# taz.de -- Staffelübergabe in Hessen: Schwarzer Sheriff ade
       
       > Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier bewies, dass selbst Hardliner
       > wandlungsfähig sind. Sein Nachfolger Boris Rhein steht ihm da in nichts
       > nach.
       
 (IMG) Bild: Der neue und der alte Ministerpräsident: Rhein und Bouffier umarmen sich am 31. Mai
       
       Diese Hürde hat [1][Boris Rhein] am Ende locker genommen. Er ist im ersten
       Wahlgang zum neuen hessischen Ministerpräsidenten gewählt worden – und zwar
       mit fünf Stimmen mehr als denen der schwarz-grünen Koalition. Dabei war
       Rhein keinesfalls erste Wahl. Bis zu seinem Tod vor zwei Jahren galt
       Landesfinanzminister Thomas Schäfer als wahrscheinlicher Nachfolger für
       Volker Bouffier.
       
       Mit [2][Bouffier tritt ein Politiker nun weitgehend selbstbestimmt] ab, der
       in seiner politischen Laufbahn viele Gründe für Rücktritte gehabt hätte.
       Einer der schwerwiegendsten dürfe sein Versagen im Fall des Kasseler
       NSU-Mordes sein, bei dem sich ein [3][Mitarbeiter des
       Landesverfassungsschutzes] am Tatort befand, was Bouffier, der damals
       Innenminister war, dem Parlament nicht nur lange verschwieg, sondern durch
       Sperrvermerke für V-Leute wurde auch die Arbeit der Polizei erschwert.
       
       Bouffier machte sich als Innenminister des CDU-Rechten Roland Koch einen
       Namen als Law-and-Order-Mann. Dann aber zeigte er, dass auch Hardliner
       wandlungsfähig sind: Er führte die hessische CDU, die sich lange als
       rechter Kampfverband verstand, in eine Koalition mit den Grünen, es war die
       erste in einem Flächenland. Er unterstützte [4][2015 die Flüchtlingspolitik
       von Angela Merkel] und setzte in der Coronapolitik weniger auf Profilierung
       denn auf bundeseinheitliche Regelungen.
       
       Wie Bouffier hat auch Rhein sein Image vom Hardliner abgestreift: Er galt
       als ausgleichender Landtagspräsident. Nach dem [5][Anschlag in Hanau] fand
       er die richtigen Worte. Dass er Schwarz-Grün beisammenhalten und die
       Landtagswahl im kommenden Jahr gewinnen kann, muss er jetzt noch zeigen.
       
       Ganz freiwillig war Bouffiers Rücktritt übrigens doch nicht: Dass die CDU
       gegen den Willen eines Teils der Basis mit dem glücklosen Laschet in die
       Bundestagswahl zog, hatte der Strippenzieher mit durchgesetzt. Die
       Niederlage läutete sein politisches Ende mit ein und brachte letztlich
       Friedrich Merz an die Spitze. Mit Bouffiers Rücktritt geht nicht nur in
       Hessen eine Ära zu Ende.
       
       31 May 2022
       
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