# taz.de -- Zahl der Kiez-Parklets steigt: Wo ausruhen nichts kostet
       
       > Friedrichshain-Kreuzberg nimmt am Berliner Parklet-Förderprogramm teil.
       > Deshalb verdrängen immer mehr Sitzgelegenheiten mit Hochbeet die Autos.
       
 (IMG) Bild: Dieses Parklet vor einer Schule am Petersburger Platz im Friedrichshainer Nordkiez ist für alle da
       
       Berlin taz | Letzte Woche war Familienbesuch da, es gab ein Fest zu feiern.
       Der Neffe mit beiden Töchtern kam aus meinem alten Heimatdorf im
       Mecklenburgischen gleich mehrere Tage angereist, damit sich die Fahrt
       lohnt. Meine Gäste und ich sind viel durch den Nordkiez von Friedrichshain
       gelaufen. Und zwischendurch wurde Maja (5) des vielen Laufens müde und
       erkannte maulend ganz richtig: „Hier kann man sich ja gar nicht hinsetzen!“
       Weit und breit keine Bank in Sicht. Aber um die Ecke!
       
       Denn seit ein paar Wochen hat sich mein Kiez verwandelt. In eine einzige
       Sitzlandschaft. In gefühlt jeder zweiten Straße steht ein sogenanntes
       Kiez-Parklet, sie haben sich zuletzt immer schneller vermehrt. In den aus
       Holz gezimmerten Sitzbänken unterschiedlichster Größe und Bauart sind immer
       auch ein oder zwei Hochbeete integriert. Damit sind die kleinen Sitzoasen
       auch kleine grüne Inseln auf Asphalt, denn die [1][Parklets] stehen da, wo
       sonst Autos parken. Sie nehmen den Autos also Platz weg und schenken ihn
       den Leuten, die im Kiez wohnen.
       
       SchülerInnen zum Beispiel: Das Parklet am Petersburger Platz steht vor der
       [2][Evangelischen Schule Berlin-Friedrichshain], dieses ist eins der
       größten und wird von den Schüler*innen betreut. Typisch Lehreinrichtung,
       haben hier alle Pflanzen kleine Schilder an ihrer Seite, damit man nebenbei
       was lernen kann.
       
       Im Rahmen des Berliner Parklet-Förderprogramms haben Initiativen und
       Hausgemeinschaften, Vereine und andere öffentliche Einrichtungen die
       Parklets gebaut und die Pflege übernommen.
       
       ## Umgeben von Thymian und Rosmarin chillen
       
       Wie ein paar Meter entfernt in der Straßmannstraße 17, gegenüber der
       Kontakt- und Beratungsstelle Friedrichshain des [3][Vereins KommRum]. Es
       ist zeitabhängig, wer da – umgeben von Thymian, Rosmarin und Co. – zusammen
       sitzt zum chillen. Vormittags in den Hofpausen eher Jugendliche von einer
       nahen Schule, nachmittags eher Kaffeetrinker, abends auch mal Leute mit
       Bier oder Wein in der Hand.
       
       In Kreuzberg haben bereits 19 Parklets auf der Straße ihren Platz gefunden,
       teilt das Bezirksamt mit, in Friedrichshain 15. Zusätzlich wären für beide
       Ortsteile jeweils bereits ein weiteres Parklet bewilligt worden sowie
       jeweils ein Parklet in der Antragsphase.
       
       „Der öffentliche Straßenraum gehört uns allen“, sagte Bezirksstadträtin
       Annika Gerold (Grüne), zuständig für Verkehr, Grünflächen, Ordnung und
       Umwelt, letztens anlässlich der Einweihung von zwei neuen Parklets in
       Friedrichshain. „Mit unseren neuen Kiez-Parklets bringen wir mehr Grün in
       unsere Wohnquartiere und die dort wohnenden Menschen zusammen. So entsteht
       mehr Flächengerechtigkeit in unserem dicht besiedelten Bezirk.“
       
       Bis Mitte des Jahres sollen rund 65 Kiez-Parklets gebaut und auf Berlins
       Straßen gesetzt werden. Am Förderprogramm nehmen zurzeit die Bezirke
       Friedrichshain-Kreuzberg, Mitte und Charlottenburg-Wilmersdorf teil. Das
       sind doch schöne Aussichten.
       
       8 Jun 2022
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://de.wikipedia.org/wiki/Parklet
 (DIR) [2] https://www.ev-schule-friedrichshain.de/
 (DIR) [3] https://www.kommrum.de/de/
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Andreas Hergeth
       
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