# taz.de -- Höchstpreis für Öl: Realitätsferner Käuferstreik
       
       > Wer vom Ölimport abhängig ist, kann schwerlich den Preis festlegen, wie
       > es Wirtschaftsminister Habeck vorgeschlagen hat. Öl ist keine Eiscreme.
       
 (IMG) Bild: Die Ölpreise würden nur sinken, wenn die Importländer ihre Ölnachfrage einschränkten
       
       Eine charmante Idee, die aber nicht funktionieren wird: Der grüne
       [1][Wirtschaftsminister Robert Habeck] hat vorgeschlagen, den
       internationalen Ölpreis zu deckeln. Er will eine Art Kartell der großen
       Importländer bilden. Sie sollen sich weigern, überhöhte Ölpreise zu zahlen,
       und auf einem Maximalpreis bestehen. Habeck hat noch nicht verraten,
       welchen Höchstpreis er sich vorstellt. 120 Dollar pro Barrel? Oder 130?
       Momentan liegt der Ölpreis bei etwa 110 Dollar pro Barrel.
       
       Habeck behauptet, dass die USA und die EU bereits an diesem Konzept
       arbeiten würden. Das mag sein. Chancen hat die Idee trotzdem nicht. Denn
       die Importländer müssten bereit sein, kein Öl mehr abzunehmen, bis sie den
       gewünschten Barrelpreis durchgesetzt haben. Ein derartiger Käuferstreik
       würde jedoch nicht funktionieren, weil die Wirtschaft ohne Öl
       zusammenbricht. Die Importländer sind gnadenlos erpressbar. Öl ist keine
       Eiscreme.
       
       Wenn eine Kugel Eis gefühlt zu teuer ist, lässt sich die hochpreisige
       Eisbude mühelos boykottieren. Man geht eben woanders hin oder isst
       Schokolade. Öl lässt sich nicht beliebig ersetzen. Die Ölpreise würden nur
       sinken, wenn die Importländer ihre Ölnachfrage einschränkten. Zum Beispiel
       durch ein Tempolimit: Wären auf den deutschen Autobahnen nur maximal 100
       Stundenkilometer erlaubt und auf Landstraßen 80, ließen sich 3,7 Milliarden
       Liter Sprit pro Jahr einsparen.
       
       Aber ein Tempolimit will die FDP nicht. Stattdessen gibt es
       [2][Steuerrabatte auf Benzin und Diesel], sodass die Autofahrer den
       Eindruck gewinnen müssen, dass Öl unbegrenzt zur Verfügung steht. Wer Öl
       verschwendet, kann nicht in einen Käuferstreik treten. Auch Habeck dürfte
       wissen, dass sein Käuferstreik realitätsfern ist.
       
       Doch die deutsche Regierung sitzt in der Falle. Sie hat einem [3][Ölembargo
       gegen Russland] zugestimmt; aber wenn weniger Öl auf die Weltmärkte
       gelangt, wird der Brennstoff automatisch teurer. Da wirksame Maßnahmen wie
       ein Tempolimit an der FDP scheitern, versucht es Habeck nun mit viel
       Fantasie.
       
       24 May 2022
       
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