt
       Frauen, die keine Lust auf Sex haben, „Sexualität eine Weile ohne
       Penetration auszuleben, um herauszufinden, was man abseits davon so mag“.
       Auch jenseits dessen spricht Mangler bei jeder Gelegenheit offen über
       gynäkologische Themen und begegnet so der Diskrepanz zwischen der oft
       sexistischen Darstellung von Frauen und der verbreiteten Unwissenheit zu
       Fragen weiblicher Sexualität. Ein tolles Zeichen, dass sie am heutigen
       Montag den Berliner Frauenpreis verliehen bekommt.
       
       Sexismus, Diskriminierung, Frausein: Es gibt in dieser Woche zahlreiche
       Gelegenheiten, sich mit diesen Themen zu befassen. So wird am Dienstag
       nicht nur das [2][Jüdische Filmfestival Berlin/Brandenburg] eröffnet, am
       Mittwoch geht es auch mit den Filmvorführungen unter freiem Himmel der
       [3][Berlinale] los, sodass Filmbegeisterte viele Filme nachholen können,
       für die sie während der eigentlichen Berlinale im Februar wegen der
       strengen Corona-Auflagen keine Tickets mehr bekamen.
       
       Im Rahmen des Jüdischen Filmfestivals sei in Sachen Frausein etwa auf die
       Hommage an Jeanine Meerapfel hingewiesen: Die 78-jährige Filmemacherin, die
       als deutsch-jüdische Emigrantentochter in Buenos Aires aufwuchs, leitet
       nunmehr seit 7 Jahren als erste Frau die Geschicke der 1696 gegründeten
       Akademie der Künste.
       
       ## Verlassene Ehefrau am Stadtrand
       
       Auf dem Filmfest sind mit „La Amiga“ unter anderem ein früher Spielfilm
       über die besten Freundinnen Maria und Raquel auf der Suche nach dem von der
       Militärjunta entführten Sohn Marias zu sehen – und außerdem das aktuellste
       Werk Meerapfels: [4][„Eine Frau“]. Dieser Film ist eine Auseinandersetzung
       mit der eigenen Mutter, die als Waisenkind in Frankreich aufwuchs und als
       verlassene Ehefrau am Stadtrand von Buenos Aires landete.
       
       Und was die Berlinale angeht: Einer der unterhaltsamsten Annäherungen an
       das oft nur vermeintlich schwierige Thema weibliche Sexualität im Alter ist
       vielleicht [5][„A E I O U – Das schnelle Alphabet der Liebe“ von Nicolette
       Krebitz] über die Romanze zwischen einer Sechzigjährigen zu einem
       minderjährigen Tagedieb, aber auch eine Liebeserklärung an die großartige
       Sophie Rois und die versunkene Welt der Westberliner Boheme.
       
       Der Film ist am Donnerstagabend im [6][Freiluftkino Friedrichshain] zu
       sehen.
       
       13 Jun 2022
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Schwanger-im-Gesundheitswesen/!5827718
 (DIR) [2] /Kinotipp-der-Woche/!5856641
 (DIR) [3] https://www.berlinale.de/de/programm/berlinale-goes-open-air.html
 (DIR) [4] https://jfbb.info/programm/filme/eine-frau
 (DIR) [5] https://www.berlinale.de/de/archiv-auswahl/archiv-2022/programm/detail/202200891.html
 (DIR) [6] /Start-der-Freiluftkinos-in-Berlin/!5854506
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Susanne Messmer
       
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