# taz.de -- Rassismus an der Hochschule Bremen: Nur ein schlimmer Einzelfall?
       
       > Eine Studentin wirft der Hochschule Bremen Rassismus vor. Rektorat und
       > AStA wollen Konsequenzen ziehen – welche, schätzen sie unterschiedlich
       > ein.
       
 (IMG) Bild: Problem Kopftuch? Studierende bei einer Einführungsveranstaltung im Oktober 2016
       
       Bremen taz | Nach Rassismus-Vorwürfen haben der Allgemeine
       Studierendenausschuss der [1][Hochschule Bremen] und deren Rektorat
       angekündigt, sich in dieser Woche über die Situation auszutauschen. „Wir
       fordern eine bessere Sichtbarkeit der Beschwerdestelle“, so Jerome
       Geisinger, [2][Vorstandsmitglied des Asta], „eine strukturelle Veränderung
       und wollen als Studierendenschaft an dem Veränderungsprozess teilhaben.“
       
       Katrin Luckey, die Rektorin der Hochschule, sagt: „Wir nehmen jeden Vorwurf
       ernst und zum Anlass, daraus Schlussfolgerungen für die
       Hochschulentwicklung zu ziehen.“
       
       Im Online-Netzwerk Instagram hatte eine 21-jährige Studentin schwere
       Vorwürfe gegen die Hochschule erhoben: Ein Mitarbeiter habe ihr
       [3][aufgrund ihres Kopftuches] geraten den Studiengang zu wechseln, schrieb
       die angehende Ingenieurin am 22. Mai – damit sie nicht mehr von so vielen
       Männern umgeben sei.
       
       ## Probleme auch schon früher
       
       Der Post erhielt Tausende Likes und ging buchstäblich viral. Mittlerweile
       hat die Frau ihr Profil auf privat gestellt, [4][der Eintrag ist nicht mehr
       zu lesen]. Mit der Presse will sie nicht sprechen: Die Geschichte belaste
       sie schwer, habe gar zu einem epileptischen Anfall geführt.
       
       Aus dem Post – der der taz vorliegt – geht zudem hervor, dass es schon
       früher zu Problemen gekommen sei. So habe eine Professorin ihr zwei
       verschiedene Mails mit zwei unterschiedlichen Prüfungsergebnissen
       zugesandt. Als sich die Studentin zur Klärung an das Prüfungsamt gewandt
       habe, sei ihr unterstellt worden, die Mail mit der besseren Note gefälscht
       zu haben.
       
       Um die Situation zu klären, habe sie schließlich mit einem sogenannten
       „Schiedsrichter“ gesprochen – und in diesem Gespräch sollen die zitierten
       Äußerungen über ihr Kopftuch und ihr Studienfach gefallen sein. Außerdem
       soll der Mann gedroht haben: „Ein Tipp von mir, verbrennen Sie sich die
       Sohlen nicht nochmal, sonst stürzt das Flugzeug ein, denn Sie stehen auf
       der roten Liste.“
       
       Asta-Vorstandsmitglied Geisinger hält es für möglich, dass die Hochschule
       ein strukturelles Rassismusproblem hat. Auf einer [5][Demo gegen
       Diskriminierung], zu der Ende Mai auch das Rektorat selbst aufgerufen
       hatte, hätten ihn mehrere Personen auf eigene Erfahrungen mit
       Diskriminierung angesprochen:
       
       „Es haben sich seit dem Bekanntwerden des Vorfalls einige Leute an uns
       gewandt, das zeigt, dass es sich hierbei nicht nur um Einzelfälle handelt.“
       Geisinger geht außerdem von einer hohen Dunkelziffer aus: Nicht alle
       Betroffenen hätten die Kraft, sich zu ihren derartigen Erlebnissen zu
       äußern.
       
       ## Beschwerdestelle wenig bekannt
       
       Bei aller Aufklärungsbereitschaft sieht das Rektorat die Sache offenbar
       weniger schwerwiegend: „Wir halten Formen der Diskriminierung aufgrund
       unserer klaren Positionierung, unserer Zielsetzung und den Anforderungen an
       unser Qualitätsmanagement für kein strukturelles Problem“, sagt Luckey.
       
       Sie räumt aber ein: „[6][Diskriminierung ist ein gesamtgesellschaftliches
       Problem] und an jedem Ort, in jeder Organisation und jederzeit möglich.“
       Warum die betroffene Frau „sich bislang lediglich über Instagram geäußert
       hat, ist derzeit nicht bekannt“, sagt Luckey.
       
       Nach dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG) kann man sich in
       Deutschland gegen Diskriminierung etwa aufgrund des Geschlechts zur Wehr
       setzen. In der Hochschule Bremen gibt es für solche Fälle [7][eine
       Beschwerdestelle]. Die sei aber weitgehend unbekannt, bemängelt Geisinger.
       Auch auf den aktuellen Fall wurde die Einrichtung erst durch die sozialen
       Medien aufmerksam. „Wir fordern eine niedrigschwellige Beschwerdestelle“,
       sagt Geisinger.
       
       Geisinger vermutet, dass die Beschwerdestelle nicht unvoreingenommen
       arbeitet, denn sie sei identisch mit der [8][Rechtsstelle, welche „die
       Hochschule rechtlich vertritt“]. Daraus entstehe „ein Interessenkonflikt,
       wir fordern daher eine Umstrukturierung der Beschwerdestelle“.
       
       Luckey sieht das anders: „Mögliche Interessenskonflikte lägen dann vor,
       wenn dabei von Parteilichkeit in dieser Funktion ausgegangen wird“, sagt
       die Rektorin. „Dies ist jedoch nicht zu unterstellen.“ Dennoch wolle man
       sich mit dem Asta zusammensetzen und überprüfen, ob die bestehenden
       Strukturen verändert werden müssen.
       
       7 Jun 2022
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Asta-gegen-Hochschule-Bremen/!5689366
 (DIR) [2] https://www.hs-bremen.de/studieren/rund-ums-studium/begriff/asta/
 (DIR) [3] /Vorstellung-des-Grundrechtereports/!5852603
 (DIR) [4] https://www.instagram.com/p/Cd2oFFVjo-i/
 (DIR) [5] https://www.butenunbinnen.de/nachrichten/hochschule-bremen-demo-rassismus-vorwuerfe-100.html
 (DIR) [6] /Rassismus-und-Hass/!5852208
 (DIR) [7] https://www.hs-bremen.de/die-hsb/organisation/verwaltung/rechtsstelle/#c5617
 (DIR) [8] https://www.hs-bremen.de/die-hsb/organisation/verwaltung/rechtsstelle/
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Lukas Scharfenberger
       
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